Interview mit Rebecca Brandewyne


Rebecca Brandewyne ist seit rund zwanzig Jahren eine der führenden Liebesromanautorinnen, ihre Romane werden weltweit in zig Sprachen übersetzt. Um so größer daher die Ehre, daß sie sich sofort zu einem Interview bereiterklärte!

Rebecca Brandewyne ist alleinerziehende Mutter und war viele Jahre lang die jüngste Autorin von historischen Liebesromanen.

Da sie sich derzeit um ihre kranke Mutter kümmert und daher sehr unter Termindruck steht, vereinbarten wir, daß dieses Interview ein wenig kürzer gestaltet wird, aber dafür ist es nicht minder interessant. Demnächst wird einer ihrer Klassiker, „Piratin der Leidenschaft“, wieder in Deutschland aufgelegt. Sie hat eine eigene Website unter http://www.brandewyne.com.

Angela: Können sie sich selbst ein wenig den deutschen Lesern vorstellen? Ein wenig über Ihren Hintergrund, Ihre Vorlieben und Abneigungen etc.? Was machen Sie, wenn Sie nicht an einem Buch arbeiten?

Rebecca Brandewyne: Ich wurde in Knoxville, Tennessee geboren, bin aber in Kansas großgeworden. Ich habe an der Wichita State University mit Magna Cum Laude sowie einem besonderen Lob meiner Fakultät abgeschlossen und habe einen B.A. in Journalismus, Nebenfächer in Geschichte und Musik sowie einen M.A. in Kommunikationswissenschaften. Bevor ich eine veröffentlichte Schriftstellerin wurde, habe ich zwischenmenschliche Kommunikation auf Universitätsebene gelehrt. Ich war 21 Jahre alt, als ich mit der Arbeit an meinem ersten Buch „Wer die Liebe flieht“ („No Gentle Love“) begann. Ein Jahr später hatte ich es fertig und habe es dann an Warner Books verkauft, wenige Monate nach meinem 23. Geburtstag, was mich zu diesem Zeitpunkt zur jüngsten Liebesromanschriftstellerin in Amerika machte. Ein Rekord, der für zehn Jahre stand, bevor er letztendlich gebrochen wurde.

Bis heute habe ich rund dreißig (glaube ich... ich habe den Überblick nach so vielen Büchern verloren <G>) Bestseller am Stück geschrieben, inklusive Romane und Novellen, die auf folgenden Bestsellerlisten vertreten waren: New York Times, Publishers Weekly, USA Today, Los Angeles Times, Magazine & Bookseller, Ingram, B. Dalton, Waldenbooks und vielen weiteren. Ich habe zahlreiche Preise für meine Arbeit gewonnen, bin in Fernsehshows wie „Good Morning, America“ und „Geraldo“ aufgetreten und war auch eine der Preisrichterinnen bei der Wahl zur Miss USA 1990. Ich war Thema eines Kommentares von Andy Rooney in „60 Minutes“ (ein Teil meiner Antwort wurde von Harry Reasoner im Radio vorgelesen) und des Dokumentarfilmes „Where the Heart Roams“ über das Liebesromangenre. Es wurde über mich in Publikationen wie Affaire de Coeur, Collier’s Encyclopaedia Year Book 1983, Contemporary Authors, Fiction Writers Monthly, Inside Books, Lovelines, Love’s Leading Ladies, Mademoiselle, Magazine & Bookseller, MS, Newsweek, Rave Reviews, Romantic Times, verschiedener Ausgaben von Who’s Who, landesweiter Zeitungen geschrieben. Außerdem war ich an der Sachliteratur „My First Real Romance“, „Read’em and Eat“ sowie „Recipes of Romance“ beteiligt.

Meine Hobbies und Lieblingssportarten beinhalten Astrologie, Backgammon, Bridge, Schach, Computer- und Nintendo-Spiele, Fechten, Reiten, Karate, Mittelöstlicher Tanz, Gitarrespielen, Singen, Lesen und Schießen. Außerdem erforsche ich gerne antike Geschichte (besonders die der Kelten und Pikten) und lese Mythologie, Philosophie (Nietzsche ist hier einer meiner Favoriten) und Theologie. Ich sammele Porzellanfiguren, Filmposter sowie Erinnerungsstücke von Highlander und Star Trek.

