Interview mit Catherine Coulter



Angela: Können Sie sich Ihren deutschen Fans ein wenig vorstellen?

Catherine Coulter: Mein Name ist Catherine Coulter. Die meisten denken, daß dies ein Pseudonym sei, weil mein Name so hübsch klingt, aber es ist keines. Es ist mein Mädchenname. Ich bin auf einer Pferderanch in Texas aufgewachsen, ritt ohne Sattel, ängstige meine Mutter zu Tode und erreichte aber doch das Erwachsenenalter. Ich lese gerne, fahre Ski, gehe gerne einkaufen und besuche meine Freunde. Mein Mann und ich verreisen zwei mal im Jahr, normalerweise nach Europa.

Angela: Warum und wieso fingen Sie an zu schreiben?

Catherine Coulter: Schreibtalent liegt in den Genen und in meinem Fall erbte ich es von meiner Großmutter, die mit 37 Jahren an einem blutenden Geschwür starb, was vollkommen unnötig war, sie war einfach sturköpfig. Meine Mutter war außerdem Klavier- und Orgelspielerin und mein Vater ist Maler und Sänger. Ich denke, diese Gene vermischten sich und ich entstand aus dieser speziellen Mixtur. Schreiben fiel mir immer leicht. Mit 14 schrieb ich zwei Romane. Sie waren ungefähr fünfzehn Seiten lang. Es wird „den richtigen Weg einschlagen“-Syndrom genannt. Im College schrieb ich Gedichte, wahrscheinlich ein Pflichtprogramm für arrogante Erstsemester. In New York schrieb ich die Reden für einen Präsidenten einer Versicherungsgesellschaft und ich schwöre Ihnen, ich kann selbst Versicherungen zu etwas lustigem machen. Mein Mann war Medizinstudent an der Columbia Presbyterian und deshalb konnte ich ihn immer nur abends zum Dinner sehen. Und so las ich alles, was ich zwischen die Finger bekam. Eines abends warf ich das Buch, das ich gerade las, quer durch den Raum und sagte zu meinem Mann, dass ich das besser könne. Er sagte: „Dann laß es uns machen.“ Wir entwarfen „Verlies des Herzens“ („The Autumn Countess“) zusammen. Als es fertig war, hatte ich keine Ahnung, was ich damit anfangen könnte, da die Herausgabe von Büchern in den 70er Jahren ein „Schwarzes Loch“ war. Ich traf eine freiberufliche Lektorin, sie las es und sagte, dass wir es probieren sollten. So schickte ich es an die erste Lektorin auf ihrer Liste, Hilary Ross von Signet. Signet war damals - und ist es noch heute - der weltbeste Herausgeber von Regency Romanen. Hilary rief mich drei Tage später im Büro an, lud mich zum Mittagessen ein und bot mir einen Vertrag über drei Bücher an. Daher hatte ich zur rechten Zeit am rechten Ort viel Glück gehabt. Hilary erzählt heute noch gerne den Leuten, dass sie mich bei meinen Schnürsenkeln aus einer Klitsche in Soho herausgezerrt hat.

Angela: Wie viele Bücher schreiben Sie im Jahr? Wie sieht Ihr Arbeitstag aus und wie recherchieren Sie Ihre Bücher?

Catherine Coulter: Während der letzen sieben Jahre habe ich 2 und 2 1/3 Bücher im Jahr geschrieben. Das 2 1/3 ist das alljährlich überarbeitete Buch meiner frühen Regency Romane. Während der letzten vier Jahre habe ich einen Hardcover Contemporary Suspense und einen Paperback Historical geschrieben. Dieses Jahr werde ich „Chandra“ überarbeiten (neuer Titel: „Warrior’s Song“), was 2001 erscheinen wird. Dann werde ich mich auf zwei Bücher beschränken, wie oben beschrieben.
Gegen 6:30 Uhr morgens sitze ich an meinem Computer und beantworte e-mails von Fans. Gegen 7:30 Uhr bin ich dann hoffentlich damit fertig, um mit dem eigentlichen Schreiben anzufangen. Ich arbeite bis ca. 11:00 Uhr und das war dann meine eigentliche tägliche Schreibarbeit, falls keine Unterbrechung in meinem Terminplan auftaucht, was vorkommt, glauben Sie mir.
Was die Recherchen betrifft, habe ich mir über die Jahre hinweg eine wunderbare Bibliothek aufgebaut. Allerdings benutze ich mittlerweile auch das Internet. Das ist pure Magie. Sofortiges Wissen. Ich war seit sehr langer Zeit in keiner öffentlichen Bibliothek mehr.

