Interview mit Emma Holly

Emma Holly ist eine Autorin von erotischen Frauenromanen. Hierbei handelt es sich NICHT um den typischen Liebesroman (obwohl ihre Helden eine tiefe Liebe füreinander empfinden und ihr Happy End bekommen), sondern um eher pornografischerere Werke. Fast all ihre Bücher werden in England bei Black Lace veröffentlicht, doch sie schreibt auch Kurzgeschichten für Anthologien (z.B. die "Secrets" Bücher von Red Sage Publishing).

Neuerdings experimentiert sie in ihren Büchern auch mit S/M. Ihre Bücher sind absolut empfehlenswert für all diejenigen, die gerne mal eine erotischere Lektüre mögen und denen Autorinnen wie Bertrice Small, Susan Johnson oder Robin Schone noch nicht langen.

Auf ihrer Homepage findet Ihr mehr über ihre Bücher: http://www.wavetech.net/~emmah/eroticmind/

Angela: Können Sie uns etwas über sich erzählen? Ihre Vorlieben und Abneigungen, woher Sie kommen?

Emma Holly: Hi Angela. Zuerst einmal möchte ich mich bei Ihnen dafür bedanken, daß Sie mich um dieses Interview gebeten haben. Es ist schön zu wissen, daß ich überall Fans habe!

Nun, etwas über mich... Am liebsten mag ich gute Bücher, gute Schokolade, starken Kaffee und lange Spaziergänge. Und schlafen. Ich schlafe sehr gerne! Was Ihnen wahrscheinlich sagt, daß ich das „gewisse Alter“, über das die Franzosen immer sprechen, erreicht habe. Abneigungen: auf mein Gewicht achten zu müssen, schlechte Bücher, die jeder außer mir mag und wenn „Buffy“ wegen eines Basketballspieles ausfällt. Ich bin schändlicherweise Fernsehe- und Internetsüchtig, aber Bücher sind wahrscheinlich das einzige, ohne das ich nicht leben könnte. Sie sind sowohl Trost als auch Inspiration für mich, ein Fenster in dieser Welt, durch das ich mich flüchten kann. Ich frage mich immer, was Leute, die nicht lesen, denn so tun. Es scheint in meinen Augen eine langweilige Existenz zu sein.

Zur Zeit lebe ich in Minnesota, obwohl ich zehn Jahre in Philadelphia gelebt hatte, wo „Menage“ spielte. Minnesota ist viel kälter und weniger weltoffen, aber es ist auch sauberer, sicherer und bietet einem viel mehr natürliche Schönheiten. Ich gehöre hier zu einem guten Schriftstellerverein, und die meisten meiner Freunde habe ich dadurch kennengelernt.

Angela: Wie und warum haben Sie angefangen zu schreiben? Wollten Sie schon immer schreiben? Wieso haben Sie sich für erotische Romane entschieden?

Emma Holly: Ich wollte schon immer schreiben. Als ich noch klein war, lebte ich so ziemlich in meiner eigenen kleinen Welt. Manchmal kam ich zu spät zur Schule, weil ich am Wegrand saß und mir selber eine Geschichte erzählte (meine Haarspangen waren immer griffbereit, um eine Hauptrolle zu übernehmen.). Auf den Geschmack kam ich durch Märchen, Science Fiction und letztendlich Liebesromane – die ich zu schreiben versuchte, aber nicht verkaufen konnte. Ich habe mich an erotischer Literatur versucht, weil es mich faszinierte und weil meine Sexszenen die einzigen Szenen waren, über die sich nie jemand beschwerte. Paradoxerweise hat das Schreiben von Erotika meinen erzählerischen Fähigkeiten den letzten Schliff verpasst. Nun habe ich meinen ersten erotischen Liebesroman verkauft. Vielleicht werde ich auch wieder den Weg zur Science Fiction zurückfinden!

