Interview mit Iny und Elmar Lorentz

 

Hallo Iny, hallo Elmar

nach dieser schönen gemeinsamen Leserunde im Romantischen Bücherforum im August 2003, bei der ihr so offen auf unsere Fragen eingegangen seid, würden wir euch gerne noch besser kennen lernen und ihr habt erfreulicherweise einem Interview zugestimmt.

Maria K.: Erzählt doch ein bisschen über euch (Familie, Hobbies usw.)?

Elmar: Wir sind seit fast 22 Jahren verheiratet, kinderlos, aber mit einigen Nichten und Neffen gesegnet. Ich selbst komme aus dem Süden unserer Republik, bin Bayer, aber kein Baier, das ist nämlich ein großer Unterschied, stamme aus einer Bauernfamilie und traue mir auch heute noch zu, eine Kuh unfallfrei zu melken. Außerdem weiß ich, wie ein Schwein riecht, ohne meine Phantasie übermäßig anstrengen zu müssen. Mit etwa dreißig Jahren habe ich das ländliche Idyll aufgegeben, um mir in der Großstadt einen Broterwerb zu suchen.

Meine Hobbies sind: Schreiben, schreiben ..., dann kommen irgendwann Lesen, Wandern und mit dem Wohnwagen in Urlaub fahren. Es gibt nichts schöneres, als am Morgen zu erwachen, die Tür zu öffnen und Grün um sich zu sehen. Früher habe ich auch die einen oder anderen Dinge gesammelt, doch in dem Maße, in dem das Schreiben die Überhand gewann, haben Iny und ich die meisten Hobbies zurückgeschraubt und zu einem Teil ganz aufgegeben.

Iny: Ich stamme aus Köln, bin dort zur Volksschule und zum Abendgymnasium gegangen, habe Arzthelferin gelernt und mich nach ein paar anderen Jobs zur Programmierin (mit IHK-Abschluss) ausbilden lassen. Um aus einer mehr als enttäuschenden Beziehung herauszukommen, bin ich Anfang 1980 nach München umgezogen und arbeite dort seit 1981 bei der selben Firma. Elmar habe ich schon ein Jahr vor meinem Umzug in einem Club kennengelernt, der sich mit fantastischer Literatur beschäftigte, aber es war zunächst nur eine Brieffreundschaft. Wir sind Ende 1980, nach dem wir uns näher kennen gelernt haben, zusammengezogen und haben ein gutes Jahr später geheiratet.

Ich hatte nie viele Hobbys, auch wenn ich viel ausprobiert habe (u.a. besaß ich mal 7 Becken mit Zierfischen). Einige Jahre habe ich bei War-Games und Rollenspielen mitgemacht, hauptsächlich in der Form von Briefspielen. Mein liebstes Hobby aber war immer Lesen. Früher bin ich nie ohne mindestens ein Buch in der Tasche aus dem Haus gegangen und besitze mit Elmar zusammen wohl über achttausend Bücher. Ich wünschte mir, ich käme wieder mehr zum Lesen, aber neben meinem stressigen Beruf nimmt das Schreiben meine gesamte (Frei-)Zeit in Anspruch. Die Reisen mit dem Wohnwagen und die leider nicht allzu häufigen Wanderungen sehe ich weniger als Hobby als pure Notwendigkeit an, aus dem Alltagstrott heraus zu kommen und zu verhindern, dass mir in der Wohnung oder im Büro die Decke auf dem Kopf fällt. Allerdings besitzen wir Notebooks speziell für unsere Reisen, denn wir schreiben auch unterwegs so gut wie jeden Tag.

Maria K.: Wann habt ihr euch entschlossen Romane zu schreiben und wie waren die Anfänge? 

