Was lesen Sie, liebe Leserin? Die Zeitung? Den ”Spiegel”? Vielleicht beides, denn viele Menschen lesen sowohl eine Tageszeitung als auch eine oder mehrere Zeitschriften oder Magazine. Aber was lesen Sie, wenn Sie sich nicht informieren, sondern entspannen wollen? Gedichte? Kurzgeschichten? Romane? Und wenn ja, welche? Die Spannbreite ist immens. Roman, das kann der neueste Bestseller ebenso sein wie Thomas Mann oder Günter Grass. Aber Hand aufs Herz: können Sie sich bei Grass-Lektüre entspannen -  nach einem langen Arbeitstag und abendlichen Einkäufen? An solchen Abenden möchte ich etwas lesen, was mich fesselt, aber nicht anstrengt. Da bieten sich Krimis an - oder Liebesromane.
 

Liebesromane - die bezeichnen manche Snobs immer noch als "Schundromane", besonders dann, wenn sie noch nie einen gelesen haben. Vermutlich schweben ihnen "Heimatglocken" oder Courths-Mahler vor. Inzwischen gibt es in dieser Sparte der Literatur (nennen wir sie ruhig so, auch wenn sich Literaturkritiker schaudernd abwenden mögen) eine ganze Bandbreite von Untergruppen, die alle ihre Anhängerinnen haben. Sie reicht von Romanheften bis "Vom Winde verweht". Romane für junge Mädchen, in denen die Heldin der ersten schüchternen Verabredung entgegenfiebert, oder sexuell recht freizügige historische Abenteuerromane (nach dem Schicksal, das die Corsage der Heldin häufig erleidet, auch "Bodice Rippers" genannt) finden sich hier ebenso wie die Adelsromane einer Barbara Cartland oder die charmanten Gesellschaftskomödien einer Georgette Heyer.

Sie spielen in der Vergangenheit (besonders beliebt sind die "Regency"-Periode im frühen 19. Jahrhundert und die Wikinger-Zeit im frühen Mittelalter) oder in der Gegenwart. Einige Liebesromane sind gleichzeitig sehr spannende Thriller (z.B. von Tami Hoag), sogar Science Fiction-Liebesromane gibt es. Manche Autorinnen bevorzugen eine bestimmte Epoche, andere legen sich nicht fest. Die amerikanische Autorin Jayne Ann Krentz etwa schreibt unter ihrem eigenen Namen Romane, die in der Gegenwart spielen, unter dem Pseudonym ”Amanda Quick” historische Romane, und als "Jayne Castle" Science Fiction.

Bei allen Unterschieden: Zwei eiserne Gesetze sind allen Liebesromanen gemeinsam. Erstens: Die Beziehung zwischen Heldin und Held ist während des Buches immer monogam, egal wie buntgescheckt ihre Vergangenheit gewesen sein mag. Zweitens: Das Happy-End.

Aber vor dem Happy-End gilt es Probleme zu meistern. Bei Courths-Mahler etwa ist die "Bettelprinzeß" scheinbar nicht standesgemäß. In einem modernen Roman ("The Cutting Edge" von Linda Howard) hat der Held die Heldin im Verdacht, per Computer Unterschlagungen in seiner Firma begangen zu haben. In einem historischen Roman ("Only His" von Elizabeth Lowell) hält der Held die Heldin für die Frau seines schlimmsten Feindes. In allen Fällen stellt sich das Problem am Ende als grundlos heraus. Die Bettelprinzeß entpuppt sich als Tochter eines Grafen, die Unterschlagungen hat jemand anders begangen, der Feind ist zu Unrecht beschuldigt worden und obendrein ist die Heldin des Buches nicht seine Frau, sondern seine Schwester.

