Interview mit Deborah Hale

Deborah Hale wurde bei der Wahl zum besten Liebesroman 1999 Gewinnerin mit ihrem Roman "Lockende Versuchung" (My Lord Protector) in der Kategorie "Bester Cora Historical". Bisher wurden keine weiteren Geschichten der Autorin übersetzt, was sich aber hoffentlich noch ändern wird. Lest selber was Deborah über sich und ihre Arbeit zu sagen hat und ihre Homepage könnt ihr hier besuchen:
http://ourworld.compuserve.com/homepages/
DeborahHale/

Isolde: Deborah, ich möchte zuerst gerne sagen, wie sehr ich mich freue, daß Sie diesem Interview zugestimmt haben. Können Sie uns ein wenig über sich und Ihre Familie erzählen?

Deborah Hale: Herzlichen Dank für Ihre Einladung, Isolde. Ich finde es nach wie vor wundervoll, daß eines meiner Bücher auf der anderen Seite des Atlantiks veröffentlicht wurde. Ich habe mein ganzes Leben an der Atlantikküste Kanadas verbracht. Ich wurde in New Brunswick (nach dem deutschen Braunschweig benannt) geboren und wuchs auch dort auf. Seit zwölf Jahren lebe ich in Nova Scotia, außerhalb von Halifax. Mein Mann und ich sind seit fast 12 Jahren verheiratet. Er ist ein im Bereich der Medizin tätiger Physiker, der sich auf Röntgentheraphien an einer Krebsklinik spezialisiert hat. Wir haben vier Kinder, einen 11jährigen Sohn, eine 9jährige Tochter und ein 6jähriges Zwillingspaar (zwei Jungen). Es ist ein sehr, sehr lebhafter, lauter Haushalt! <g>

Isolde: Warum schreiben Sie Liebesromane? Es gibt so viele verschiedene Genres, und Sie haben gerade dieses gewählt. Gibt es dafür einen besonderen Grund?

Deborah Hale: Ich schreibe das, was ich gerne lese. Liebesromane waren immer meine Lieblingsliteratur – „Jane Eyre“, die Bücher von Jane Austen, "Scarlet Pimpernel". Ich habe mich schon immer für Geschichte und Schreiben interessiert, daher ist das Schreiben von historischen Liebesromanen eine Möglichkeit, beide Interessen zu verbinden. Und ich werde noch dazu für Geschichtsrecherchen bezahlt! Ich lese außerdem ab und zu Science Fiction- und Mystery-Romane (die „Inspektor Morse“-Bücher von Colin Dexter und die „Bruder Cadfael“-Romane von Ellis Peters). Ich habe einmal einen Mystery geschrieben, aber es waren immer noch so viele romantische Elemente darin enthalten, daß ich nach diesem einen Versuch wußte, daß ich doch lieber Liebesromane schreibe.

Isolde: „My Lord Protector“ erschien ursprünglich bei Harlequin und wurde in Deutschland im Cora Verlag unter dem Titel „Lockende Versuchung“ veröffentlicht. Wie lange brauchten Sie, um Ihr erstes Buch zu schreiben und wie lange dauerte es, bis Sie einen Verlag dafür fanden?

Deborah Hale: Für den ersten Entwurf benötigte ich etwa sechs bis acht Monate. Ich habe jedes fertige Kapitel an eine Freundin geschickt, die in einer anderen Stadt lebte. Von ihr erhielt ich positive Rückmeldungen zu der Story und das gab mir den Anstoss, weiterzuarbeiten, da ich wußte, daß meine Arbeit einen Leser hatte. Als ich fertig war, schickte ich es an Leisure Books, die es ablehnten. Ich habe das Buch danach für eine Weile beiseite gelegt, dann trat ich „Romance Writers of America“ bei und begann, es erneut zu schreiben. Ich kann Ihnen sagen, es war „eine Menge“ Arbeit.

Mein erster Entwurf erzählte die Geschichte nur vom Blickwinkel der Heldin aus und war in der ersten Person geschrieben ,was ich danach nie wieder getan habe. Ich habe es dann damit in verschiedenen Wettbewerben versucht und fuhr fort, es weiter zu überarbeiten. In einer früheren Version starb Crispin (Sir Edmunds Neffe) in der Südsee. Susan Wiggs sagte mir, daß die Leser das Buch an die Wand werfen würden, falls ich das tun würde. <g> Deshalb ließ ich ihn wiederauferstehen, wodurch das letzte Viertel des Buches verändert wurde. Außerdem hatte ich die Geschichte drei Monate vor der Hochzeit von Edmund und Julianna begonnen – Susan hatte mir ebenfalls gesagt, daß ich das ändern solle.

