Interview mit Christine Feehan

Christine Feehan ist Autorin einer Vampirserie, die in den USA äußerst erfolgreich ist und deren Neuerscheinungen innerhalb weniger Tage vergriffen sind. Ihre Bücher handeln von einer einzigartigen Vampir-Spezies, den "Carpathians". Leider werden ihre Bücher bisher nicht in Deutschland veröffentlicht, aber das wird sich hoffentlich ändern.

Bisher erschienen sind "Dark Prince" und "Dark Desire", ihr neuestes Buch, "Dark Gold", erscheint im April 2000 (vorbestellen ist sinnvoll, da anzunehmen ist, daß es innerhalb einer Woche vergriffen sein wird!).

Christine Feehan ist eine äußerst sympathische Frau, die entzückt war, ein Interview für ihre Deutschen Fans zu geben. Es hat wirklich Spaß gemacht, dieses Interview mit ihr führen!!!

Christine Feehan hat eine eigene Hompage: http://www.christinefeehan.com

Angela: Christine, könnten Sie sich selbst ein wenig den deutschen Lesern vorstellen? Wer Sie sind, was Sie mögen, bzw. nicht mögen, wo Sie leben etc.?

Christine Feehan: Hallo alle zusammen, mein Name ist Christine Feehan, ich lebe in den Bergen Nord-Kaliforniens, USA. Ich bin ein absoluter Familienmensch, am liebsten verbringe ich meine Zeit mit meinem Mann und meinen Kindern. Ich liebe die freie Natur. Ich bin eher ein Land- als ein Stadtmensch, obwohl ich gelegentlich auch gerne ins Theater gehe. Ich halte mich nicht gerne in großen Menschenmengen auf, das ist wohl auch der Grund, warum ich in einer sehr kleinen Stadt lebe. Ich stamme aus einer sehr großen Familie, habe zehn Schwestern und drei Brüder, alle von den selben Eltern. Unsere Beziehung zueinander ist sehr eng und wir fahren gerne alle zusammen mit unseren Kindern in Urlaub. Das ist dann ein großer Haufen und man findet mich normalerweise lesend in irgendeiner Ecke!

Angela: Warum und wie begann Ihre Karriere als Schriftstellerin? Hatten Sie zu Anfangs Probleme? Beeinflußt Ihre Tätigkeit Ihr Privatleben?

Christine Feehan: Bereits als Kind, sobald ich in der Lage war einen Stift zu halten und vollständige Sätze zu schreiben, begann ich Geschichten zu entwickeln. Ich schreibe Geschichten, die mir gefallen, schreibe sie für mich selbst, die Geschichte ist in mir drin und besteht darauf, erzählt zu werden. Ich schreibe nicht mit dem Hintergedanken, veröffentlicht zu werden, sondern ausschließlich um diese Geschichte zu erzählen. Meine Freunde und Familie forderten mich auf, diese Geschichten an eine Agentin zu schicken. Ich kannte sie bereits von früher, als ich mal versuchte, einige Contemporary-Geschichten zu veröffentlichen. Sie sandte sie ein und Leisure/LoveSpell wählte sie aus.

Meine Karriere beeinflußt mein Privatleben insofern, daß ich meinen Kindern, die immer daran gewöhnt waren meine volle Aufmerksamkeit zu haben, nicht mehr so viel Aufmerksamkeit widmen kann. Früher ging ich immer mit ihnen zu all ihren Veranstaltungen und nun kann ich daran nicht mehr so häufig teilnehmen, wie zuvor. Das war für uns alle eine Umstellung, aber Änderungen können auch ihr Gutes haben und meine Familie unterstützt mich.

Angela: Warum lieben Sie Vampire so sehr und wieso haben Sie sich entschlossen, Bücher über sie zu schreiben? Ist Ihre Arbeit von anderen Vampir-Autoren beeinflußt?

Christine Feehan: Ich liebte Vampire von dem Moment an, seit ich zum ersten Mal „Dracula“ gelesen habe. Diese ganzen visuellen Effekte waren einfach wundervoll. Shape-shifting war einfach ein aufregender Gedanke. Ich begann Vampirgeschichten und -Filme zu sammeln. Ich bin kein allzu großer Horror-Fan, deshalb war das meiste nicht nach meinem Geschmack und so begann ich meine eigene, eher romantische, Sichtweise zu schreiben.

Ich glaube nicht, daß ich von anderen Autoren beeinflußt werde, aber es gibt natürlich einige, deren Bücher ich lese.

Angela: Woher beziehen Sie die Ideen für Ihre Carpathian-Bücher?