Aus den Haupt-Konflikten ergeben sich dann weitere. So sind auch die Heldinnen von Liebesromanen verständlicherweise nicht begeistert davon, daß ihr Auserkorener sie der Unterschlagung für fähig hält oder sie benutzt, um an den vermeintlichen Feind heranzukommen...  Aber das Happy-End ist sicher - ein Vorzug dieser Literaturgattung.

Natürlich gibt es auch in diesem Genre gute und weniger gute Autoren. So schrieb etwa die Engländerin Georgette Heyer überaus charmante und spritzige Romane mit wundervoller Situationskomik (als Einstieg zu empfehlen: "The Grand Sophy", "Arabella" oder "The Talisman Ring"). Sie spielen zumeist im England des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Ihre Landsfrau Barbara Cartland läßt ihre Romane in der gleichen Periode spielen, jedoch wirken diese oft recht stereotyp und nicht annähernd so fesselnd wie die Georgette Heyers. Wenn man zwei oder drei gelesen hat, können die restlichen 300 nicht mehr sehr überraschen.

Die meisten Liebesromane werden heutzutage in des USA geschrieben und verkauft. Dort herrscht gegenüber solcher Unterhaltungsliteratur ein deutlich weniger verkrampftes Verhältnis als bei uns. In den thematisch (und damit kundenfreundlich) sortierten Buchläden finden sich oft ganze Wände mit "Romance"-Büchern. Besonders zu empfehlen: Jayne Ann Krentz, die sowohl in ihren modernen als auch in den historischen Romanen mit erfrischendem Humor und großem Einfallsreichtum schreibt. (Zum Ausprobieren: "Trust Me" oder "Silver Linings" von Jayne Ann Krentz bzw. "Deception" oder "Dangerous" von Amanda Quick). Auch Susan Elizabeth Phillips oder Jennifer Crusie sind hervorragende Autorinnen und manchmal wunderbar komisch.

Wer es etwas gefühlvoller liebt, könnte Elizabeth Lowell mögen, z.B. die Western-Reihe "Only His", "Only Mine", "Only You" und "Only Love". Sie bilden eine untereinander zusammenhängende Serie. Wir begegnen also den Nebenfiguren des ersten Buches als Helden der weiteren Bücher wieder, und die Helden des ersten Buches, die uns über 350 Seiten ans Herz gewachsen sind, tauchen als Nebenfiguren noch einmal auf -  wir erfahren, was aus ihnen wurde. Der Held von ”Only You” etwa ist der bereits erwähnte Bruder der Heldin aus ”Only His”.

Solche Serien sind bei vielen Leserinnen besonders beliebt. Mehrere Autorinnen (außer Elizabeth Lowell z.B. Nora Roberts oder Stella Cameron) haben sich darauf eingestellt. Wer das große Abenteuer sucht, wo die Heldin von Piraten entführt und nach langer Irrfahrt gerettet wird, könnte bei "Shanna" von Kathleen Woodiwiss oder bei den Romanen von Johanna Lindsey fündig werden.

Fast die Hälfte aller weltweit verkauften Romane sind Liebesromane - die andere Hälfte teilen sich Klassiker und Krimis, Science Fiction und moderne Bestseller. Falls Sie noch nie einen Liebesroman gelesen oder sich bisher einfach nicht getraut haben: Probieren Sie's mal. Sie sind nicht allein. Millionen von Frauen und nicht wenige Männer sind schon Fans, wie die hohen Auflagen bezeugen. Leider halten deutsche Verlage die Leserinnen von Liebesromanen offensichtlich für geistig minderbemittelt und muten ihnen oft erbärmlich schlechte Übersetzungen und lächerliche Titel zu. Wenn Sie irgend können, besorgen Sie sich also die Originale, das ist heutzutage per Internet kein Problem mehr. Ich garantiere Ihnen: Eine angenehmere Art, Ihr Englisch aufzupolieren, werden Sie kaum finden - es sei denn, Sie begegnen Ihrem persönlichen Liebesroman-Helden und er spricht nur Englisch.

Friederike

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