Insgesamt gesehen glaube ich, daß ich das Buch fünf- oder sechsmal umgeschrieben habe. Dreimal habe ich damit am „RWA Golden Heart“ Wettbewerb teilgenommen. Beim ersten- und zweitenmal habe ich nicht gut abgeschnitten, aber beim dritten mal habe ich der Kategorie „Long Historical“ gewonnen (das war aufregend, weil Christina Dodd, Patricia Gaffney, Jill Marie Landis und Linda Needham alle in dieser Kategorie des Wettbewerbs gewonnen hatten). Dadurch wurden die Verlage auf meine Arbeit aufmerksam. Sechs Monate später hat Harlequin das Buch gekauft. Ich schätze, daß man daher sagen kann, daß ich fünf Jahre dazu gebraucht habe, um mein Buch zu veröffentlichen.

Isolde: Warum haben Sie eine Geschichte über einen älteren Mann und eine jüngere Frau geschrieben?

Deborah Hale: Weil ich ältere Männer attraktiv finde. Einer meiner Lieblingsschauspieler ist Patrick Stewart (Captain Picard aus Star Trek). Er war in meiner Vorstellung das Vorbild für Sir Edmund – besonders was die Stimme betrifft. Auf diese Art und Weise kam ich auch auf die Story. Ich dachte mir „was wäre, wenn eine Frau den Onkel ihres Verlobten heiraten müsse?“. Ich war außerdem der Meinung, daß die Geschichte gut zur Vergangenheit der Heldin paßte. Mit einem älteren Mann, den sie zu Anfang nicht als potentiellen Liebhaber sieht, kann sie sich entspannen und ihm auf eine nicht-sexuelle Art näherkommen. Obwohl ich so nicht mehr schreibe. <g> Die anderen vier Bücher, die ich seitdem geschrieben habe, befassen sich jeweils mit Held und Heldin, die in ihrem Alter nicht so weit auseinander sind.

Isolde: „My Lord Protector“ („Lockende Versuchung“) hat in einer der Kategorien der Wahl zum „Besten Liebesroman 1999“ meiner Homepage gewonnen. Wie denken Sie darüber, daß auch die deutschen Leser Ihre Geschichten lieben?

Deborah Hale: Es ist ein großartiges Gefühl und ein wahrgewordener Traum, mein Cover und meinen Namen auf derselben Seite zu sehen wie Susan Elizabeth Phillips und Susan Wiggs. Ich danke allen Leserinnen, die mein Buch gewählt haben! Ich habe einige reizende Briefe von deutschen Leserinnen erhalten, die genau verstanden hatten, was ich mit meinem Buch ausdrücken wollte.

Isolde: „A Gentleman of Substance“ (noch nicht in Deutschland erschienen) war actionreicher als „My Lord Protector“. Woher hatten Sie die Idee für diese Story und wie gestalten Sie Ihre Recherchen?

Deborah Hale: Die Idee kam in der Art „Stolz und Vorurteil meets Sabrina“ über mich. Beide Heldinnen dieser Geschichten fühlen sich anfangs zu einem protzigen, betörenden, modischen Mann hingezogen - Mr. Wickham in „Stolz und Vorurteil“ und David Laraby in „Sabrina“, aber als die Story voranschreitet, lernen sie, etwas für den „Gentleman of Substance“ zu fühlen, Mr. Darcy und Linus Laraby. Seitdem ich meinen ersten Roman schrieb, habe ich mehr Action in meine Geschichten eingebaut. Es ist viel einfacher, einen Liebesroman zu schreiben, wenn ein paar Abenteuer geschehen, während sich die Geschichte entwickelt.

Ich recherchiere gerne für meine Geschichten. Ich leihe mir viele Bücher in der Bibliothek aus, und über die Geschichte des georgianischen und Regency-Zeitalters habe ich einige sehr hilfreiche Tagebücher. Ich besitze außerdem eine sehr informative, alte Enzyklopädie. Um Ideen in Bezug auf Kostüme oder Möbel zu sammeln, gucke ich Videos wie „Emma“ oder die A&E Produktion von „Stolz und Vorurteil“. Sollte ich eine ganz bestimmte Information benötigen, würde ich versuchen, sie im Internet zu finden.