Angela: Sie schreiben bevorzugt Regency-Romane und Trilogien. Was mögen Sie daran?

Catherine Coulter: Ich habe sehr viele Regency-Trilogien/Historische Liebesromane geschrieben, das ist wahr. Während ich aufwuchs, las ich Georgette Heyer, mein Masters Degree habe ich in englischer Geschichte des frühen 19. Jahrhunderst absolviert, mit Schwerpunkt auf der Napoleonischen Ära. Es fällt mir leicht, über diese Zeit zu schreiben, ich liebe es, weil damals so viel passierte. Soviel Glanz und Aufregung. Trilogien machen so viel Spaß, weil man seine Freunde immer und immer wieder trifft, man kann sehen, was sie mit ihrem Leben so anstellen, man sieht ihre Kinder. Sie mischen sich sozusagen immer wieder ein.

Angela: In einigen Ihrer Bücher schrieben Sie über Geister. Glauben Sie an Geister? Würden Sie gerne eines Tages einen paranormalen Roman schreiben?

Catherine Coulter: Nein, ich habe keinerlei Interesse daran, einen paranormalen Roman zu schreiben. Ja, ich glaube an Geister. Ich finde sie sehr attraktiv, lustig und interessant. Ich schließe sie gerne in meine Geschichten mit ein, sie bringen im wahrsten Sinne des Wortes eine andere Dimension in eine Geschichte.

Angela: Sie haben einmal die Legende um König Artus und das Rätsel um sein Schwert „Excalibur“ aufgegriffen. Warum haben Sie das getan und sind Sie der Meinung, daß er wirklich existiert hat?

Catherine Coulter: In jedem der Teil der Legacy-Trilogie ging es um einen außergewöhnlichen Schatz. In „Rivalen des Glücks“ („Wyndham Legacy“) ging es um den Schatz von Heinrich dem VIII, in „Fluch der Liebe“„(Nightingale Legacy“) drehte es sich um „Excalibur“ und in „Stachel der Sehnsucht“ („Valentine Legacy“) um Blackbeards Schatz. In „The Courtship“ hatten wir Aladins Wunderlampe. Ich mag das Außergewöhnliche. Ich muß nicht unbedingt daran glauben. Aber in „Der Herr der Falkenschlucht“ („Lord of the Falcon Ridge“) hatten wir beides: einenn Magier und das Monster von Loch Ness auf. Daran nicht glauben?

Angela: War Varrick aus „Der Herr der Falkenschlucht“ wirklich Cleves Vater? War Chessa eine Zauberin wie ihr Vater?

Catherine Coulter: Ja, Varrick war Cleves Vater. Nein, Chessa war keine Hexe, genausowenig wie ihr Vater. Allerdings war etwas besonderes an Chessa, nicht war? Etwas unerklärliches, etwas faszinierendes, das nicht ganz einfach verständlich war.

Angela: Das Buch „Verlies des Herzens“ erinnerte an die Bücher von Victoria Holt. Sie haben daraufhin kein weiteres Buch in diesem Stil geschrieben. Würden Sie gerne ein weiteres schreiben?

Catherine Coulter: Tatsächlich war „Verlies des Herzens“ ein Gothic Roman. Als ich es überarbeitete – „The Countess“ (Anm.: der amerik. Originaltitel) - habe ich mehr Gothic-Elemente hinzugefügt als im Original. Nach diesem ersten Buch fiel mir einfach keine weitere Gothic-Geschichte mehr ein. Mir kommen Ideen und wenn ich sie mag, setze ich sie um. Jedoch bekam ich so einen Kick während des Überarbeitens von „The Autumn Countess“, dass ich, sollte mir eine weitere mögliche Idee zu einem Gothic-Roman kommen, einen weiteren schreiben werde. George war so ein Brüller und der Geist von Caroline und die Schwarze Kammer waren aufregend, außerdem liebte ich Charaktere wie Thomas, der so schön und hypochondrisch war.