Christine Feehan: Meine Ideen für die Carpathian-Bücher entspringen ausschließlich meiner Vorstellungskraft. Jemand in einem Geschäft kann seinen Kopf auf eine bestimmte Art bewegen oder ich sehe einen  fantastischen Sturm und die Geschichte beginnt, sich zu entfalten. Ich wollte eine Antwort darauf finden, warum ein Mann seine Seele aufgibt, um ein Vampir zu werden. Die Spezies der Carpathians war meine Antwort auf diese Frage.

Angela: Haben Sie einen Lieblings-Helden/Heldin unter den Carpathians? Wie entwickeln Sie sie? Haben sie lebende Vorbilder wie z.B. Freunde oder Familie?

Christine Feehan: Normalerweise ist das Buch, an dem ich gerade arbeite auch mein Lieblingsbuch. Ich glaube, beim Schreiben ist man stark mit seinen Helden und auch dem Bösewicht verbunden. Ist man das nicht, liegen keine echte Leidenschaft, keine Emotionen in den Worten. Die Charaktere kommen aus mir heraus, auf diese Art und Weise kreiere ich sie, sie sind bereits da, entwickeln Persönlichkeit und drängeln sich nach oben, so daß ich ihre Geschichte schreiben muß. Ich glaube, etwas von einem selbst, von der Familie und Freunden schleicht sich in jeden Charakter ein. Eigenschaften, die man an anderen schätzt. Ich weiß, daß sich mit Sicherheit persönliche Ansichten einschleichen.

Angela: Wie viele Bücher wird die Carpathian-Serie umfassen? Können Sie Ihren Fans einige Hinweise geben, was den Carpathians weiterhin passieren wird?

Christine Feehan: Ich habe keine Ahnung, wann ich mit der Carpathian-Serie aufhören werde. Ich hatte ursprünglich nicht den Vorsatz, eine ganze Serie zu schreiben, aber die Geschichten treiben mich voran und ich muß sie einfach schreiben. Ich werde dann aufhören, wenn es keinen starken Charakter mehr gibt, der seine eigene Geschichte erzählt haben möchte. In einem der Bücher, „Dark Challenge“, will ein männlicher Carpathian eine Frau, eine Sängerin, warnen, daß sie auf der Zielliste eines fanatischen Vampirjägers steht. Er ist der Überzeugung, daß diese Frau menschlich ist. Statt dessen entdeckt er eine gesamte Gruppe von Carpathians. Die Frau ist eine der alten, mit ganz eigenen Kräften. Ich habe es genossen, dieses Buch zu schreiben, eigene Gaben für die Frau zu entwickeln und zu sehen, wie der Held daran wächst, sie als gleichberechtigten Partner in ihrer Gemeinschaft zu akzeptieren. In den folgenden Büchern erzähle ich mehr über die Geschichte der Carpathians und bin auf das Problem eingegangen, das sie mit dem Nachwuchs ihrer Spezies haben. Jede einzelne dieser Geschichten steht für sich alleine, aber zusammengenommen stellen sie eine wunderbare Erzählung über eine andere Spezies dar.

Angela: Wie betreiben Sie Nachforschungen für Ihre Bücher und wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?

Christine Feehan: Ich bin ein sehr visuell-orientierter Mensch, ich muß Dinge „sehen“, deshalb wähle ich für meine Nachforschungen meist Bücher aus. Ich habe eine ganze Bibliothek über die Flora und Fauna und jedes andere Fachgebiet. Ich benutze Lexika on- und offline sowie verschiedene Websites. Wenn ich sehr viel Glück habe, kann ich einen Ort, über den ich schreibe, auch persönlich besuchen. Ich schreibe jeden Tag und verbringe etliche Stunden mit Schreiben oder Nachforschungen. Mein Arbeitstag ist nicht unbedingt typisch, da meine Kinder bei mir zu Hause sind und wir, während ich schreibe, kommunizieren.

Angela: Wie halten Sie den Kontakt zu Ihren Fans aufrecht? Sind sie wichtig für Sie?

Christine Feehan: Meine Leser sind sehr wichtig für mich. Ich liebe das Schreiben sehr. Die Möglichkeit, etwas, das mir so nahe liegt, mit anderen zu teilen, ist eine Ehre, eine Gabe, daß ich weiß, daß jeder Leser, der meine Arbeit mag, jemand ist, den ich gerne um mich hätte. Wir teilen etwas, das uns verbindet. Ich beantworte alle e-mails und Briefe die ich erhalte. Ich besitze eine eigene Website und Leser tragen sich oft in mein Gästebuch ein. Ich arbeite hart daran, jedem zu antworten, der sich in mein Gästebuch einträgt. Außerdem gibt es eine Website, die ein Fan gegründet hat, die ich oft besuche, „rede“ dort mit den Lesern und beantworte ihre Fragen. Wenn es mein Zeitplan erlaubt, versuche ich außerdem die Message Boards zu besuchen.

