Interview Kari Köster-Lösche

Ihre historischen Romane laden den Leser ein, einzutauchen in große Abenteuer, mit eigenwilligen Heldinnen, interessanten Länder, aber immer mit gut recherchierten Hintergrund und ernster Thematik. Auch ihre historischen Krimis haben eine große Fangemeinde in Deutschland. Ich freue mich sehr, dass Frau Köster-Lösche diesem Interview zugestimmt hat:

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Maria: Frau Köster-Lösche, zuerst einmal, können sie mehr über sich erzählen? Wo sie leben, welche Vorlieben sie haben etc.?

Kari Köster-Lösche: Ich lebe in Nordfriesland, teilweise auf dem Festland, teilweise auf der Hallig Langeneß. Auf der Hallig kann ich insbesondere meinem Hobby Meeresmuscheln/-schnecken (sammeln, bestimmen, habe auch ein Buch darüber geschrieben) nachgehen, aquarellieren etc.

Maria: Uns würde interessieren, wann in Ihnen der Wunsch gereift ist Romane zu schreiben?

Kari Köster-Lösche: Ich hatte meine wissenschaftliche Karriere in einem Forschungsinstitut beendet, ein Sachbuch über nordfriesische Bauernhäuser geschrieben, fand es etwas trocken, nur solche Bücher zu schreiben, und dachte dann, man könnte auch Menschen in diesen Häusern zum Leben erwecken. Das wurde mein erster Roman: Die Pesthexe.

Maria: Warum gerade historische Romane?

Kari Köster-Lösche: Ich mag Geschichte gern, schon immer. Und das Recherchieren war das Handwerkszeug, das ich auch als Wissenschaftlerin benutzt hatte. So verband sich private Neigung mit beruflichem Training. (Ich gebe zu, daß ich auch gerne Wissen vermitteln will, und ich habe inzwischen gelernt, es nur in homöopatischen Dosen zu verabreichen, damit es nicht auffällt.)

Maria: Wie hieß ihr erster veröffentlichter Roman und wann erschien er?

Kari Köster-Lösche: Die Pesthexe. 1986.

Maria: War es schwierig für Sie einen Verlag zu finden und wie ging es dann weiter in Ihrer schriftstellerischen Laufbahn?

Kari Köster-Lösche: Sehr schwierig. Ich fand mein erstes Werk natürlich so toll, daß ich gleich bei großen Verlagen anfing. Mußte dann schnell kleinere Brötchen backen und habe im Verlauf der ersten 10 Jahre meines Werdegangs als Autorin sicherlich 300 Verlage oder mehr angeschrieben, Manuskripte geschickt, mich auf den Buchmessen erkundigt, umgesehen ...

Aber es ging aufwärts, vom kleinen zum mittleren Verlag (Ehrenwirth war derjenige Verlag, der mir eine richtige Chance verschaffte, ich bin dafür ausgesprochen dankbar.) Dann zum großen Verlag, bei dem ich heute bin ...

Maria: Sie sind in Schweden aufgewachsen, kam daher Ihre Idee für die historischen Wikinger-Krimis?

Kari Köster-Lösche: Ja. Ich konnte außerdem wissenschaftliche Untersuchungen in den skandinavischen Sprachen lesen, war sehr praktisch.

Maria: Einige historische Krimis bzw. Romane sind in Nordfriesland angesiedelt. Wie sah ihre Recherche dazu aus, z. B. in bezug auf Aberglauben.

Kari Köster-Lösche: Wissenschaftliche Untersuchungen lesen, Originalquellen finden, Mitmenschen zuhören (in NF)

Maria: Außer Unterhaltungsliteratur schreiben sie auch wissenschaftliche Bücher, z. B. über BSE und halten auch Vorträge. Wie sieht ein Arbeitstag von Ihnen aus?

Kari Köster-Lösche: Etwa ab 7.30 Uhr am Computer sitzen und schreiben (oder Bücher, Bücher, Bücher durcharbeiten, wenn ich in der Phase einer Recherche bin). Meistens am Wochenende die Vorträge ausarbeiten (muß zuweilen Freizeit ersetzen); häufig auch am Wochenende Hin- oder Rückreise für diese Vorträge. Abends Homepage mit BSE-Nachrichten aktualisieren.

Maria: In welchem Verhältnis steht Ihre Schriftstellerei zu Ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit?

Kari Köster-Lösche: In der Regel wohl 80% Schriftstellerei, phasenweise aber auch 100% Arbeit an BSE.

Maria: Am liebsten lese ich Ihre historischen Romane in denen es um Heilkräfte und Medizin geht. ‚Die Hakima’ und ‚Die Heilerin von Alexandria’ gehören zu meinen Favoriten. Wie lange haben sie an diesen Romanen geschrieben?

Kari Köster-Lösche: Jeweils etwas mehr als 1 Jahr (Vertrag geht über diese Zeit). Das bedingt jedoch, daß viele Kenntnisse bereits vorliegen, also schon recherchiert sind. Ich kann zum Glück auf einen riesigen Fundus an Kenntnissen zurückgreifen (Auszüge aus Sachbüchern, festgehalten in Notizbüchern).