Angela: Wie hat Ihre Familie reagiert, als sie erfuhr, daß sie erotische Romane schreiben? Ich kann mir vorstellen, daß dies für einige Familienmitglieder ein Problem werden könnte? Viele Leser/Autoren von Liebesromanen werden von der Kritik und Öffentlichkeit oftmals nicht ernst genommen. Haben Sie diese Erfahrung als Autorin von erotischen Romanen ebenfalls gemacht?

Emma Holly: Meine Familie ist viel literarischer als ich. Obwohl ich an einer guten Universität Englisch studiert habe, hasse ich die meiste Literatur. All dieses überflüssige Elend, diese ganze Wichtigtuerei und nur ein einfaches, schlampiges Geschichtenerzählen. Meistens lese ich lieber einen mittelmäßigen Liebesroman als einen „guten“ literarischen Roman. Jedenfalls waren die Reaktionen meiner Familie weniger eine moralische Beurteilung gegen die explizierte Art meines Schreibens, sie waren eher dagegen, weil es nicht literarisch war. Manche schienen zu denken, ich würde "in die Gosse hinabsteigen" und sobald ich bekannt sei, zu seriöser Unterhaltungsliteratur zurückkehren. Nichts könnte der Wahrheit ferner liegen! Ich habe meine Stimme als Autorin gefunden, nachdem ich zu Erotika gewechselt bin. Plötzlich waren meine Geschichten stärker, emotionaler. Plötzlich hatte ich etwas zu erzählen, was mir wirklich am Herzen lag.

Trotz ihres gelegentlichen Unmuts hat meine Familie meine Karriere sehr unterstützt. Dafür muß ich sie wirklich loben. Es ist viel schwerer, jemandem lobend auf den Rücken zu klopfen, wenn man anderer Auffassung ist!

Ich persönlich mache mir über den Respekt weniger Gedanken. Ich finde, daß Liebesromanautorinnen viel zu viel Energie hierin verschwenden. Grundsätzlich ist Respekt nicht etwas, was man von anderen verlangen kann; man verdient ihn sich dadurch, indem man seinen Job so gut wie möglich erledigt. Wenn man dann keinen Respekt erhält, muß die andere Person beschämt sein, nicht man selber. Ich schreibe die Art Bücher, die ich selber gerne lesen würde und ich bin stolz auf sie.

Angela: Was ist der Unterschied zwischen weiblicher erotischer Literatur und (männlicher) erotischer Literatur? Ist männliche erotische Literatur detaillierter als weibliche? Oder werden Frauen hier als „geil und hirnlos“ beschrieben?

Emma Holly: Ich bin ein wenig sexistisch, wenn es um Lesestoff geht. Egal, welches Genre –Mystery, Science Fiction, Adventure –, ich bevorzuge weibliche Autoren. Im allgemeinen finde ich, daß Frauen besser als Männer sind, wenn es darum geht, Emotionen und Charaktere überzeugend zu beschreiben.

Was Erotika angeht, denke ich, daß Frauen den Sex gerne in einen interessanten Kontext stellen. Wenn Männer Erotika schreiben, konzentrieren sie sich entweder hauptsächlich auf die Mechanik oder vertiefen sich zu sehr in pseudo-literarische Haltungen (und Sie wissen, was ich davon halte <g>).

Komischerweise habe ich einmal etwas gelesen, was ich für eine Ausnahme unter meinen Vorurteilen hielt: ein schwuler Autor, der die sanftesten, lustigsten und HEISSESTEN erotischen Stories schrieb. Die Charaktere waren wunderbar, die Stories packend – jedes Stück genauso gut wie das von einer Frau. Ich dachte nun, daß er vielleicht empfindsamer sei, weil er schwul ist. Dann erfuhr ich, daß er gar kein „er“ war! „Er“ war eine Frau, die sich als schwuler Mann ausgab, da ihre Leserschaft enttäuscht gewesen wäre, herauszufinden, daß sie kein Mann war.