Mein Sternzeichen ist Fisch mit dem Mond im Löwen (Krebseinfluß) und aufsteigendem Skorpion, mein Geburtstag ist der 4. März, mein Geburtsstein ist der Aquamarin. Meine Lieblingsfarbe ist Lila. Meine absoluten Lieblingsfilme sind „Camelot“ und „All That Jazz“, meine absoluten Lieblingsbücher sind die Merlin-Trilogie von Mary Stewart (welche aus „The Crystal Cave“, „The Hollow Hills“ und „The Last Enchantment“ besteht) und „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco.

Was ich nicht mag, sind Ignoranz, Dummheit, Vorurteile, Intoleranz sowie Engstirnig- und Kleinlichkeit jeder Art.
Wenn ich nicht schreibe, höre ich normalerweise Musik (am liebsten mag ich Blues), lese tonnenweise Sachbücher und recherchiere antike Geschichte, Kosmologie, Esoterik, Mythologie, Philosophie und Theologie.

Angela: Wie und warum fingen Sie an zu schreiben? Sie waren jahrelang die jüngste Liebesromanautorin. War das ein beruflicher Vorteil für Sie? Ich habe gehört, daß sie ein „Mensa“-Mitglied sind (Anm.: die Intelligentesten der Intelligenten unter uns...), was ich ziemlich witzig finde, da immer noch das Vorurteil besteht, daß Autorinnen und Leserinnen von Liebesromanen dumme Hausfrauen seien. Hatte die Tatsache, daß sie zu „Mensa“ gehören, Einfluß auf ihre Kritiken?

Rebecca Brandewyne: Ich habe bereits als Kind geschrieben und mich hauptsächlich auf eine Schriftstellerkarriere eingelassen, da ich eine Nachteule bin, meinen eigenen Stundenplan erstellen, mein eigener Chef sein wollte und keinen „eight-to-five-job“ wollte wie andere Menschen. Ja, es war ein Vorteil, seinerzeit die jüngste Liebesromanautorin zu sein, da es mir viel Medien-Publicity einbrachte, die ich anders nicht bekommen hätte. Und ja, die Tatsache, daß ich zu „Mensa“ gehöre, hat manchmal ein oder zwei Kritiker zum Schweigen gebracht. <G>

Angela: Könnten Sie uns die Bedeutung Ihres Nachnamens erklären? „Brandewyne“ klingt nämlich eher nach etwas trinkbarem... :-)

Rebecca Brandewyne: Es wird nicht - wie viele fälschlicherweise denken - wie „Brandy-wine“ ausgesprochen, sondern wie „Bran-de-wyne“. <G> Es ist keltisch und bedeutet „Gottes weißer Rabe“, was ein keltisches Friedenssympol war. Meine Vorfahren waren Kelten (Iren, Schotten, Waliser, Bretonen) und Deutsche.

Angela: Ihr erstes Buch „No Gentle Love (dt. Titel: „Wer die Liebe flieht“) war ein ausgezeichnetes Buch mit einer faszinierenden Story und interessanten Schauplätzen wie z.B. China. Doch leider war der Held in meinen Augen ein ziemlich fieses Beispiel eines „Alpha Helden“... Ständig schlug und vergewaltigte er die Heldin und ich fragte mich, wie die Heldin ihn überhaupt noch lieben konnte. Was denken Sie heute über dieses Buch, da sich Ihr Stil seitdem komplett geändert hat und Ihre Heldinnen sehr stark wurden? Was sagten die Kritiker und Leser 1980 und was sagen sie im Jahr 2000? Was halten Sie von dem Rollenwechsel zwischen Held und Heldin innerhalb der letzten Jahre?

