Interview mit Marsha Canham

(links Marsha Canham, rechts Connie Brockway nach der Verleihung der
Career Achievement Awards bei der Romantic Times Convention)

Marsha Canham ist auch in Deutschland mit ihren Romanen seit langer Zeit äußerst erfolgreich. Ihre Romane sind - im Gegensatz zur ihr! - sehr düster. Wer allerdings einmal einen Blick auf ihre Website und ihr Message Board geworfen hat, sieht, dass sie einen äußerst schrägen Humor besitzt und sozusagen als "Scherzkeks der Branche" bekannt ist. Die Romantic Times Conventions macht sie regelmäßig unsicher und kein Cover Model ist vor ihr und ihren Freundinnen sicher... ;-)

Sie ist außerdem verantwortlich für den plötzlichen Ruhm von Cover Model und Autor Cherif Fortin und dessen Partnerin, der Fotografin Lynn Sanders. Sie lernte ihn 1997 bei der Romantic Times Convention kennen und bestand bei ihrem Verleger auf die Cover des Teams.

Sie würde sich sehr freuen, wenn auch einige deutsche Fans den Weg zu ihren Websites finden würden, oder ihr eine e-mail schicken:

Ihre Homepage:
http://www.geocities.com/Paris/Bistro/6971/index.html

Ihr Message Board:
http://wwwInsideTheWeb.com/messageboard/mbs.cgi/mb13923

Ihr e-mail:
marsha.canham@sympatico.ca
 
 

Angela: Können Sie den deutschen Fans ein bisschen von sich erzählen? Wo Sie leben, über Ihre Hobbies, ihre Familie ...

Marsha Canham: Ich lebe in einer Kleinstadt ausserhalb von Toronto/Ontario (Kanada), bin seit 27 Jahren mit meinem Ehemann Peter verheiratet. Wir haben einen Sohn, Jeffrey, der mit Michelle verheiratet ist, einer wunderbaren Frau, und beide haben uns unseren ersten Enkelsohn geschenkt, Austin, der die "Sonne meines Lebens" ist. Hobbies? Mit einem Enkelsohn, der gerade mit dem Laufen und Sprechen beginnt, habe ich nicht viel Zeit für Hobbies, aber ich würde mich wirklich gerne wieder mit der Herstelllung von bunten Glasfenstern und -bildern beschäftigen. Das Glas zu schneiden, es zu zerkleinern, und es dann wie ein Puzzelspiel zusammenzusetzen war für mich eines der erholsamsten Dinge, um zwischen zwei Büchern meinen Kopf wieder frei zu bekommen. Nun habe ich kaum noch Zeit für einen Kurzurlaub unter irgendwelchen Palmen.

Angela: Wann, wie und warum begannen Sie, historische Liebesromane zu schreiben, und wie feierten Sie, als Ihr erstes Buch veröffentlicht wurde?

Marsha Canham: Ich begann zu schreiben als Jeffrey fünf Jahre alt war (das war vor zweiundzwanzig Jahren), aber mein erstes Buch wurde nicht vor 1982 veröffentlicht. Und ich musste gerade im Krankenhaus eine Operation am Knie über mich ergehen lassen, als die Mitteilung eintraf, dass "China Rose" angenommen wurde, daher konnte ich nicht einmal vor Freude auf und ab hüpfen oder auf das Dach steigen und Jubelschreie ausstossen!

Angela: Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus? Wie führen Sie die Forschung für Ihre Bücher durch?

Marsha Canham: Mein Arbeitstag ist so wie der von vielen anderen: Um 8 Uhr bin ich im Büro; entweder arbeite ich Fachbücher für meine Nachforschungen durch, oder ich "ackere" an einem Entwurf oder ich revidiere das, was ich am Tag vorher verfasst hatte oder ich werfe alles weg und beginne von vorne. Wenn es ein schlechter Tag ist, bin ich um drei oder vier aus dem Büro raus (das bedeutet, ich marschiere durch den Flur und knalle die Tür hinter mir zu). Wenn es ein guter Tag ist und alles prima läuft und ich die Worte nicht schnell genug zu Papier bringen kann, kann es manchmal sein, dass ich mich bis elf oder zwölf Uhr nachts einschliesse. Mein Mann hat gelernt, die Anzeichen für einen guten/schlechten Tag zu erkennnen. Wenn ich mit den Nachbarn draussen sitze, dann weiss er, dass er nicht zu fragen braucht, wie es läuft. Wenn ich in meinem Büro bin, und die Tür geschlossen ist, dann weiss er, dass er nicht einmal auf Zehenspitzen hereinschleichen darf. Wenn ich im Büro bin und die Tür steht offen, heisst das, dass er ‚Hallo‘ sagen kann, und vielleicht sogar Essen bekommt. *G*