Angela: Warum werden Ihre Bücher in der britischen Black Lace Reihe veröffentlicht? Gibt es ein amerikanisches Äquivalent? Hatten sie jemals Probleme mit den Unterschieden in der Britischen und Amerikanischen Sprache? Und warum sind Black Lace Bücher so schnell vergriffen?

Emma Holly: Es gibt kein amerikanisches Äquivalent zu Black Lace. Die amerikanischen Erotik-Häuser wie Blue Moon und Carrol & Graf sprechen ein kleineres Publikum an. Wenn man nicht direkt auf S/M oder D/s steht, fällt es einem schwer, mit den Sachen, die sie veröffentlichen, etwas anzufangen. Obwohl sie weibliche Autorinnen haben, sind ihre Bücher nicht besonders frauenfreundlich gemacht.

Für mein erstes Buch fiel es mir schwer, die britischen Ausdrücke zu lernen, aber sie kamen dann immer automatischer. Gelegentlich fragt mich die Redakteurin bezüglich der Änderung eines amerikanischen Ausdruckes, und ich biete entweder eine neutrale Alternative an oder bitte sie darum, ihn stehen zu lassen. Schließlich sind meine Charaktere Amerikaner.

Was die Frage betrifft, warum Black Lace Bücher so schnell vergriffen sind, kann ich nicht für ihre Marketing Abteilung sprechen, aber ich nehme an, daß ihre Verkäufe auf diese Art laufen sollen. Sie drucken lieber zu wenig als zu viel, um nicht viele Rückläufer schlucken zu müssen. Im Vertrauen gesagt, ich glaube nicht, daß sie alles Mögliche unternommen haben, um sich dem amerikanischen Markt zu öffnen, der, verglichen mit England, ein potentiell riesiger sein könnte. Wenn sie das tun würden, wären die Auflagen höher, die Profite größer und sie wären vielleicht eher bereit, das Risiko einer Neuauflage einzugehen. Aber das ist vom Lehnstuhl aus gemachtes Marketing. Black Lace hat es geschafft, auf diesem Markt zu bleiben, als andere Britische Erotika-Häuser eingingen. Vielleicht wissen sie selbst es am besten.

Angela: Können Sie den Lesern, die diese Bücher nicht kennen, den Unterschied zwischen der Red Sage „Secrets“ Reihe und den Black Lace Büchern erklären? Beides ist erotische Literatur, aber sie sind vollkommen unterschiedlich. Werden Sie eine weitere Kurzgeschichte nach ihrem fantastischen „Love Slave“ für Red Sage schreiben?

Emma Holly: Die Secrets-Geschichten müssen den Grundregeln eines Liebesromanes folgen. Sie konzentrieren sich auf die Entwicklung der Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau und führen zu einem glücklichen, festgelegten Ende. Der Sex ist explizit, aber gewisse Sexarten sind verboten: Hardcore S/M, lesbischer Sex, alles, womit nicht beide Partner einverstanden sind, "Badezimmerspielchen". Black Lace Bücher können eine Liebesgeschichte enthalten, müssen es aber sicherlich nicht. Sie bieten größeren Spielraum für mehrere Partner und vielerlei Arten von speziellen sexuellen Veranlagungen.

Ich kann nicht sagen, ob ich eine weitere Novelle für Red Sage schreibe. Alexandria Kendall bietet ihren Autorinnen einen angenehm großen Freiraum zu einem Zeitpunkt, zu dem andere Verlage immer engstirniger werden (keine Vampire, keine Futuristics, nichts, was außerhalb der Norm liegt). Andererseits ist Red Sage ein sehr kleines Haus, und ich versuche, als Autorin zu wachsen. Ich glaube, die Entscheidung wird davon abhängen, ob es eine Story gibt, die ich wirklich schreiben will und die nirgendwo anders hinpaßt.