Isolde: Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?

Deborah Hale: Ich gehe morgens um 8.30 Uhr mit meinen Kindern zur Schule. Während des Heimweges denke ich normalerweise über die Szene nach, an der ich arbeite. Sobald ich zu Hause bin, mache ich Kaffe und mache vielleicht die Wäsche. Wenn ich nicht gerade eine Deadline einzuhalten habe, rufe ich meine e-mails ab. Dann gehe ich in mein Büro und fange an zu schreiben. Manchmal lege ich am Vormittag eine Pause ein um die Post zu holen, Kaffee nachzugießen und eventuell meine e-mails noch mal nachzuschauen.

Um 11:30 Uhr gehe ich zur Schule und bringe die Kinder heim. Dann bereite ich uns Mittagessen zu und erledige ein wenig Hausarbeit, oftmals spüle ich das Geschirr. Wenn ich die Kinder dann zur Schule zurückgebracht habe, schreibe ich nachmittags weitere 1 1/2 Stunden. Ich versuche 5 Seiten an einem Wochentag zu schreiben. Falls ich das nicht schaffe, oder nicht meine 25 Seiten in der Woche schreibe, arbeite ich vielleicht am Abend oder am Wochenende.

Wenn die Kinder um 2:30 Uhr heimkommen, gehört ihnen meine ganze Zeit, in der ich mich um ihre Hausaufgaben kümmere, ihnen vorlese, vielleicht Botengänge erledige. Sobald sie abends im Bett sind, bearbeite ich meine e-mails, arbeite an der Vermarktung meiner Bücher, wie z.B. das Anfertigen von Kopien der Kritiken meines nächsten Buches, oder bastele an meiner Website. Normalerweise lese ich ein paar Kapitel eines Liebesromanes vor dem Schlafengehen.

Am Wochendende sehen mein Mann und ich uns abends oft Leihvideos an. Ich mag natürlich Liebesfilme, besonders, wenn sie lustig sind. Aber ich sehe auch gerne Thriller. Ich liebe „Conspiracy Theory“ (Fletcher's Visionen) mit Julia Roberts und Mel Gibson - es war eine wunderbare Mischung aus Action- und Liebesfilm.

Mein Leben ist nicht gerade glamourös (es ist schwierig, mit vier Kindern ein glanzvolles Leben zu führen! <g>) Die Romantic Times Convention in Toronto hat mir großen Spaß gemacht, ganz besonders die „Ms Romance Author“ darzustellen. Im November schickte Harlequin mich außerdem nach New Brunswick, um an deren Ausstellung zum. 50. Jubiläum teilzunehmen. Ich gab dort eine Autogrammstunde und habe mit Leserinnen gesprochen. Das beste daran war, daß ich extra eingeflogen wurde, eine Limousine mit Fahrer zur Verfügung stehen hatte, das beste Hotel am Platz für mich gebucht war und selbst mein Dinner mit einer Freundin bezahlt wurde. Da fühlte ich mich richtig "glamourös"!

Isolde: Wie sehen die Reaktionen von Ihren Fans aus? Erhalten Sie viel Post? Beantworten sie alles?

Bis jetzt war es nicht so viel. Manche hinterlassen Nachrichten im meinem Gästebuch, was sehr nett ist. Ich versuche, meine ganzen e-mails und Gästebuch-Einträge zu beantworten. Ich besitze außerdem ein Postfach, von dem ich glaube, daß mittlerweile Spinnen ihre Netze darin gewebt haben. <g> P.O. Box 829, Lower Sackville, Nova Scotia, CANADA B4E 2R0. Sollte ich jemals viele Briefe bekommen, würde ich nur die mit beigefügten, frankierten Rückumschlägen beantworten, aber bis jetzt wäre es schon aufregend, wenn ich jemandem mit meinen eigenen Briefmarken antworten könnte. Die Reaktionen waren bis jetzt sehr nett.

Isolde: Können Sie uns Ihre Lieblingsbücher und -autoren nennen?