Angela: Ihre Bücher erinnern mich an alte Abenteuerfilme mit z. B. Tyrone Power oder Errol Flynn. Kommen Sie auf Ihre Ideen, wenn Sie diese Filme anschauen? Oder auch die Namen (wie Tyrone aus "Pale Moon Rider"...)

Marsha Canham: Nun, das ist eines der schönsten Komplimente, das ich je gehört habe, da ich diese alten Filme liebe; und Tyrone Power und Errol Flynn sind meine Lieblingsstars (und ja, Tyrone wurde nach Tyrone benannt).  Ich besitze eine grosse Sammlung dieser Oldies auf Video, wie "Captain Blood", "The Sea Hawks" und alle verschiedenen Robin Hood Verfilmungen. Wenn ich einen trüben Nachmittag erlebe oder wenn ich steckenbleibe und mir einfach kein Wort mehr einfällt, setze ich mich oft hin und schaue einige Filme an, um meinen Glauben an abenteuerlustige Helden wieder zu erwecken.

Angela: Waren Ihre Fans enttäuscht über das in gewisser Weise offene Ende von "Pride Of Lions" und "Blood Of Roses"? Der Leser/die Leserin wird voller Erwartung sozusagen "in der Luft hängen gelassen". Warum beendeten Sie diese Geschichten auf diese Art und Weise? Planen Sie, eine Fortsetzung dieser Romane zu verfassen?

Marsha Canham: Ich habe von vielen Leserinnen über diese beiden Bücher gehört, aber meistens, als sie zuerst veröffentlicht worden waren. Der Originalroman "Pride of Lions" erschien 1989, ungefähr drei Monate bevor der Verlag Pleite ging. Nun wurde nicht nur das Erscheinen der Fortsetzung "The Blood of Roses" um bald zwei Jahre verzögert bis ein anderer Verlag sie veröffentlicht hat, sondern im Originalroman "Pride" wurde vergessen, einen Hinweis auf die Fortsetzung "Roses" anzufügen, um die Leserinnen wissen zu lassen, dass es eine Fortsetzung GIBT. Wenn sie "Pride" gelesen haben, wissen sie, dass das Ende kein Happy End war, und ungefähr "fünfzig Regeln für das Schreiben von Liebesromanen" wurden verletzt, als der Held die Heldin auf ein Schiff verfrachtete und sie wegschickte, während er Pläne schmiedete, in den Krieg zu ziehen. Der Hinweis auf "Roses" sollte dort angeschlossen werden, aber wie schon gesagt, der Verlag hat einen Fehler gemacht; und wäre die Fortsetzung, wie geplant, drei Monate später erschienen, hätte es nicht soviele wütende Fans gegeben. Dies geschah auch noch in der Zeit vor E-mails und elektronischer Kommunikation, daher war mein Briefkasten jeden Tag voll und ich musste jeden Tag ein paar Stunden damit verbringen, all die Briefe per Hand zu beantworten. Gottseidank war der Hinweis auf die Fortsetzung bei der Wiederauflage von Dell eingefügt. Ich erhalte eine Menge E-mails in denen nach einer Fortsetzung gefragt wird, aber meiner Meinung nach war die Geschichte komplett. Alex und Catherine in der Höhle zu lassen, indem sie über ihre Zukunft nachgrübeln und ihre Vergangenheit brennen sehen ... das erschien mir einfach die richtige Stelle, um den Roman so zu beenden. Ich konnte es mir nicht vorstellen, die Story immer weiter auszudehnen, sie nach Amerika oder wo auch immer hin zu versetzen. Ich überliess es der Vorstellungskraft der Leserin, ihnen eine Zukunft zu geben. Ich arbeite an einem dritten Buch, das in derselben Zeitperiode in Schottland spielt, aber ich konzentriere mich auf Colonel Anne Moy's Geschichte. Sie wurde in "The Blood of Roses" kurz vorgestellt, und ich habe vor, diesen Gefallen zu erwidern, indem ich Alexander und Catherine in "Born of Midnight Honor" auftauchen zu lassen.