Elmar: Den Wunsch, selber zu schreiben hatte ich mit etwa dreizehn Jahren, als ich auf einer leeren Seite eines alten Schulheftes meine ersten Zeilen zu Papier brachte. Ein paar Jahre später geriet ich durch Zufall an einen SF-Fanclub, dessen Clubchef eine handgeschriebene Geschichte von mir für gut genug befand, um sie mit der Schreibmaschine abzutippen und einem befreundeten Club für dessen Fanzine anzubieten. Bald darauf besaß ich meine eigene Schreibmaschine und veröffentlichte in den nächsten Jahren etliche Stories in verschiedenen Fanzines. In die Zeit fiel auch meine Bekanntschaft mit Iny. 1981 schmuggelte uns dann ein Bekannter, der von Beruf Buchhändler war, als angebliche Fachbesucher in die Buchmesse. Dort trat ich, nach schwerem, innerlichen Kampf, wie ich zugeben muss, auf den Stand eines bekannten Verlages zu und fragte dort nach den Leuten, die im Impressum der SF-Reihe als verantwortliche Lektoren genannt worden waren. Ich hatte Glück, denn ich traf genau auf den richtigen Mann. Der hatte auch gleich seinen Haupt-Anthologisten zur Hand und da Iny bereits vorher durch eine gewisse Protektion eine Story an den Heyne-Verlag hatte verkaufen können, war sofort Interesse an uns vorhanden. Von da an ging es, wenn auch nicht ohne teilweise recht heftige Rückschläge, aufwärts.

Maria K.: Der historische Roman boomt besonders in Deutschland. War es schwierig diesen Genre-Wechsel zu vollziehen und einen Verlag zu finden?

Elmar: Offen gesagt fiel es mir sehr leicht, mich dem historischen Roman zuzuwenden. Ich hatte seit meiner frühesten Jugend eine Vorliebe für diese Literaturgattung, nicht zuletzt wegen meiner Religionslehrerin, die mich aus ihrer unfangreichen Bibliothek mit unzähligen Büchern versorgt hat. Die Spanne reichte dabei von den klassischen, christlich angehauchten Romanen wie Quo Vadis, Ben Hur, Das Gewand, Der Kelch usw. bis hin zu Romanen aus der Ritterzeit und zu Bibliographien von Kaisern und Königen. Hätte es damals ein Fandom für historische Romane gegeben, wäre ich wohl eher dort gelandet als im SF-Fandom und ich habe auch in der folgenden Zeit die historischen Romane nie aus den Augen verloren.

Weitaus schwerer hingegen war es, einen Verlag zu finden. Ohne die Agentur, bei der wir schließlich gelandet sind, wäre es wohl unmöglich gewesen. Kaum einer der größeren Publikumsverlage verfügt noch über die Ressourcen, sich unverlangt eingesandte Romane anzusehen - und dazu gehören auch die, bei denen man vorher angefragt hat, ob man sie schicken darf.

Iny: Ich habe ebenfalls von Kindheit an sehr viele Historische Romane gelesen, einige davon wie "Der Graf von Monte Christo" in der ungekürzten Fassung und "Ben Hur" sogar mehrfach. Ich habe auch SF, Fantasy und Western gelesen und das meiste, was ich sonst in die Hand bekam. Mein Leben hat sich wohl hauptsächlich zwischen Büchern abgespielt. Liebesromane habe ich sehr spät angefangen, sie dann aber stapelweise verschlungen, ohne andere Genres dafür aufzugeben.

Fantasy und Historische Romane sind einander nicht so unähnlich. Ich könnte diese beiden Genres ohne Probleme nebeneinander schreiben.

Einen Verlag zu finden, war ein fast unüberwindliches Hindernis. Ich habe es mit einem Gegenwartsroman versucht und schnell gemerkt, dass die Manuskripte ungelesen zurückkommen. Dann mussten wir die Erfahrung machen, dass ein Manuskript, welches schon bei mehreren Verlagen vorlag, von keinem Agenten mehr angerührt wird. Also haben wir einen neuen Roman geschrieben, und sind mit diesem von Agentur zu Agentur getingelt. Eine davon hat ihn einer größeren Zahl von Verlagen angeboten, aber leider erfolglos. Doch da man mit Agenten anders als mit den Verlagen auch über ein abgelehntes Manuskript sprechen kann, haben wir viel dabei gelernt. Daher haben wir nach einem ungewöhnlichen Thema gesucht, welches aber zu jenem Zeitpunkt in das Wunschschema der Agenten passte. Das Ergebnis: Die Kastratin.