Rebecca Brandewyne: Tatsächlich bin ich sehr stolz auf „Wer die Liebe flieht“ und ich finde, daß es ein wunderbares Buch für eine 21jährige ist, die gerade mit ihrer Schriftstellerkarriere in einem damals noch brandneuen Genre begonnen hatte. Ich persönlich finde historische Liebesromane bedeutend interessanter, wenn sie der Zeit, in der sie spielen sowie den Männern und Frauen die damals lebten, gerecht werden und keine Kostümdramen mit modernen Menschen, die in vergangene Jahrhunderte verpflanzt wurden, sind. Was die Kritiken damals und heute betrifft, schien die größte Mehrheit meine Arbeiten immer zu mögen und ich kümmere mich nicht sonderlich um solche, deren Geschmack meine Arbeit nicht entspricht. Schriftsteller können nicht jedem grundsätzlich gefallen, deshalb ist es dumm, es zu versuchen. Bezüglich des Rollenwandels zwischen Held und Heldin in den letzten Jahren kann ich nicht unbedingt sagen, daß ich ihn für mich selbst wahrgenommen habe. Wie alle Leser habe ich ebenfalls meine Lieblingsarten von Liebesromanen, die ich gerne lese und ich lese normalerweise keine anderen Arten, besonders heute, da meine Freizeit sehr eingeschränkt ist. Ich persönlich bevorzuge auch „Alpha Helden“, da ich immer der Ansicht war, daß fehlerhafte und suchende „böse Jungs“ weitaus interessantere und herausforderndere Charaktere abgeben.

Angela: Nachdem Sie „Fieber der Sehnsucht“ („Love, Cherish Me“) geschrieben haben, schrieben Sie das Sequel „Dornen der Sehnsucht“ („And Gold Was Ours“) über den Cousin von „El Lobo“. Ich würde gerne wissen, warum Sie dieses Buch schreiben wollten und dabei in der „Geschichte zurückgingen“ in eine Zeit, in der Lobo, Storm und ihr Sohn Chance (der hier noch lebte) noch glücklich waren. Gab es Leser, die das verwirrend fanden, da sie wußten, daß Chance sterben würde?

Rebecca Brandewyne: Ich schrieb „Dornen der Sehnsucht“ aus zwei Gründen:
1. Lobos Cousin, Aguila, interessierte mich als Charakter, deshalb dachte ich, er selber würde einen großartigen Helden abgeben und
2. es schrieben mir jahrelang hunderte von Lesern, die ein Sequel zu „Fieber der Sehnsucht“ verlangten. Ich wollte aber kein Sequel zu diesem speziellen Buch schreiben, da ich meiner Meinung nach alles über Storm und Lobo gesagt hatte, was es zu sagen gab.
Soweit ich weiß, fand niemand die Zeitsequenz der beiden Bücher verwirrend, da sie alle zu erkennen schienen, daß „And Gold Was Ours“ „Fieber der Sehnsucht“ einfach überlappte. Ich nenne es ein „Begleitstück“.

Angela: Sie haben außerdem paranormale Kurzgeschichten über Vampire und Werwölfe geschrieben, viele Ihrer Geschichten haben einen „paranormalen Touch“. Werden Sie eines Tages einen richtigen paranormalen Roman schreiben? Oder das Genre wechseln?

Rebecca Brandewyne: Eines Tages schreibe ich vielleicht einen paranormalen Roman. Jedoch habe ich derzeit keine Pläne das Genre zu wechseln - mit der Ausnahme, daß ich seit vielen Jahren an einem Sachbuch über die Geschichte der Kelten und Pikten arbeite, was ich inzwischen beinahe beendet habe.

Angela: „The Lioness Tamer“ („Verwöhnt von so viel Zärtlichkeit“, Cora Verlag 1999) ist ein wirklich wunderbarer Zirkus-Liebesroman. Warum haben Sie einen Zirkus-Liebesroman geschrieben, da ein Zirkus eher ein ungewöhnlicher Schauplatz für einen Liebesroman ist und kannten Sie „Küß mich, Engel von Susan Elizabeth Phillips vorher? Was mögen Sie am Schreiben von Contemporaries?