Angela: Ihre Bücher sind sehr leidenschaftlich und sehr gefühlvoll. Wie beeinflusst Sie das als Autorin? Haben Sie die gleichen leidenschaftlichen Gefühle wie sie eine Leserin fühlen würde? Sind Sie jemals von einer Geschichte gefühlsmässig gefesselt und so tief in Anspruch genommen, dass Sie merken, Sie werden völlig von der Dramatik und den Gefühlen beansprucht? Wenn dem so ist, wie gehen sie damit um? Oder ist es einfach nur eine Geschichte für Sie, die Sie leicht beiseite schieben können? Einige der Schlachten, die in Ihren Büchern vorkommen, sind so detailliert und verworren, dass die Leserin nicht sicher sein kann, wer bis zum Ende des Buches überleben wird. Ist es Ihre Absicht, zu zeigen, dass nicht nur der "Böse" fallen kann, sondern er oder sie auch die Starken und Unschuldigen mit sich reissen kann? Eher die Realität von Leben und Tod als die Beschönigung, wie sie in so vielen Liebesromane dargestellt wird?

Marsha Canham: Wow. Gute Fragen und alle recht schwierig zu beantworten, aber ich will es versuchen. Ja, ich versuche, etwas mehr Gefühl in meine Bücher zu bringen und ich sage deshalb „etwas“, weil ich gerne einen leidenschaftlichen, düsteren Roman mit einer leichteren, weniger gewalttätigen Story abwechsle. Zum Beispiel, zwischen meinen im Mittelalter spielenden Romanen, die von manchen als für Liebesromane zu gewalttätig angesehen wurden, schrieb ich Bücher wie "Straight For the Heart", "Under the Desert Moon", und "Dark and Dangerous". Die einzigen zwei Bücher, die dieses Muster durchbrachen, waren "The Pride of Lions" und "The Blood of Roses", an denen ich drei Jahre gearbeitet habe und die mich gefühlsmässig derart aufgerieben haben, dass es zehn Jahre dauerte, bis ich den Mut fand, das dritte derartige Buch zu schreiben. Bei diesen beiden Büchern fühlte ich jeden Schuss und jeden Schwertstreich, und ja, ich hatte das Gefühl, ich befände mich mit den Charakteren auf dem Schlachtfeld. Ich wusste von Anbeginn an, daß die abschliessende Schlacht von Culloden für die Leserin gefühlsmässig anstrengend sein musste, damit sie die ganze Tragödie all dieser heldenhaften Männer mitfühlen können, die für einen hoffnungslosen Zweck starben. Ich wusste ebenso, dass ich, um dieses zu bewerkstelligen, einige sekundäre/Hauptcharaktere erfinden musste, für die die Leserin fast ebenso starke Gefühle wie für Catherine und Alex entwickeln würde ... und sie dann auf dem Schlachtfeld sterben lassen musste. Um ehrlich zu sein, ich habe geheult wie eine Blöde, als ich über Aluinn's Tod schrieb. Dann, als ich das Gefühl hatte, die Leserin würde geschockt aber nicht entsetzt sein, griff ich auf den letzten Entwurf zurück, ungefähr eine Woche, bevor ich ihn abschickte, und fügte noch Dierdre's Tod hinzu, aus eben dem Grund, den Sie erwähnten, da ich zeigen möchte, dass nicht nur der "Böse" in einem Krieg stirbt, sondern auch die Unschuldigen ebenso zu leiden haben.

Angela: Renee in "Pale Moon Rider" war keine Jungfrau, obwohl sie nicht verheiratet war, was in Liebesromanen doch nicht sehr üblich ist. Übertragen Sie hier unsere modernen Ansichten über Sexualität in das späte 18. Jahrhundert, da vorehelicher Sex nicht geradae üblich war, auch wenn ihr Liebhaber ihr Verlobter war? Oder glauben Sie, dass die Ansichten über Sexualität im 18. Jahrhundert genauso üblich waren wie heutzutage, nur dass die Diskussion dieses Themas nicht so öffentlich verlief wie in der heutigen Zeit?