Maria K.: Wie sieht das gemeinsame Schreiben des Ehepaares Lorentz aus? Gibt es da auch mal Uneinigkeit? 

Elmar: Wir haben zum Glück den Vorteil, dass wir uns ausgezeichnet ergänzen. Wir reden - teilweise nur als Zeitvertreib - über neue Ideen, und sobald wir eine davon weit genug entwickelt haben, um sie ausführen zu können, setze ich mich als der etwas farbigere Erzähler hin und schreibe den Rohtext nieder. Iny liest ihn dann und nach ihrer Kritik mache ich mich an die Überarbeitung. Ist dies geschehen, übernimmt Iny, deren Gefühl für Grammatik und Sprache besser ist als das meine, den Roman und formt ihn aus. Ich verfolge ihre Arbeitsschritte und lese immer wieder nach. Bei Textstellen, die mir nicht gefallen, äußere ich Kritik und mache meinerseits Vorschläge. Diese Art der Zusammenarbeit verlangt natürlich eine gewisse Kompromissbereitschaft, doch sind wir uns beide klaren darüber, dass unsere gegenseitige Kritik nur einem Ziel gilt, nämlich den Roman so gut wie möglich hinzubekommen. Unsere Agentin fragte uns zwar, wie unsere Ehe das aushalten würde, aber bis jetzt hat sie's getan.

Iny: Unsere Zusammenarbeit hat sich schon früh eingespielt, da jeder von uns den anderen das, was er geschrieben hatte, lesen ließ, und wir zunächst nur vorsichtig Kritik geäußert haben. Ich habe einmal eine SF-Story hingeschmissen, weil mir die Vorgaben des Anthologisten nicht gefielen. Elmar hat sie aufgenommen, neu geschrieben und mir zum Überarbeiten hingelegt. Es ging problemlos. Seit dem haben wir alles, was wir geschrieben haben, ausgetauscht und bearbeitet, bis es und beiden gefiel. Natürlich gab es oft heiße Diskussionen, aber wir haben uns nie ernsthaft gestritten. Würden wir uns nicht immer wieder einigen können, würde das die Entstehung des jeweiligen Werkes verhindern.

Maria K.: Beschreibt doch bitte euren Arbeitsplatz, an dem ihr eure Bücher schreibt. Fühlt ihr euch daran gebunden oder könnt ihr auch woanders schreiben?

Elmar: Ich arbeite auf einem mindestens vierzig Jahre alten Schreibtisch mit Rolltüren, den ich vor geraumer Zeit bei einer Firmenauflassung gekauft hatte und der mir den Platz bietet, den ich brauche, da ich neben Computer, Bildschirm und Drucker auch immer wieder Bücher zur Hand nehmen muss, um Daten zu recherchieren. Um mich herum stehen etliche Regale mit weiteren Büchern, ein Tisch, sowie eine schmale Couch, um mich ein wenig ausruhen zu können. Das Zimmer ist für die ca. zwölf qm eigentlich zu vollgestopft, aber das macht mir nichts aus. Ich bin ich allerdings nicht nur auf mein Arbeitszimmer angewiesen, sondern kann eigentlich überall schreiben, wo ich genug Platz für mich und mein Notebook finde. So sitze ich derzeit in unserem Wohnwagen, habe eine Decke um die Beine geschlungen und den Klappkasten auf dem Schoß.

Iny: Ich glaube, Frauen sehen mit anderen Augen. Elmars und mein Zimmer sind sich sehr ähnlich: an allen Wänden Lundia-Regale aus Fichtenholz, die gleichen grünen Vorhänge, die gleiche Polsterliege mit rosenholzfarbenem Bezug (Elmars ist etwas heller als die meine), auf der Decken und Kissen liegen, mit denen es man sich gemütlich machen kann, und eine altmodische HiFi-Anlage. Ich besitze noch zusätzlich einen Sekretär, eine Kommode und ein Nachttischchen aus Fichtenholz, die zusammengehören und unten zwischen den Regalständern stehen, welche die Bretter darüber tragen. Meine Liege benutze ich jedoch weniger zum ausruhen als zum Lesen (besonders von Manuskripten und Druckfahnen), Sortieren von irgendwelchen Unterlagen und als Ablagefläche, wenn ich etwas umräume.