Angela: War  „Karibische Nächte“ („Impulse“) ihr erster Suspense-Roman? Sie schrieben über eine Organisation, die berühmte Bilder stahl und an deren Stelle Duplikate zurückließ. Wissen Sie, ob solche Organisationen wirklich existieren?

Catherine Coulter: „Karibische Nächte“ war mein zweiter Contemporary Suspense der als Hardcover erschienen ist. „Falsches Spiel“ („False Pretenses“) war der erste. Ja, natürlich gibt es in viele Fälschungen in den Museen. Sie brauchen nur Bücher darüber zu lesen oder Nachrichten zu hören. Das ist nichts ungewöhnliches. Auch wenn ein Museum feststellt, dass ein Bild gefälscht/gestohlen wurde, wird oftmals nichts darüber berichtet, da es einen störenden Faktor darstellt.

Angela: Sie haben außerdem einige Silhouette Bücher geschrieben. Welche waren das und werden Sie weitere schreiben?

Catherine Coulter: Ich habe drei Silhouette Bücher geschrieben. Einen 1985, einen 1986 und den letzten habe ich 1987 geschrieben. Der ersten „Wie im siebenten Himmel“ („Aftershocks“) entstand in meinem Kopf, als ich in Europa in einem Zug saß. Ich wußte nicht, was ich damit anstellen sollte und rief eine Freundin an, die mir sagte, ich solle Leslie Wainger von Silhouette anrufen. Außerdem sagte sie mir, wieviel Geld meine Agentin dafür verlangen sollte. Alles klappte ausgezeichnet. Nein, ich habe keinerlei Pläne, weitere zu schreiben. Keine Zeit.

Angela: Was schreiben Sie lieber: Contemporaries oder Historicals?

Catherine Coulter: Ich schreibe beides gerne. Über einen ziemlich langen Zeitraum schrieb ich ausschließlich historische Liebesromane und ich fühlte mich ausgebrannt. Es sind zwei komplett unterschiedliche Genres, jedes stellt auf seine Art und Weise eine Herausforderung dar. Bei einem Contemporary Suspense ist man sehr stark fokussiert, man kann nicht einfach Spaßkomponenten einbauen. Man muß eng dabei bleiben, damit der Leser weiterliest.

Angela: Können Sie uns mehr über Ihre FBI-Serie erzählen?

Catherine Coulter: Das fünfte Buch in der FBI-Serie ist „Riptide“. Es wird Anfang Juli 2000 als Hardcover veröffentlicht. Ich stellte Savich in „The Cove“ vor, das erste Buch der Serie. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nicht mal an eine Serie gedacht. „The Cove“ war ein einzelnes Buch. Jedoch hatte ich schnell einen Plot über eine Frau namens Sherlock zusammen, es gab Savich, sie paßten perfekt zusammen und so entstand die Serie. In allen folgenden Büchern nach „The Maze“ erscheinen die beiden, ebenso in „Riptide“.
Ich weiß bereits, dass der 6. Teil der FBI-Serie von einer der Schwestern von Savich handeln wird. Die Handlung? Bis jetzt habe ich keine Ahnung.

Angela: Sie sind sozusagen eine Autorin der ersten Stunde. Gab es seitdem Veränderungen im Liebesromangenre? Wie ist das Verhältnis zwischen Autorinnen und Fans? Ist es heute einfacher für Autorinnen veröffentlicht zu werden als damals?

Catherine Coulter: Ich bin nun seit 20 Jahren in diesem Geschäft. Innerhalb der letzten fünf Jahre habe ich mehr Veränderungen festgestellt, als in all den Jahren davor zusammen. Die Großhandelsseite dieses Geschäftes: vor fünf Jahren gab es beinahe fünfhundert Firmen, die in diesem Geschäft als Großhändler tätig waren. Heute kontrollieren vier Großhändler mindestens 80% dieses Marktes. Ein unglaublicher Wandel. Das Internet, Amazon.com zum Beispiel, besitzt 3% Marktanteile in diesem Geschäft. Dieses Landschaftsbild wächst schnell und unaufhaltsam.