Marsha Canham: Nach meiner Forschung war vorehelicher Sex damals ebenso weit verbreitet wie heute, nur sprach man in der feinen Gesellschaft nicht darüber. Und aussereheliche Affairen waren damals praktisch an der Tagesordnung, indem die Ehefrau die Tatsache, dass ihr Gatte eine Mätresse hatte, akzeptierte, und umgekehrt, so lange beide Parteien sich diskret verhielten. Ich denke, dieses Thema steht inzwischen mehr im Mittelpunkt der Nachrichten, weil es Sofortbilder gibt - mit CNN und all den schäbigen Boulevard-Zeitschriften - und Hotlines, die Klatsch an "Käseblättchen" verkaufen, und ebenso gibt es heute ein grösseres Publikum, das die Skandale morgens zusammen mit Toast und Kaffee verschlingt.

Angela: Wie schon erwähnt, sind Ihre Bücher sehr ernsthaft und dramatisch, aber jeder kann an Ihrer Website erkennen, dass Sie sehr humorvoll sind. Würden Sie gerne eines Tages einmal das Genre wechseln und zum Beispiel ein humorvolles Buch schreiben? Oder etwas ganz anderes, ganz weitab vom Liebesroman-Genre?

Marsha Canham: Zur Zeit bin ich ganz zufrieden mit historischen Liebesromanen, obwohl ich zugeben will, dass ich ab und zu daran gedacht habe, ein Buch mit humorvollen Kurzgeschichten zu verfassen. Und ich habe einen raffinierten Mord-Mystery/Thriller im Hinterkopf, nur bin ich jetzt noch nicht sicher, ob ich schon diese „Vertrauensmutprobe“ durchführen möchte - oder ob ich meinen Leserinnen dies zumuten möchte.

Angela: Ich habe erfahren, dass Sie die wunderschönen Romance Cover von Lynn Sanders und Cherif Fortin unterstützen. Warum und wie tun Sie das? Ich erfuhr auch, dass Sie eine der Personen seien, die sie "entdeckten"? Ist das wahr? Ich habe gesehen, dass sie ebenso für einige ihrer Cover verantwortlich zeichnen. Hatten Sie zuvor schon mit Lynn Sanders gearbeitet?

Marsha Canham: EINE der Persönlichkeiten?  Hah.  ich bin DIEJENIGE, welche Cherif und Lynn zum erstenmal auf einer Konferenz traf, keine vier oder fünf Stunden nachdem mich der Herausgeber von Dell auf eine Wiederherausgabe von "Pride of Lions" und "Blood of Roses" angesprochen hatte. Ich schaute ihn (Cherif) an und sah meinen Alexander. Ich fragte, ob er einige Photos habe, und Lynn hat sie mir am nächsten Tag von Chicago per Kurierdienst geschickt. Ich wiederum sandte sie per Kurier zu meiner Herausgeberin in New York mit der hintergründigen Bemerkung: dies ist Alex, ich möchte ihn auf den Covern. Sie stimmte zu ... und der Rest ist Geschichte. Virginia Henley und Nan Ryan sassen am selben Tisch und stimmten mit mir überein, dass er ein sehr hübsches Exemplar der Sorte Mann sei, und verlangten ihn anschliessend für ihre Cover, aber ich war diejenige die der Sache nachging und ihn sich zuerst schnappte. *G*

Angela: Haben Sie andere bevorzugte Cover-Models neben Cherif? Haben Sie viel Einfluss auf die Auswahl Ihrer Roman-Cover? Haben Sie ein Lieblingscover unter Ihren Büchern? Haben Sie jemals ein Cover "gehasst" und wollten es geändert haben? Haben Sie Ihren Wunsch erfüllt bekommen? Oder hat der Verleger oder die künstleriche Abteilung das letzte Wort?

Oh je, da haben Sie einen weiteren wunden Punkt getroffen. Cover? Das ist meistens eine extrem spannende Angelegenheit, wenn Sie das FedEx-Päckchen sehr vorsichtig öffnen und die Korrekturfahne des Covers mit den Fingerspitzen herausnehmen. Wenn Sie es sehen, lassen Sie es entweder schreiend wie eine heisse Kartoffel fallen, oder Sie atmen mit einem tiefen Seufzer der Erleichterung auf.