Natürlich kann ich auch woanders schreiben: auf meiner Bank im Wohnwagen, drei Kissen im Rücken, eine Decke als Rolle unter den Knien, eine darüber und das Notebook (ein Zwilling dessen, welches ich gerade im vorderen Teil klappern höre) auf dem Schoß. Ich brauche zum Schreiben eine Umgebung, in der ich es mir gemütlich machen kann, mit einer Thermoskanne voll Tee, einer Tasse, etwas Obst oder ein paar Nüssen in Griffweite - und möglichst viel Ruhe.

Maria K.: Euer historischer Roman: Die Kastratin, veröffentlicht im Droemer-Knaur Verlag, behandelt ein ungewöhnliches Thema. Wann entstand die Idee und wie lange hat es bis zur Veröffentlichung gedauert? Was für ein Gefühl war das für euch?

Elmar: Vor drei Jahren standen wir vor dem Problem, uns neu zu orientieren. Im Raum stand die Aussage von ein paar Verlagen, sie hätten unseren letzten Roman angekauft, wäre die Hauptfigur eine Frau gewesen. Die Idee zur Kastratin kam uns beiden fast gleichzeitig. Iny hat sich an eine Passage in Casanovas Memoiren (Originalausgabe mit 12 Bänden!) erinnert, in der von Frauen die Rede war, die sich, um öffentlich als Sängerinnen auftreten zu können, als Kastraten verkleideten, während sich meine Gedanken mit einem biographischen Roman über den Kastratensänger Farinelli beschäftigten. Auch dort war von Frauen die Rede, die als Kastratensänger auftraten, dazu die Bemerkung, dass dies in Farinellis Zeit nicht mehr so gefahrvoll gewesen wäre wie früher, als eine Frau dafür noch auf den Scheiterhaufen hätte enden können. Als wir uns gegenseitig über unsere Idee informierten, erkannten wir sofort das Potential, das darin lag und ich begann mit den entsprechenden Recherchen.

Da es der Agentur, mit der wir Kontakt hatten, nicht gelungen war, unseren vorhergehenden Roman anzubringen, hatten sie kein Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit mit uns, so dass wir uns zusätzlich noch auf die Suche nach einer neuen Agentur begeben mussten. Als wir das erste Kapitel der Kastratin fertig hatten, hatten wir auch eine Agentur gefunden, die zumindest am Telefon ein gewisses Interesse bekundete, und wir schickten ihr das erste Kapitel zusammen mit dem Exposé. Es dauerte eine Weile, bis wir von der Agentur zu hören bekamen, sie wollten "mehr Lesestoff!". Da waren wir der Kastratin schon fast fertig und haben das gesamte Manuskript hingeschickt, und erhielten nach einer gewissen Zeit eine positive Nachricht. Von dem Augenblick an hat es noch einmal gut sieben Monate gedauert, bis der Knaur-Verlag sein Interesse in Form eines Vertrags bekundete.

Die Zeitspanne zwischen der Idee, diesen Roman zu schreiben bis zur Veröffentlichung währte fast auf den Tag genau drei Jahre. Vom Vertrag her hätte es noch ein halbes Jahr länger dauern sollen, doch Knaur hat die Kastratin vorgezogen, weil wir in der Zwischenzeit mit "Die Wanderhure" schon den nächsten Roman abgeliefert hatten, zusammen mit zwei Exposés, die ebenfalls direkt angekauft wurden.

Die Gefühle, die ich empfand, als ich das Buch endlich in der Hand hielt, kann ich schlecht beschreiben. Es war wohl ein bisschen Stolz, ein bisschen Freude und sehr viel Erleichterung, dass es endlich geklappt hatte.