Hier die Secrets Website, falls sich jemand über die Bücher oder die Richtlinien informieren möchte:
http://www.redsagepub.com/

Angela: Ich weiß, daß die Sexszenen in Büchern der Phantasie des Autoren entspringen, aber wo bekommen Sie Ihre Ideen her? Durch das Lesen anderer erotischen Liebesromane? Gucken Sie erotische Filme?

Emma Holly: Wie die meisten Autoren hole ich mir meine Ideen, wo ich nur kann! Manchmal kommen sie aus Büchern oder dem Fernsehen, manchmal aus den dunklen Nischen meines Unterbewußtseins. Wenn es nicht meine eigenen Phantasien sind, entspringen sie meist meinem Wunsch, die Idee eines anderen Autoren zu verbessern, ihre Phantasie meinem Geschmack anzupassen.

Wenn ich erotische Filme finden könnte, die ich mag, würde ich sie sicherlich gucken. Die wenigen, die ich gesehen habe und die mir empfohlen wurden, waren mir zu dumm. Was für einen antörnenden Wert sie auch gehabt haben mögen, er wurde dadurch zerstört, daß ich davorsaß und die ganze Zeit dachte „Du meine Güte, ist das idiotisch.“ Den einzigen erotischen Film, den ich gesehen habe und wirklich mochte, war Zalman Kings erster „Red Shoe Diaries“ mit David Duchovny. Beinahe perfekt.

Angela: Wären Sie daran interessiert einen historischen Black Lace Roman zu schreiben, da all Ihre Black Lace Bücher Contemporaries sind?

Emma Holly: Black Lace mag die Contemporaries. Anscheinend verkaufen sie sich in England besser. Nachdem ich nun aber durch das Schreiben dieses sexy Historicals für Berkley Blut geleckt habe, könnte das etwas sein, daß immerhin überlegenswert für mich wäre.

Angela: Ich habe gehört, daß Sie eine Vampirgeschichte und/oder einen erotischen Liebesroman beendet haben? Trifft das zu, und können Sie uns mehr darüber erzählen? Werden sie veröffentlicht?

Emma Holly: Die einzige Vampirgeschichte, die von mir erscheint, ist eine Short Story für Marcy Sheiners „Best Women’s Erotica 2001“. Ich würde gerne eines Tages einen richtigen erotischen Vampirroman schreiben, aber ich weiß noch nicht, wann ich dazu komme.

Angela: Viele Black Lace Bücher enthalten S/M Szenen. Ist es schwierig, diese zu schreiben, da ich nicht glaube, daß jeder Autor von Büchern mit S/M Szenen gleich zu dieser Szene gehört? ;-) Wie betreiben die Autoren ihre Recherchen, denn ich vermute mal, daß es schwer ist, so etwas zu schreiben und nicht die Grenzen des Unerlaubten im S/M zu durchbrechen? Glauben Sie das Frauen gerne über S/M lesen? Oder bevorzugen Frauen „sanftere“ Szenen, in denen die Heldin eine Tracht Prügel bekommt (die für sehr lange Zeit in Liebesromanen üblich waren)?

Emma Holly: Als ich beschloß, mich am S/M zu probieren, habe ich Gloria und William Brames „Different Loving: The World of Sexual Dominance and Submission“ gelesen. Ich fand es sehr faszinierend und hilfreich, obwohl ich ihnen nicht immer ganz den Dreh abgenommen habe, den sie versuchten, diesem Lebensstil aufzudrücken.

Dominanz und Unterwerfung („Dominance and Submission“ – D/s) ist ein sehr beliebtes erotisches Thema, und ein paar der Leute, die diese Beliebtheit antreiben, sind Frauen. Natürlich wird jede Frau etwas bevorzugen, was ein wenig anders als alles andere ist. Manche Frauen lesen ausschließlich über männlich-weibliche Machtspiele, wenn sie sehr sanft sind oder als etwas anderes als S/M getarnt sind (der gebieterische Alpha-Held in den Liebesromanen ist ein gutes Beispiel.). Andere Frauen sind allein bei der bloßen Erwähnung einer Lederpeitsche erregt. Ich glaube (und dieser Glaube ist absolut unwissenschaftlich), daß Erotika, wenn sie auch außerhalb ihres Nischen-Publikums ein Publikum ansprechen will, die sanftere Seite von D/s mit einschließen muß, genauso wie es eine größere Auswahl an sexuellen Spielarten anbieten sollte.