Für Autorinnen ist es heute nicht mehr so schwierig veröffentlicht zu werden, wie vor zwanzig Jahren. Trotzdem kann eine Nachwuchsautorin sich nicht einfach bequem zurücklehnen und der Dinge ihren Lauf lassen. Eine Nachwuchsautorin muß viel Werbung betreiben, hoffen, dass die Umsätze des zweiten Buches die des ersten übertreffen usw. Oder der Verlag wird die Autorin einfach fallen lassen und einer anderen einen Vertrag anbieten.

Es ist eine kleine Bruderschaft. Die meisten Autorinnen, die ich kenne – und das sind ziemlich viele – kommen ganz gut zurecht.

Angela: In Ihren frühen Büchern schrieben Sie über Vergewaltigungen und Ihre Heldinnen wurden vom Helden geschlagen., doch diesen Stil änderten Sie. Was ich gerne wissen würde: schrieben Sie diese Szenen gerne, mußten Autorinnen so schreiben, da dieser Stil gängig war, sich aber Ende der 80er/Anfang der 90er änderte? Seit vielen Jahren zählen Ihre Romane zu den humorvollen Historicals. Wieso dieser Stilwechsel?

Catherine Coulter: Während der ersten Welle der historischen Liebesromane gab es tatsächlich die „Bodice Rippers“. Vergewaltigung auf fünf Kontinenten, so nannte ich sie. Das war damals populär, das hat man damals gerne gelesen. Die Zeiten ändern sich. Die Leute ändern sich. Kein Problem. Ja, ich mag lustige Szenen sehr gerne. Als ich „Devil’s Embrace“ überarbeitete, wollte ich die Vergewaltigungsszene streichen, aber es wäre danach nicht dasselbe Buch gewesen, deshalb habe ich sie gelassen. Dies hat mich gelehrt, dass man nicht versuchen soll, die Geschichte umzuschreiben. Das war das, was wir damals gerne gelesen haben. Es ist nicht das, was wir heute gerne lesen.

Angela: In den meisten Romanen sind die Heldinnen Jungfrauen, auch wenn sie zuvor verheiratet waren? Ist dies ein „Dornröschen“-Komplex? Wollen Leserinnen keine erfahrenen Heldinnen?

Catherine Coulter: Meistens sind sie Jungfrauen, da sie in der guten alten Zeit sonst als Nutten gegolten hätten. Zeitgenössisch eben.

Angela: Lange Zeit waren Ihre Bücher für ihre Sexszenen bekannt. In den letzten Jahren reduzierten Sie die Zahl der Sexszenen aber und ich bekam den Eindruck, daß Sie von Ihrem erotischen Stil abgewichen sind?

Catherine Coulter: Ich schreibe viel oder wenig Sexszenen, je nachdem was das Buch braucht. Vergleichen Sie zum Beispiel „Verlies des Herzens“ mit „The Courtship“.

Angela: Was sind Ihre Lieblingsautoren?

Catherine Coulter: Meine Lieblingsautoren sind Dick Francis, Jayne Ann Krentz, Linda Howard, John Sanford, Elizabeth Peters, Barbara Michaels, Iris Johansen, Steve Martini und so viele andere, zu viele, um sie alle aufzuzählen.

Angela: Haben Sie ein Lieblingsbuch oder –held/in unter Ihren Romanen?

Catherine Coulter: Mein Lieblingsroman unter den Contemporaries ist „Jenseits der Liebe“ („Beyond Eden“). Ich glaube Taylor ist einer der tollsten Typen die es gibt. Unter den Historicals ist glaube ich  „Die Stimme der Erde“ („Earth Song“) mein Lieblingsroman.

Angela: Wie halten Sie den Kontakt mit den Fans aufrecht und sind Sie wichtig für Sie?

Catherine Coulter: Ich schreibe jedem Fan zurück. Ob sie wichtig für mich sind? Was für eine Frage. Wenn sie mir nicht wichtig wären, wäre ich Tierärztin geworden.

Angela: Wie gehen Sie mit schlechten Reviews um?

Catherine Coulter: Ich lese sie nicht.

Angela: Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Catherine Coulter: Ich habe vor, einen weiteren Contemporary Suspense als Hardcover und einen historischen Liebesroman als Taschenbuch pro Jahr  zu schreiben. Jedenfalls für die nächsten zwei Jahre. Dann werden wir weitersehen.

© Isolde Wehr und Angela Weiß, April 2000, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im April 2000 zwischen Angela W. und Catherine Coulter für:



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