Iny: Als ich "Die Kastratin" zum ersten Mal als Buch in der Hand hielt, war ich sprachlos. Ich glaube, ich habe vor Freude und Erleichterung geheult, und das vor den Augen unserer Agentin und dreien ihrer Mitarbeiterinnen. Es war eines der ersten oder sogar das erste Exemplar aus der Druckerei, welches unsere Agentin bzw. die uns betreuende Agentur-Lektorin bei Weltbild mitgenommen hatte, um es uns noch am letzten Tag vor unserem Urlaub zu überreichen, und mir fehlten einfach die Worte. Ich habe das Buch erst einmal bewundert und es dann stumm an mich gedrückt, während die Damen um mich herum fröhlich diskutierten, wie hoch die Auflage bei Weltbild bis Weihnachten wohl werden würde.

Maria K.: Habt ihr eine Lieblingsepoche, über die ihr am liebsten schreibt?

Elmar: Nein, ich habe keine Lieblingsepoche. Ich würde nach den entsprechenden Recherchen einen Roman aus der Steinzeit mit dem gleichen Vergnügen schreiben wie über die klassischen Hochkulturen, das Mittelalter und die beginnende Neuzeit, nicht zu vergessen die außereuropäischen Kulturen. Allerdings wird man von Verlagsseite auf eine gewisse Zeitspanne festgelegt und so werden unsere weiteren Romane wohl zwischen dem Mittelalter und dem Barock spielen.

Iny: Es ist mir egal, in welcher Epoche unsere Romane spielen, Hauptsache, uns inspiriert die Idee zu weiteren Diskussionen und wir können sie gut mit der historische Situation verbinden, vor deren Hintergrund sie spielen soll. Eine Geschichte, von der ich schon Teile geschrieben habe, und an der Elmar gelegentlich weiterarbeitet, spielt 1875 vor dem Hintergrund der gegen die Kirchen gerichteten Gesetze Bismarcks und der sich stürmisch entwickelnden Dampfschifffahrt. Da wir bei der Auswahl in der Fülle unserer Ideen aber Rücksicht auf die Wünsche der Agentur und des Verlages nehmen, haben wir diese Geschichte noch ein wenig zurück gestellt.

Maria K.: Wie sehen eure weiteren Pläne bzw. Buchveröffentlichungen aus und dürft ihr schon etwas über die Inhalte verraten?

Iny + Elmar: Der Roman, den wir als ersten nach der Kastratin geschrieben haben, wird letzten Informationen zufolge im Februar 2004 als HC bei Knaur erscheinen. Er trägt den Titel "Die Wanderhure" und erzählt die Geschichte der Konstanzer Bürgerstochter Marie Schärerin, die von ihrem Bräutigam durch eine gemein eingefädelte Intrige um ihre Ehre, ihr Erbe und ihre Heimat gebracht wird und als verachtete Wanderhure durch die Lande ziehen muss, bis sie während des Konzils in Konstanz (A.D. 1414) in ihre Heimatstadt zurückkehrt, wo sie sich ihrem Jugendfreund und ihrem Verderber gegenüber sieht.

Vor der Wanderhure wird allerdings bei Weltbild der dritte von uns geschriebene Roman heraus kommen, der im Frühjahr danach als Tb bei Knaur erscheint (Kenne sich mit diesen Lizenzverträgen aus, wer will, wir tun es nicht!). Der Roman trägt den Titel "Die Goldhändlerin" und erzählt die Gesichte der jungen Jüdin Lea, die nach einem Pogrom, dem ihr Vater und ihr älterer Bruder Samuel zum Opfer fallen, in Samuels Haut schlüpfen muss, um sich und ihren jüngeren Geschwistern die Heimat zu bewahren. Ein geldgieriger Markgraf, ein fanatischer Mönch und Judenhasser, sowie wohlmeinende jüdische Geschäftsfreunde machen es ihr nicht gerade leicht, und dann gibt es auch noch diesen Handelsagenten Roland Fischkopf, der sich auch nicht als das erweist, was er vorgibt zu sein.