Als ich „Velvet Glove“ schrieb, habe ich mir selber unabsichtlich die Aufgabe gestellt, Dominanz und Unterwerfung verständlich und erregend für Leute darzustellen, die dieses Thema normalerweise nicht mögen würden.

Angela: Oftmals sind die Charaktere in erotischen Büchern nicht eifersüchtig und teilen alles miteinander. Ihre Bücher sind aber anders, enthalten zwar z.B. eine „ménage à trois“, aber sobald wahre Liebe ins Spiel kommt, werden die Charaktere eifersüchtig. Dies macht sie realistischer für den Leser, da die Menschheit nun einmal eifersüchtig ist... ;-) Glauben Sie, daß eine „ménage à trois“ ohne Eifersucht funktionieren kann (im wahren Leben und in der Literatur)?

Emma Holly: Persönlich gesagt, nein. Ich denke, daß Eifersucht ein Tel des Lebens und von Beziehungen ist, egal wie viele Menschen darin involviert sind. Was nicht heißen soll, daß man keine lohnende Dreierbeziehung haben kann. Man kann sicherlich. Ich denke nur, es würde viele Herausforderungen einschließen, und es würde niemals für alle Beteiligten absolut befriedigend sein. Das gibt es nur in Büchern.
Ich schließe Eifersucht und andere negative Gefühle in meine Bücher mit ein, da ich denke, daß Konflikte dazu beitragen, den Leser mit einzubeziehen. Für mich sind meine Geschichten Phantasien. Sie sind sehr stark von meiner Vorstellungskraft kontrolliert. Die Realität, die ich einfüge, soll bei der Leserin Unglauben ausschließen, sie glauben lassen, daß diese Geschichte vielleicht wirklich so passieren könnte. In anderen Worten, die „Realität“ ist dazu da, um ihr zu helfen, die Vorstellung zu genießen.

Angela: Die meisten Liebesromane sind „politisch korrekt“ (d.h. die Heldin hat keinen Sex mit anderen Männern mehr, wenn sie den Helden kennenlernt, sie heiratet ihren Liebhaber und die Sexpositionen ändern sich nicht). Ich würde sagen, daß Ihre Bücher ebenfalls Liebesromane sind, da sie eine tiefe, wahre Liebe zwischen Held und Heldin beschreiben, aber sie haben sich dazu entschlossen, daß Ihr/e Held/in in Ihren Büchern Erfahrungen mit anderen Partner sammeln. Daher sind Ihre Bücher (oder alle erotischen Bücher, wenn Sie es so sehen) allgemein gesehen „politisch unkorrekt“. Sind Sie gegen „politische Korrektheit“ und glauben Sie, daß Sie Probleme bekommen könnten, einen „normalen“ Liebesroman zu veröffentlichen, da Sie als Autorin von erotischen Romanen bekannt geworden sind?

Emma Holly: Ich würde das, was die herkömmlichen Liebesromane „politisch korrekt“ nennen, nicht unbedingt als sexuellen und sozialen Konservatismus bezeichnen. Dieser Konservatismus existiert, weil eine große Gruppe der Leser diese Art Bücher lesen „will“. Sie wollen ihre Werte und Ideale in der erdichteten Welt hochgehalten sehen. Viele Partner oder exotische sexuelle Praktiken würde ihnen die Freude an der Geschichte nehmen. Ich bin nicht dagegen, daß Leute Bücher dieser Art schreiben oder lesen. In einer idealen Welt würde es ein Buch für jeden Geschmack geben – hoffentlich viele Bücher. Zum Glück beschränken nicht alle Autoren ihre Charaktere auf die Missionarsstellung!