Angela: Entwickeln Autoren untereinander Freundschaften oder betrachten sie sich als Konkurrenz?

Christine Feehan: Sicherlich betrachte ich keinen anderen Autor als Konkurrenz. Seit Jahren liebe ich es, zu lesen. Ich habe Lieblingsautoren und glaube, man kann nicht genügend Bücher besitzen. Autoren entwickeln enge Freundschaften da sie sich für die gleichen Dinge interessieren. Diejenigen, die ich kenne, sind eng miteinander verbunden und versuchen wirklich, sich gegenseitig zu helfen.

Angela: Wie haben Sie reagiert, als Sie „Dark Prince“ zum ersten Mal im Buchladen gesehen haben? Gefeiert? Eine Flasche Champagner geöffnet?

Christine Feehan: Ich bummelte mit meiner Teenager-Tochter durch ein Einkaufszentrum und wir gingen zum Stöbern in ein Buchgeschäft. Bis dahin hatte ich meine Ausgaben von „Dark Prince“ noch nicht erhalten und war mir nicht sicher, ob es bereits veröffentlicht wurde. Meine Tochter sah das Buch, schnappte es sich sofort, kaufte es und bat mich, es als erstes Exemplar überhaupt zu signieren.

Ich feierte dann mit meinem Mann und meine Kindern.

Angela: Was sind Ihre Lieblingsautoren/-innen und Lieblingsbücher?

Christine Feehan: Ganz besonders liebe ich einen Autor namens Gene Stratton Porter. Diese Bücher sind wunderbar, ich wuchs mit ihnen auf. Ich liebe so viele verschiedene Autoren und Arten von Büchern.

Angela: Wie bringen Sie Ihre große Familie und Ihre Arbeit unter einen Hut? Ist es manchmal schwer beides zu vereinen?

Christine Feehan: Es ist mitunter problematisch. Mein Sohn und meine Tochter praktizieren Standard-, Swing- und Lateinamerikanische Tänze. Meine jüngste Tochter betreibt viel Sport, Basketball, Fußball und BMX-Rennen. Ich gehe wahnsinnig gerne zu ihren Veranstaltungen und das Jonglieren der Termine mit dem Schreiben ist mitunter schwer zu managen. Mein Mann ist hier eine riesige Hilfe für mich.

Angela: Was sagt Ihre Familie über Ihren Erfolg? Ich schätze, sie müssen sehr stolz auf Sie sein?

Christine Feehan: Ja, meine Familie unterstützt mich sehr. Ab und zu ziehen sie mich auf, aber sie lesen alle meine Bücher und helfen mir mit meinen Nachforschungen.

Angela: Was sind Ihre Zukunftspläne? Wo sehen Sie sich in einigen Jahren? Haben Sie jemals darüber nachgedacht, was Sie schreiben wollen, wenn die Carpathian-Serie beendet ist?

Christine Feehan: Ich bin mir sicher, daß ich auch in der Zukunft schreiben werde. Ich habe keine Ahnung ob ich weiterhin veröffentlicht werde, aber ich weiß sicher, daß ich schreiben werde. Ich schreibe alle möglichen Arten von Geschichten. Zur Zeit schreibe ich einen Gothic Romance. Das macht mir großen Spaß und ich hoffe, davon in Zukunft noch mehr zu schreiben. Außerdem schreibe ich Contemporaries. Ich kann mir nicht vorstellen, jemals keine Ideen mehr zu haben.

Angela: Und hier meine letzte Frage: glauben Sie an die Existenz von Vampiren? Oder sind Sie der Meinung, daß sie nur in der Phantasie existieren bzw. ein Alptraum sind?

Christine Feehan: Es ist spannend und lustig zu denken, daß Vampire möglicherweise wirklich existieren, da sie in nahezu jeder Gesellschaft über die ganze Welt erwähnt worden sind. Ich glaube aber, es gibt vernünftige Erklärungen für diese Phänomene. Nein, ich glaube nicht an Vampire, aber sollten sie wirklich existieren, dann hoffe ich, daß meine Carpathians ebenfalls existieren.

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Dieses Interview entstand im Februar 2000 zwischen Angela W. und Christine Feehan für:



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