Interview mit Connie Mason

Connie Mason gehört in den USA zu den erfolgreichsten Autorinnen historischer Liebesromane. Sie hat mehr als 30 Liebesromane veröffentlicht, 1990 erhielt sie vom Romantic Times Magazine die Auszeichnung "Story Teller of the Year" verliehen, 1994 wurde sie mit dem "Career Achievement Award" - ebenfalls vom Romantic Times Magazine - ausgezeichnet. 

Bevor Connie Mason ihre Schriftstellerkarriere gestartet hat, war sie hauptberuflich Hausfrau und hat mit ihrer Familie viele Jahre in Europa und Asien gelebt. 1984 wurde dann ihr erstes Buch veröffentlicht. Ein weiterer Traum ging für sie im Dezember 1999 in Erfüllung, als ihr Roman "The Black Knight" auf der New York Times Bestsellerliste erschien.

In Deutschland wurden bisher zwei ihrer Bücher veröffentlicht: "Sheik" (dt. Titel "Haremsnächte", erschienen im Cora Verlag) und "Pirate" (dt. Titel "Die Rache des Piraten", Cora Verlag).

Angela: Könnten Sie den deutschen Lesern etwas über sich erzählen? Wo Sie herkommen, Ihre Vorlieben und Abneigungen? Etwas über Ihre Familie?

Connie Mason: Ich lebe in Tarpon Springs, Florida, an der Florida Golfküste. Ich habe drei erwachsene Kinder und neun Enkelkinder. Am 1. Juli diesen Jahres feiern mein Mann und ich unseren 50. Hochzeitstag. Ich lese, koche und tanze sehr gerne. Außerdem reise ich gerne um die Welt, wenn mein Zeitplan es erlaubt. Vor vielen Jahren, während der 60er Jahre, habe ich in Mannheim gelebt und fand Deutschland und die Leute wunderbar.

Angela: Wie begann Ihre Schriftstellerkarriere? Hatten Sie Schwierigkeiten Ihre Bücher zu veröffentlichen? Was haben Sie getan, als Sie Ihr erstes Buch zum ersten mal im Buchgeschäft gesehen haben? Haben Sie gefeiert oder eine Flasche Dom Perignon getrunken?

Connie Mason: Ich wollte schon immer schreiben, schon als Schulmädchen, aber stattdessen habe ich geheiratet und meine Kinder großgezogen. Nachdem meine Kinder ausgezogen waren und ihr eigenes Leben führten, wandte ich mich der Schriftstellerei zu. Meine ersten fünf Manuskripte schrieb ich in Langschrift auf zwölf Schreibblöcke und benutzte eine Schreibmaschine. Heute schreibe ich mit Microsoft Word auf meinem eigenen Computer. Nachdem ich mein erstes Manuskript beendet hatte, habe ich Briefe und einzelne Kapitel an die Verlage gesandt. Das erste meiner Manuskripte wurde von Dorchester akzeptiert und der Rest ist Geschichte. Mein erstes Buch zum ersten Mal gedruckt zu sehen, war wie ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist. Ich glaube nicht, daß ich etwas besonderes zum feiern gemacht habe, nur den Moment genossen.

Angela: Wie führen Sie die Nachforschungen für Ihre Romane durch und woher nehmen sie die Ideen für Handlungen? Wieviel Zeit verwenden Sie auf die Nachforschungen bevor Sie zu schreiben anfangen? Ist es ein fortlaufender Prozeß bis das Buch fertig ist?

Connie Mason: Ich recherchiere alle meine Bücher sehr sorgfältig. Ich benutze die öffentliche Bibliothek, Internet und meine eigene Bibliothek. Außerdem reise ich an viele Orte, über die ich schreibe. Meine Ideen entspringen meinem Kopf, meiner Vorstellungskraft. Normalerweise verbringe ich 2-4 Wochen mit Recherchen und setze diese während dem Schreibprozeß oftmals fort.

Angela: Können Sie einen typischen Arbeitstag für uns beschreiben? Wie viele Stunden am Tag verbringen Sie durchschnittlich mit Schreiben?

Connie Mason: Ich stehe sehr früh um 6 Uhr morgens auf und laufe dann für gewöhnlich 2 Meilen. Danach frühstücke ich, lese die Morgenzeitung und mache den Haushalt. Um 9 Uhr beginne ich mit Schreiben, unterbreche es für eine halbe Stunde zum Mittagessen und schreibe dann bis 15 oder 16 Uhr nachmittags. Ich versuche in einer Woche zwei Kapitel mit je 5000-Wörtern zu schreiben.

Angela: Einige Ihrer Bücher, wie z.B. das wunderbare „Sheik“ (dt. Titel: „Haremsnächte“, erschienen 1999 im Cora-Verlag in der Reihe Historical Gold), sind in einem sehr sinnlichen Stil geschrieben. Woher nehmen Sie die Einfälle für diese Szenen und was halten Sie von den erotischen Liebesromanen, die Ihre Kolleginnen Robin Schone, Susan Johnson, Thea Devine oder Bertrice Small schreiben? Lesen Sie ihre Bücher? Wer ist Ihr Lieblingsautor und warum?