Ich weiß nicht, ob die Tatsache, daß ich Erotika schreibe, Probleme verursachen wird, wenn mein Liebesroman veröffentlicht wird. Es wird womöglich Interesse erregen und vielleicht Kontroversen, was nicht unbedingt schlecht sein muß. Als ein Mitglied der „Romance Writers of America“ war ich von Anfang an in die Liebesroman-Gemeinde eingebunden. Ich weiß, daß dies die Verkäufe meiner erotischen Romane gesteigert hat. Leser, die sonst niemals ein erotisches Buch lesen würden, werden meine probieren, denn als Liebesroman-Fan denken sie, daß es für Frauen sicher ist, meine Bücher zu lesen.

Interessanterweise können Fans von erotischer Literatur gegenüber Liebesromanen genauso hochnäsig sein, wie Liebesromanfans gegenüber Erotika. Ich schätze, jeder will auf jemand anderen herabgucken!

Angela: Glauben Sie, daß die Black Lace Bücher (nicht nur Ihre) in das wirkliche Lieben übertragen werden könnten, falls Frauen mutiger wären? Wie sieht es mit Krankheiten aus? Ich habe festgestellt, daß alle Charaktere in den Black Lace Contemporaries „Safer Sex“ praktizieren und daß in jedem Black Lace Buch eine Warnung steht.

Emma Holly: Die Warnung besagt, daß „Black Lace Bücher sexuelle Phantasien enthalten“ wovon ich glaube, daß das sehr, sehr richtig ist. Was darin passiert, steht unter der Kontrolle der Autorin. Falls Sie im wahren Leben eine Phantasie wiederherzustellen versuchen, besteht immer die Möglichkeit, daß Ihr Partner sich vom Skript wegbewegt oder sich einfach als schlechter Schauspieler erweist! Erotische Literatur ist ein sicherer Weg, herauszufinden, was einen erregt, was auch etwas unerwartetes sein kann. Die Phantasien, von denen Sie nie wußten, daß Sie sie hegten, können ins wahre Leben übertragen werden – manchmal zum großen Nutzen –, aber Sie müssen immer im Auge behalten, daß das wirkliche Leben wirkliche Menschen einschließt: richtige Schmerzen, richtige Konsequenzen, wirkliche Aufhänger. Lebende, atmende Menschen verhalten sich selten wie die Charaktere in einem Buch. Mut ist ein bewundernswerter Charakterzug, aber Geduld und Verantwortungsgefühl ebenfalls. Sex, auch wenn er aus reinem Spaß praktiziert wird, ist ernst, möglicherweise lebensverändernd. (Ich denke, Sie können jetzt erzählen, daß ich nun eine Liebesromanautorin bin. <g>!)

Wie sie sagen, Krankheiten sind (oder sollten) ein Grund zur Sorge sein. Safer Sex ist nur das: sicherer, nicht sicher. Und Leser sollten auf keinen Fall erotische Bücher  als Vorlage dazu nehmen, welche Art Sex die sicherste ist!

Angela: Glauben Sie, daß sich die weibliche Sichtweise bezüglich Erotika in den letzten Jahren geändert hat? Das sie mutiger wurden und aufgeschlossener gegenüber Erotischer Literatur, Sexspielzeugen etc.?

Emma Holly: Absolut. Mit dem Erscheinen von Sammlungen wie Susie Brights „Best ‚American Erotica“ und Marcy Sheiners „Herotica“ Serie ist Erotika zur Mainstream-Literatur geworden. Bei den Liebesromanen reflektieren Autorinnen wie Robin Schone diesen Trend. Was Sexspielzeuge betrifft (hm, was für ein Bild) hat, äh, Goodvibrations diesen Weg freigelegt, um sexuelles Zubehör für die Durchschnittsfrau zugänglicher und annehmbarer zu machen.