Ein weiterer Roman ist mittlerweile an den Verlag übergeben und läuft bei uns unter dem Arbeitstitel "Die Wanderhure II". Er erzählt das weitere Schicksal der oben genannten Marie aus Konstanz, die inzwischen mit ihrem Jugendfreund Michel verheiratet ist und nach dessen spurlosen Verschwinden als Witwe gilt. Um einer aufgezwungenen neuen Heirat zu entgehen, macht sie sich auf die Suche nach ihrem verschollenen Ehemann und gerät dabei mitten in die Wirren der Hussitenkriege. Genauer Titel ist noch unbekannt, voraussichtlicher Erscheinungstermin Frühjahr 2005 als HC bei Knaur.

Iny arbeitet derzeit an unserem fünften Roman, AT: "Die Fürstin". Es geht hier um die Geschichte eines jungen Mädchens, das als Braut für einen schon älteren Fürsten 'gekauft' wird und an einen recht eigenartigen Hof gerät, an dem sie sich gegen Verleumder und Attentäter zur Wehr setzen muss. Nach dem Mord an ihren Ehemann verteidigt sie dessen Erbe mit List und Entschlossenheit gegen einen erbgierigen Vetter, der auch der Anstifter des Mordes war.

Elmar hat mit einem Roman aus der Zeit Peters des Grossen begonnen, dessen Heldin eine junge Tatarin ist, die als Geisel nach St. Petersburg kommt.

Maria K.: Möchtet ihr weiterhin historische Romane schreiben oder würdet ihr euch gern in einem anderen Genre versuchen?

Elmar: Es macht mir sehr viel Spaß, historische Romane zu schreiben und ich habe nicht vor, so schnell damit aufzuhören. Es müsste mich eine Idee schon arg in die Nase beißen, damit ich mich in einem anderen Genre zuwende.

Iny: Da ich Fantasy liebe, würde ich vielleicht noch auf dieses Genre ausweichen, aber wenn ich mir all die Exposés so ansehe, in denen wir weitere Ideen für Historische Romane festgehalten haben - Ideen, an denen ich zum Teil sehr hänge -, weiß ich, dass ich die nächsten Jahre alle Hände voll zu tun haben werde. Da müsste schon der Verlag oder die Agentur kommen und sagen: Historische Romane sind out, lasst euch etwas anderes einfallen.

Maria K.: Welche Lieblingsautoren habt ihr und was lest ihr zur Zeit?

Elmar: Meine Lieblingsautoren sind Georgette Heyer, C.S. Forrester und Frank Yerby. Von den deutschen Autoren lese ich Philipp Vandenberg und Hedwig Courths-Mahler recht gerne.

Zur Zeit lese ich neben Sachbüchern für Recherchen für meinen neuen Roman einige Seefahrerromane a la Hornblower zur Entspannung.

Iny: Ich hatte wohl in jedem Lebensabschnitt andere Lieblingsautoren, als Kind Enid Blyton, als Teenager Perry-Rhodan-Hefte, Karl May, Hans Dominik und Conny Cöll (Konrad Kölbl), später dann Peter O'Donnel, Dorothy Sayers, Georgette Heyer, C.S. Forrester, Steven King, Tolkien ... Dazwischen auch einige SF- und Krimi-Autoren, an deren Namen ich mich jetzt kaum noch erinnern kann. Im Augenblick habe ich keinen ausgesprochenen Lieblingsautoren, weil ich nicht mehr zum Lesen komme und ich die meisten Bücher, die ich anfange, nach 20-50 Seiten weglege, weil mir entweder der Stil nicht gefällt oder sie mir zu langweilig sind.

Maria K.: Wie sehen die Chancen etwas zu veröffentlichen in Deutschland aus und was würdet ihr JungautorInnen oder die, die es werden möchten raten?

Elmar: Agenturlisten findet man übers Internet und man sollte nicht gleich aufgeben, wenn die erste, die man anruft oder anschreibt, nicht gleich anbeißt. Mehr als anderswo gilt im Literaturbetrieb der berühmte Spruch von des einen Uhl und des anderen Nachtigall.