Maria: Können wir mit einem weiteren Roman mit dieser Thematik erwarten?

Kari Köster-Lösche: Aber ja. Ich schreibe gerade an der Fortsetzung der Hakima. Wenn es nach mir ginge, wäre der Titel: Die Pockenstecher von Palermo. Aber ich glaube, der Verlag wird vorziehen: Die Hakima von Palermo o.ä..

Maria: Ihre Thematik in den Romanen sind immer sehr ernst (Aberglaube, Hexenverfolgung, die Frau als Heilerin) und sie beschönigen auch nicht die jeweilige Zeitepoche. Ist es Ihnen ein besonderes Anliegen, die Frau in den historischen Romanen zeitgemäß zu beschreiben?

Kari Köster-Lösche: Ja, sehr. Vor allem möchte ich transparent werden lassen, welch großen Anteil Frauen am kulturellen Fortschritt hatten. Dieser wird nämlich notorisch in der Geschichtsschreibung vergessen, soweit solche Bücher von Männern geschrieben werden. (z.B. mache ich in der Wagenlenkerin eine Fahrerin eines Zweispänners zum Gegenstand. Es gab auch im klassischen Griechenland Frauen, die ihre eigenen Wagen bei den Spielen lenkten, wirklich; es hat nur bis in dieses Jahrhundert gedauert, bis Historikerinnen es belegen konnten.)

Maria: Sind Ihre Romane auch im Ausland erschienen?

Kari Köster-Lösche: Die Hakima in Spanien, und es gab gleich zwei Verlage, die sich darum rissen. Ansonsten nur, leider, die Sachbücher in etlichen Ländern; gerade ist ein Vertrag aus Japan unterwegs ...

Maria: ‚Die Wagenlenkerin’ handelt von einer willensstarken Frau, die im antiken Griechenland bei den olympischen Spielen mit machen möchte. Wie kam Ihnen diese besondere Idee?

Kari Köster-Lösche: Siehe oben.

Maria: Sie bieten Ihrer Leserschaft immer etwas Neues, u. a. denke ich da an die Taunus-Trilogie (Die Raubritterin, Tod allen Reichen, Die Tochter der Raubritterin). Diesmal haben Sie die Handlung wieder nach Deutschland verlegt. Warum gerade der Taunus?

Kari Köster-Lösche: Weil ich mich in ihm auskenne. Das Schullandheim meiner Frankfurter Schule lag in Eppenhain. Es ist immer hautnaher, Dinge zu beschreiben, die man kennt.

Maria: Im Februar 2002 erscheint im Ullstein-Verlag ein neues Buch von Ihnen. Warum wählten sie das Pseudonym „Silke Jensen“?

Kari Köster-Lösche: Ich wählte es gar nicht. Ich wollte Kersti Johannsdotter nach einer meiner schwedischen Urgroßmütter. Das war dem Verlag zu exotisch. Aber ein Pseudonym mußte nach Verlagsansicht sein, weil ich mich schon in so vielen Themen tummele, und es nicht so auffallen soll, daß ich ein weiteres Standbein habe (es müßten sowieso jetzt um die 5 oder 6 Beine sein, was nicht normal ist).

Maria: Der Titel des Buch ist: Das Sylt-Virus. Können Sie unsere Neugierde ein bisschen befriedigen und uns mehr darüber erzählen?

Kari Köster-Lösche: Eine unbekannte Krankheit auf Sylt. Zuerst Menschen, dann Rinder. Ein Tierarzt recherchiert. Stößt überall auf Unglauben, lernt dabei die Liebe seines Lebens kennen ...

(Ist nicht BSE, sondern eine fiktive Erkrankung).

Maria: Lesen Sie selbst gern historische Romane bzw. Krimis und haben Sie diverse Lieblingsschriftsteller?

Kari Köster-Lösche: Ja, am liebsten lese ich historische Romane. Es gibt leider nur wenige Schriftsteller, die meine Ansprüche – die ich auch an mich selbst stelle – erfüllen. Rebecca Gablé und Gisbert Haefs sind meine absoluten Lieblinge.

(Seitdem die historische Welle rollt, gibt es leider viel Schrott.)

Maria: Arbeiten Sie an einem neuen Roman oder einer neuen Serie?

Kari Köster-Lösche: Ja, immer. Derzeit eben die Hakimafortsetzung, die auf Sizilien spielt. Danach kommt „Die Sachsen-Saga.“ in zwei Bänden.

Maria: Für mich sind Sie eine Schriftstellerin die aus der Masse des Angebots an historischen Romanen herausragt. Vielen Dank für das Interview.

Kari Köster-Lösche: Ich danke für das Kompliment und ebenfalls für das Interview.

© Isolde Wehr und Jutta Maria Klein, Dezember 2001, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im Dezember 2001 zwischen Jutta Maria Klein und Kari Köster-Lösche für:



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