Angela: Haben Sie eine/n Lieblingsheld/in in Ihren Büchern? (Übrigens ist mein Lieblingsheld Grae aus „Love Slave“ und auch Lily mochte ich sehr gerne...)

Emma Holly: Um ehrlich zu sein, liebe ich all meine Helden und Heldinnen, aber falls ich einen herauspicken müßte, würde ich sagen, daß ich die fehlerhaftesten am liebsten mag. Ich mag meine Heldin aus „In The Flesh“. Sie ist so schlecht, daß man ihre Dreistigkeit bewundern muß. Und wenn der Held sie trotz ihrer Sünden liebt, zerreißt es mich. Dasselbe gilt für meinen Helden in „Beyond Innocence“, meinem sexy historischen Liebesroman. Er ist ein Beschützer mit einem großen „B“ und trotzdem führt ihn sein Drang, die Leute zu schützen, die er liebt, zu dunkelsten Seite seines Wesens. Er ist ein Kontroll-Freak und ein Tyrann, und ich verehre ihn völlig. Seine Liebe ist groß genug, ihn sowohl zu verdammen als auch zu schützen. Diese Art Zwiespältigkeit ist für einen Autor sehr faszinierend zu erforschen.

Angela: Welche Bücher und Autoren lesen Sie normalerweise? (Ich habe gesehen, daß sie zum Beispiel Katherine Sutcliffe – meine absolute Lieblingsautorin – empfohlen haben sowie Jean M. Auel). Könnten Sie uns auch anderen Autorinnen erotischer Literatur empfehlen?

Emma Holly: All meine Lieblingsbücher gibt es auf meiner Website:
http://www.wavetech.net/~emmah/eroticmind/
(Ja, lassen Sie die Leute dorthin gehen und so meine Besucherzahlen erhöhen <g>!) Im allgemeinen lese ich Liebesromane, Mystery (besonders Britische Mysteries), viele Bücher für meine Recherchen und ein wenig Science Fiction. Ich lese nicht zu viel Erotika, weil es mir schwerfällt, etwas zu fiinden, was ich wirklich mag. Mein liebster erotischer Roman ist wahrscheinlich „Cry to Heaven“ von Anne Rice (deutscher Titel: „Falsetto“) über einen sexy italienischen Kastraten. Liebe, Rache, Oper und viele sexuelle Eigenarten. Absolut hypnotisierend.

Angela: Wissen Sie ob Ihr wunderbares „Menage“ wieder aufgelegt wird?

Emma Holly: Ich habe keine Ahnung. Ich wünschte, ich wüßte es weil die Leute mich ständig fragen! Sie hätten wahrscheinlich mehr Glück, meinen Verlag zu fragen.

Angela: Können Sie uns mehr über Ihre Zukunftspläne verraten? Was kommt als nächstes?

Emma Holly: Direkt als nächstes kommen die Korrekturen für meinen Roman für Berkley, der ca. Juni 2001 erscheinen wird. Danach werde ich eventuell einen weiteren historischen Liebesroman schreiben, aber ich stehe nicht unter Vertrag, so das ich schauen muß, was als nächstes auftaucht. Ich würde gerne über eine unscheinbare Heldin und einen dekadenten, gequälten, künstlerischen Helden schreiben. Und ich würde sie gerne nach Venedig schicken. Was ein Lektor dann will, bleibt zu erraten.

Meinen Lesern steht als nächstes mein Juli Black Lace, „In the Flesh“ bevor, der einen japanisch-amerikanischen Helden und eine exotische Tänzerin als Heldin hat. Ich habe gerade meine Autorenkopien und natürlich bin ich darüber sehr aufgeregt!

Whoo. Ich hoffe, ich habe nicht zu viel geplappert. Vielen Dank für Ihre Einladung zum Plaudern! Emma

© Isolde Wehr und Angela Weiß, Mai 2000, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im Mai 2000 zwischen Angela W. und Emma Holly für:



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