Ich hatte zwei Cover bei deren Anblick ich Schreikrämpfe bekam - die ursprüngliche hässliche Explosion pinkfarbener Blumen, die die Vorderseite von "Under The Desert Moon" erdrückte (später erneut mit dem Bild eines schwarzen Hengstes, der sich unter einem Wüstenmond aufbäumt herausgegeben... stellen Sie sich mal diese Logik vor *G*), und das kürzer zurückliegende orange- und frostig-pfauenblaue auf der Vorderseite von "Swept Away". Ich hatte über die Jahre hinweg verhältnismässig viel Glück, dass meine Herausgeber, die die Empfänger meines Geschreis und Gegeifers über Blumencover sowie Kunstwerken mit wilden, akrobatischen Umklammerungen waren, mir Zeichnungen zur Genehmigung geschickt haben oder nach meinen Ansichten über das Aussen- wie auch das Innencover gefragt haben. Die beiden, die ich erwähnte, waren Ausnahmen, indem ich betreffend des Innencovers befragt wurde, die in beiden Fällen phantastisch waren, aber die äusseren Cover gingen irgendwie an mir vorbei. Ich war auch nicht gerade glücklich mit dem äusseren Cover von "Across A Moonlit Sea", aber das Innencover mit Rob Ashton in einem zerrissenen Hemd, der ganz alleine auf den Leser blickt, wird immer mein Lieblingscover bleiben. Ich liebe dieses Bild. Es fängt die ganze Stimmung des Buches in einem einzigen Blick - oder einer sehr langen schwärmerischen Studie - ein.

Angela: "Pride of Lions" und "Blood of Roses" wurden bei der ersten Auflage mit einem völlig anderen Cover als jetzt veröffentlicht. Wenn man die Beschreibung von Alexander Cameron in diesen beiden Büchern liest, und die neuen Cover sehen, erscheint es einem so, dass Cherif vor Ihnen stand, als sie sie geschrieben hatten, jedoch tauchte er erst Jahre nach der Erstveröffentlichung auf. Als Sie Cherif zuerst trafen, fiel Ihnen da auch die Ähnlichkeit von Cherif und Alexander auf? Wenn Sie schreiben, beziehen Sie sich da auf Photos oder Männer? Haben Sie einen bestimmten Mann im Kopf, wenn Sie eine Geschichte beginnen? Wenn ja, bei welchem Buch war das so?

Marsha Canham: Manchmal habe ich nicht mehr als ein vages Bild im Kopf, wenn ich beginne, und ein anderes mal sehe ich ein Bild in einer Zeitschrift, und mir stehen die Haare zu Berge, so dass ich es ausschneide und zur "Inspiration" über meinen Schreibtisch hänge. Ich habe schamlos auf Tom Selleck, Val Kilmer und Tom Berenger zurückgegriffen, und Timothy Dalton war mein ursprüngliches Modell für Alexander, bis ich Cherif erblickte. Ein anderes mal schreibe ich, ohne dass ich ein Gesicht oder einen Körper in meiner Vorstellung habe und suche die Menge nach jemandem ab, der meinem Hauptcharakter ähneln könnte. Die gleiche Reaktion mit dem "Haare zu Berge stehen", wenn ich ihn je entdecke. *G*

Angela: Nachdem wir über Lieblings-Cover gesprochen haben ... was sind Ihre Lieblingsbücher, Heldinnen und/oder Helden unter Ihren Büchern? Welche anderen Autoren und Bücher lesen Sie?

Marsha Canham: Nach einem Lieblings-Helden zu fragen, ist wie die Frage, welches Ihrer Kinder Sie am meisten lieben. Sie sind alle meine liebsten und besten zu der Zeit, wenn ich sie schreibe, und wenn es Zeit ist, zum nächsten Buch überzugehen, lasse ich sie nicht fallen, um ein besseres Modell zu gestalten, sondern ich lege sie nur auf die Seite und stelle mir vor, sie schauen mir über die Schulter, während ich schreibe. Ich versuche, sie alle ein bisschen unterschiedlich zu gestalten, nicht nur was die physische Beschreibung angeht. Einige haben mehr mentale Probleme als andere. Einige sind furchtloser, einige sind intellektueller und einige - wie Tyrone aus "Pale Moon Rider"--sind einfach rücksichtslose böse Buben, die keine Neigung dazu haben, sich zu bessern.

Angela: Sie besitzen Ihre eigene Website mit einem Chat- und einem Diskussionsforum, und es scheint, dass Sie viel Spass dabei haben. Nicht jede Autorin gibt ihren Fans soviel Einblicke in ihr Privatleben und ihre Arbeit. Warum haben Sie sich entschieden, dies anzubieten? War dies manchmal von Vorteil für Ihre Karriere? Ist es nicht manchmal schwierig, wenn Sie einen Abgabetermin einhalten müssen, sich dann noch mit Ihrer Website und Ihrem Diskussionsforum befassen zu müssen (von Ihren E-mails ganz zu schweigen)?