Deborah Hale: Nun, ich habe bereits Charlotte Bronte erwähnt, Jane Austen und Baroness Orczy. Außerdem bin ich ein riesiger Fan von Lucy Maud Montgomery („Anne auf Green Gables“). Meine Großmutter war ein kleines Mädchen, als diese Bücher veröffentlicht wurden und sie liebte sie, da sie auch ein dürres, rothaariges Mädchen wie Anne war. Als ich größer wurde, lieh sie mir ihre Ausgaben und wir sprachen gemeinsam über die Bücher. Ich mochte die „Emily“ Bücher, da ich mich mit Emilys Wunsch, eine Schriftstellerin zu werden, identifizieren konnte. Jeden Sommer besuchten wir Prince Edward Island - ein wunderschöner Ort. Als ich in der Highschool war, las ich die „Rosalynde“ Chroniken von Roberta Gellis - ich habe immer noch alle sechs Bücher! Sie ließen die mittelalterliche Welt vor meinem inneren Auge lebendig werden. Ich mag die Bücher von Pam Morsi, Judith Ivory, Sandra Brown, Karen Ranney... Unter den Contemporaries lese ich gerne Eileen Wilks. Sie wandelt die üblichen Geschichten stets komplett ab.

Isolde: Was sagt Ihre Familie dazu, daß Sie Liebesromane schreiben? Werden Sie von ihr unterstützt?

Deborah Hale: Sehr sogar. Bevor Harlequin mein erstes Buch kaufte, erzählte ich den Kindern, daß ich eine Reise zu einem Hotel mit Freizeitpark buchen würde, sobald ich veröffentlicht würde. Als mein Agent mich anrief, sprangen sie kreischend durch die Küche. Mein Mann liest all meine Bücher und empfiehlt sie den Krankenschwestern und Therapeutinnen, mit denen er zusammenarbeitet. Wenn einer der Männer in seinem Bekanntenkreis sagt, daß er keine Liebesromane lese, erzählt er ihnen, daß sie gar nicht wüßten, was ihnen entgeht. <g> Meine Schwestern und meine Mutter finden es ebenfalls toll, daß ich eine veröffentlichte Autorin bin. Meine Mutter klappert regelmäßig alle Buchläden ab, um zu sehen, ob sie auch meine Bücher führen.

Isolde: Wie viele Bücher werden Sie schreiben? Und welche Geschichten werden in den nächsten Monaten veröffentlicht? Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Deborah Hale: Ich werde voraussichtlich so lange Bücher schreiben, so lange es jemanden gibt, der sie kaufen wird. Bis jetzt hat Harlequin immer sehr schnell zugegriffen, wenn ich ihnen etwas schickte. Ich hoffe, das bleibt auch weiterhin so. Diesen Monat erscheint in Nordamerika ein Buch namens „The Bonny Bride“. Es spielt hier an der Atlantikküste Kanadas und basiert auf der Geschichte meiner Ur-Ur-Urgroßeltern. Es ist actiongeladener als „A Gentleman Of Substance“, mit Piraten, Indianern und einem Schiffsuntergang.

Im Dezember wird mein erster mittelalterlicher Roman, „The Elusive Bride“ veröffentlicht. Er spielt im 12. Jahrhundert während des Bürgerkrieges zwischen Stephen und Mathilda/Maud. Die Forschungen hierzu haben mir großen Spaß gemacht. Ich fand ein paar äusserst interessante Informationen über mittelalterliche Hochzeitszeremonien und -gelübde; deshalb hoffe ich, daß Rowans und Cecilys Hochzeit sehr authentisch wirkt.

Vor einigen Wochen habe ich mein fünftes Buch beendet, ein Regency namens „The Wedding Wager“. Es handelt von einer Frau, die mit ihrem Onkel wettet, daß sie einen gemeinen Soldaten in einen Gentleman-Offizier verwandeln und ihn in der Gesellschaft in Bath einführen kann.

Derzeit arbeite ich an zwei neuen Vorschlägen, von denen ich hoffe, daß Harlequin sie kaufen wird. Einer der Romane spielt in Nordengland während der Rebellion der Jakobiner 1745 - der Zeit von Bonnie Prince Charlie. Der andere spielt zur Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges und handelt von einer Frau, die einem Kriegsgefangenen der Union bei der Flucht hilft; dieser soll ihr im Gegenzug behilflich sein, ihren Lieblingsbruder aus einem Unionsgefangenenlager zu befreien. Ich würde gerne eine Serie über fünf Schwestern und ihren älteren Bruder im England der Regency-Zeit schreiben. Falls Harlequin kein Interesse daran hat, werde ich mich umschauen, ob ein anderer Verlag daran interessiert wäre.
.

|| Go to Homepage || Zurück zur Hauptseite || Zurück zu Rund ums Buch || Zurück zu Interviews ||


Dieses Interview entstand im März 2000 zwischen Isolde W. und Deborah Hale für:



an die Webmasterin