Iny: Wer professionell schreiben will, sollte seine ersten Ergüsse in die Schublade legen, die nächsten in Fanzines, semiprofessionellen Literaturzeitschriften oder in den entsprechenden Foren im Internet veröffentlichen. Erst dann, wenn man wirklich Übung hat, kann man mit einem weiteren Werk an Agenturen herantreten.

Auch BoD ist ein Weg, seine ersten Schreibversuche gedruckt zu sehen, aber das kostet natürlich Geld und bringt einem nur bedingt weiter, denn im der Regel  wird kein Verlag ein Werk veröffentlichen, welches schon als BoD herausgekommen ist und man kann sich auch nicht auf dieses Werk als Referenz berufen. Die Veröffentlichung bei einem Kleinverlag, der kein DKZV ist, kann einem da schon eher weiterhelfen, denn die werden von den großen Verlagen durchaus anerkannt. Hat man seine ersten Ergüsse aber noch in der Schubladen und erweisen sich diese als Geniestreiche, kann man sie veröffentlichen, wenn man spätere Werke schon angebracht hat.

Natürlich kann man sich an den zahllosen Wettbewerben für Anthologien beteiligen - man gewinnt Übung, wird Frust-resistent und kann sich mit viel Glück auch gedruckt sehen. Für Freunde von Liebesgeschichten gibt es auch die zahllosen Romanzeitschriften (Bastei, Pabel, Kelter...). Leider arbeitet ein Teil nur mit Agenturen zusammen, und es ist auch nicht leicht, dort hinein zu kommen. Ich habe neben den oben genannten Stories drei weitere dieser Art bei Kelter und Bastei veröffentlicht und schäme mich ihrer nicht.

Grundsätzlich sollte man kein Geld ausgeben, um sich gedruckt zu sehen. Schreiben ist ein Handwerk und Handwerker werden im allgemeinen für ihre Arbeit bezahlt und bringen nicht noch Geld mit.

Maria K.: Was würdet ihr euch wünschen, für das deutsche Verlagswesen und für deutsche AutorInnen?

Iny + Elmar: Verlagsverantwortliche, die nicht nur über den großen Teich starren und den größten Schwachsinn als großen Erfolgsroman aus Amerika anpreisen, interessierte Buchhändler, die nicht nur die auf den Bestsellerlisten geführten Romane auslegen und für die hiesige Schreiberzunft viel mehr Leser, die nicht bei jedem amerikanisch klingenden Autorennamen vor Entzücken aufquietschen, sondern auch zu deutschen Romanen greifen.

Maria K.: Was würdet ihr euch persönlich wünschen?

Iny + Elmar: Den Erhalt unserer Schaffenskraft, sowie unserer Agentin ein noch sehr langes und erfolgreiches Wirken.

Nachwort: Wir haben zwar die Fragen teilweise einzeln beantwortet, möchten aber betonen, dass wir als Autoren nicht  voneinander zu trennen sind, sondern wie eine Person handeln und schaffen. Wir beantworten auch Mails und Anfragen für einander, einfach so, wie einer von uns Zeit hat, wir kennen im Privatleben alle unsere Passwörter und Geheimzahlen etc. und stehen in jeder Situation für einander ein. Auf Versuche, uns bewusst oder wider besseres Wissen auseinander zu dividieren, reagieren wir höchst allergisch. Die Gruppe 'Quo Vadis' (www.akqv.de), in der sich die Autoren historischer Romane zusammengeschlossen haben, ist uns ebenso wie dem Autorinnen-Duo 'Malachy Hyde' entgegen gekommen und hat uns als ein Mitglied aufgenommen.

Maria K.: Ich möchte mich ganz herzlich bei euch für das Interview bedanken und wünsche euch weiterhin viel Erfolg für die Zukunft.

© Maria K. und Iny und Elmar Lorentz, Oktober 2003, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im Oktober 2003 zwischen Maria K. und Iny und Elmar Lorentz für:



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