Marsha Canham: Nun, die Website und das Diskussionsforum sind meine Art und Weise, mich selbst oder das, was ich tue, nicht zu ernst zu nehmen. Die Leute sagen manchmal "Oh, ich kann es nicht fassen, ich unterhalte mich mit einer berühmten Autorin!", und ich schaue dort vorbei, damit sie merken, mit wem sie sprechen. Die Website ist meine Art, vermute ich mal, um jedem zu zeigen, dass ich so normal und menschlich und gewöhnlich wie jeder andere auch bin, mit derselben Hypothek, den selben familiären Widerwärtigkeiten, denselben hektischen Aktionen, Arbeit, Haushalt und Familienleben unter einen Hut zu bringen. Tatsächlich verbringe ich nicht so viel Zeit online, obwohl ich versuche, fast jeden Tag meine E-mails und mein Diskussionsforum durchzusehen. Die "Deadline-Hell" kann ganz schön beängstigend sein, aber manchmal heitert einen ein kleiner Schwatz mit Freunden oder Gelächter über einige Witze, die jemand veröffentlicht hat oder eine E-mail von einem Leser für den ganzen Tag auf und lindert die Anspannung ein bisschen.

Angela: Sie sind auch im Ausland, wie z. B. in Deutschland, sehr erfolgreich, und fast alle Ihre Bücher wurden ins Deutsche übersetzt. Hören Sie oft von ihren ausländischen (besonders den deutschen) Fans?

Marsha Canham: Tatsächlich nein. Ich erhalte viele Mails aus den USA und einige aus Australien und England, aber bis jetzt hatte ich erst eine E-mail von einer deutschen Leserin und sie war ... ähm, nicht sehr glücklich über eines meiner Bücher. Wenn es also dort einige Leserinnen gibt, denen meine Bücher gefallen, würde ich mich freuen, von ihnen zu hören. Ich besitze ebenso drei Websites, eine persönliche und zwei für Kritiken und Romanauzüge, die alle über die am Anfang aufgeführte Seite erreicht werden können.

Angela: Können Sie uns ein bisschen über Ihre zukünftigen Pläne und Bücher erzählen? Wissen Sie, welche Ihrer Bücher demnächst in Deutschland erscheinen werden?

Marsha Canham: Nun, wie schon erwähnt, befinde ich mich gerade in der unter Abgabedruck für das dritte Schottland-Buch, mit dem Titel "Born of Midnight Honor". Danach denke ich wieder an einen Mittelalter-Roman. Ich liebte es, die Robin Hood Bücher zu schreiben und meine Rüstung wird rostig, da sie so lange im Schrank hängt. Ich glaube, dass die deutschen Rechte für "Swept Away" kürzlich verkauft wurden.

Angela: Sie scheinen bei den Romantic Times Conventions sehr aktiv zu sein. Macht Ihnen das Spass? Werden Sie dieses Jahr an der Convention in Houston teilnehmen?

Marsha Canham: Die Romantic Times Conventions – mal abgesehen davon, dass sie ein Ort sind, um alte Freunde zu treffen, neue kennenzulernen, mit Herausgebern, Marketing-Leuten und Lesern zu verkehren - machen einfach grossen SPASS.
Es sind für gewöhnlich vier Tage ohne ausreichend Schlaf, mit viel Gelächter und Parties rund um die Uhr. Ich habe an dem Kostümwettbewerb seit vielen Jahren teilgenommen, genauso wie beim Cover Model Wettbewerb, ich habe Workshops gegeben und "Hospitality Suites" (Anm.: eine Veranstaltung während der Convention, bei denen die Autorinnen und LeserInnen die Möglichkeit gegeben wird, sich zwanglos zu unterhalten) veranstaltet, und war eine Teilnehmerin an der riesigen Buchmesse mit Autogrammstunden; deshalb: ja, ich werde ganz bestimmt im November an der Houston Convention teilnehmen! Ich weiss, es ist ein langer Weg von Deutschland, aber falls irgendjemand einen Urlaub in den Vereinigten Staaten plant, wäre dies sicherlich eine sehr unterhaltsame Art, einen Urlaub zu beginnen oder zu beenden!

© Isolde Wehr und Angela Weiß, April 2000, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im April 2000 zwischen Angela W. und Marsha Canham für:



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