Rebecca Brandewyne: Ich bekam die Idee für „Verwöhnt von so viel Zärtlichkeit“, als ich mit meinem Sohn im Zirkus war, dort einen wirklich sexy Löwendompteur sah und mir dachte, daß jemand wie er einen großartigen Helden für einen Liebesroman abgeben würde. <G> Ich mag den Zirkus auch privat, obwohl sie eine außergewöhnliche Umgebung für einen Liebesroman darstellt. Dies wiederum, weil es heißt, sie seien bei Lesern unbeliebt. Nein, ich kenne „Küß mich, Engel“ von Susan Elizabeth Phillips nicht. Ich lese heute bei weitem nicht mehr so viel Liebesromane wie vor zwanzig Jahren, da ich einen hektischen Zeitplan und somit wenig Zeit habe. Was Contemporary Romances betrifft, der Hauptgrund, warum ich sie gerne schreibe ist, daß sie für mich nicht den Aufwand an umfassenden Nachforschungen erfordern, der für mich bei historischen Liebesromanen notwendig ist.

Angela: Sie sind in Ihren Büchern auf keine historischen Zeitalter fixiert. Über welches Zeitalter schreiben Sie am liebsten? Ist es nicht ab und zu schwierig über verschiedene Zeitalter zu schreiben, da Sie nicht auf vorangegangene Nachforschungen zurückgreifen können?

Rebecca Brandewyne: Am liebsten würde ich über das Dunkle Zeitalter schreiben. Aber da es heißt, daß es unbeliebt sei,  sind die meisten Verlage nicht an Manuskripten über dieses Zeitalter interessiert, was ich schade finde, da die beliebten Zeitalter mittlerweile im wesentlichen ausgewalzt worden sind. Nein, es ist nicht wirklich schwierig über verschiedene Zeitalter zu schreiben, da sich Recherchen in verschiedenen Bereichen anhäufen, so daß ich nun, nachdem ich zahlreiche Bücher über den Amerikanischen Westen geschrieben habe, so viele Details aus dieser speziellen Zeit weiß, daß ich insgesamt nicht mehr viel Recherchen dafür anstellen muß.

Angela: Haben Sie in Ihren Büchern einen Helden oder eine Heldin, die Sie am liebsten mögen? Wieviel von Ihnen steckt in Ihren Heldinnen? Haben Sie ein Lieblingsbuch unter Ihren Büchern?

Rebecca Brandewyne: Mein Lieblingsheld ist Renzo Cassavettes aus meinem Buch „Dust Devil“. Ich habe keine wirkliche Lieblingsheldin unter meinen Heldinnen. Manchmal steckt etwas von mir in meinen Heldinnen, aber meistens sind meine Heldinnen ganz anders als ich und es stimmt mich nachdenklich, wenn ich Fanpost von Lesern erhalte, die sagen sie „kennen mich“ nachdem sie über meine Heldinnen gelesen habe. Die Wahrheit ist, daß meine Heldinnen oftmals Dinge denken, sagen und tun, die ich niemals in einer Million Jahre denken, sagen oder selber tun würde. <G> Das ist eine der Sachen, die sie und andere Charaktere für mich als Schriftstellerin interessant und herausfordernd machen.

Wenn ich nur eines meiner Bücher unter all meinen Büchern als Lieblingsbuch herauspicken sollte, nehme ich an, daß es aus verschiedenen Gründen „Dust Devil“ wäre. Aber es gibt tatsächlich andere Bücher von mir, die ich aus anderen Gründen genauso gerne mag.

Angela: Wie sehen Ihre Zukünftspläne und zukünftigen Bücher aus?

Rebecca Brandewyne: Ich beende gerade einen Contemporary Romance namens „Destiny’s Daughter“ für MIRA Books und habe zwei weitere unter Vertrag, sowie drei Novellen. Die meisten meiner historischen Liebesromane werden derzeit von Leisure Books wieder veröffentlicht und ich arbeite außerdem an einem Western Liebesroman für sie. Ich hoffe, daß ich dieses Jahr endlich mein Sachbuch über die Kelten und Pikten beenden kann, aber dieses muß ich immer wieder für meine Liebesromane zurückstellen, so daß es manchmal eine unendliche Geschichte zu sein scheint. <G>

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Dieses Interview entstand im März 2000 zwischen Angela W. und Rebecca Brandewyne für:



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