Connie Mason: Wenn eine Autorin gerne erotische Liebesromane schreibt, zeigt sich das in ihrem Schreibstil. Ich habe etliche der Autorinnen gelesen die Sie erwähnt haben und mag ihre Arbeiten sehr. Ich persönlich bevorzuge ebenfalls eine sinnliche Lektüre und schreibe sie sehr gerne. Nochmal, die Ideen entspringen meiner Phantasie. In der Unterhaltungsliteratur kann man fast alles mit Worten erreichen. Ich habe querbeet viele Autoren gelesen. Manche mochte ich, manche nicht. Eine meiner Lieblingsautorinnen ist Heather Graham. Eine meiner neuen Lieblingsautorinnen ist Stephanie Laurens, die für Avon schreibt.

Angela: Wie viele Bücher schreiben Sie pro Jahr?

Connie Mason: Ich schreibe drei Bücher pro Jahr. Zwei für Leisure und eines für Avon.

Angela: Sie haben mehr als 30 Liebesromane geschrieben. Haben Sie einen Lieblingshelden/-in unter ihnen? Haben die Helden lebende Vorbilder, wie Freunde, Familie oder Romance Cover Models?

Connie Mason: Meine Helden und Heldinnen sind reine Phantasiegebilde die nach keinem bestimmten Vorbild entstehen. Es ist mir unmöglich einen Lieblingshelden zu nennen, da sie alle meine Kinder sind.

Angela: Was halten Sie von dem Wechsel der Beziehung des Helden zur Heldin seit den 80er Jahren, der Emanzipation der Heldinnen? Mochten Autorinnen es wirklich, über erzwungene Verführungen, Vergewaltigung oder Quälereien die die Heldinnen zu erleiden hatten, bevor sich dieses Bild in den letzten Jahren geändert hat? Oder waren Autorinnen gezwungen, in diesem Stil zu schreiben?

Connie Mason: Ich glaube nicht, daß heutzutage noch irgendein Autor gerne über Vergewaltigungen, Qualen oder erzwungene sexuelle Begegnungen in seinen Büchern schreibt. Ich weiß nicht, warum bestimmte Autoren über so etwas in den frühen Tagen der Liebesromane schrieben, aber es hat nicht lange angehalten. Heute sind die Heldinnen starke, unabhängige Frauen, die ihrer großen Liebe treu sind. Das selbe trifft für die Helden zu. Sobald sie die Heldin getroffen haben, bleiben sie ihr treu. Meistens jedenfalls.

Angela: Wie reagieren Sie, wenn eines Ihrer Bücher eine schlechte Kritik bekommt? Sind Sie enttäuscht oder versuchen Sie sich in Ihrem nächsten Buch zu steigern?

Connie Mason: Es mag sich möglicherweise Enttäuschung breitmachen, wenn ein Autor eine schlechte Kritik erhält. Ich persönlich ignoriere es, da meine Kritiken zu 99% gut sind. Ich lasse mich nicht von ein oder zwei schlechten Kritiken unterkriegen. Es gibt bestimmte Menschen und Review-Sites, die es genießen, Autoren zu zerreißen. Eine bestimmte Kritikerin ist ganz besonders boshaft. Ich bin eines ihrer Ziele. Sie stört mich aber nicht weiter, seit ich weiß wer es ist.

Angela: Wenn Sie ein Buch beenden, ist dieses Kapitel dann abgeschlossen oder bleiben die Helden in ihren Kopf bestehen?

Connie Mason: Sobald ich ein Buch beendet habe, war’s das für mich. Ich muß weiter zu neuen Helden und Heldinnen.

Angela: Haben Sie, als eine bekannte und angesehene Autorin, jemals ein bestimmtes Model für eines Ihrer Buchcover verlangt? Haben Sie Einfluß auf den Stil Ihrer Cover? Sind Sie ab und zu enttäuscht beim Anblick eines fertigen Covers? Haben Sie Lieblingsmodels oder bevorzugen Sie neutrale Cover ohne Model?

Connie Mason: Ich habe schon oft ein bestimmtes Model oder Pose für meine Bücher verlangt und manchmal bekomme ich auch was ich möchte. Ich habe eine gewisse Kontrolle über meine Cover, besonders bei Leisure, aber auch Avon fragt mich jedesmal nach meinen Wünschen bezüglich des Aussehens des Covers. Diese Cover Models sind fähige Männer, die außergewöhnlich gut aussehen und ich habe gerne Models auf dem Frontcover oder dem Innencover meiner Bücher. Das ist mir lieber als Blumen, Tiere etc.

Angela: Wie bringen Sie Familie und Arbeit unter einen Hut? Versteht Ihre Familie, daß Sie Ihrer Karriere so viel Zeit widmen? Ist es manchmal schwierig für Sie?

Connie Mason: Derzeit ist mein Mann die einzige Familie die ich zu Hause habe. Er ist mir in vieler Hinsicht eine große Hilfe. Mein Ehemann, Töchter und Sohn sind sehr stolz auf meine Arbeit.

Angela: Lassen Sie uns kurz über Ihre zahlreichen Fans sprechen. Haben Sie Kontakt zu ihnen? Was beeindruckt Sie an ihnen? Finden Sie sie aufdringlich? Werden Sie die Romantic Times Convention in Houston in diesem Herbst besuchen?

Connie Mason: Ich bin dankbar für meine Fans. Ohne sie würde heute nicht diese Fragen beantworten. Sie haben mich auf die Bestsellerlisten gebracht. Ich halte zu vielen meiner Fans Kontakte. Sie schreiben mir und ich schreibe zurück. Ich beantworte meine gesamte Fanpost, deren Zahl jedes Jahr in die Hunderte geht. Ich bin immer wieder beeindruckt von der Treue meiner Fans gegenüber meinen Werken. Sie kaufen jedes meiner Bücher und freuen sich bereits auf das nächste. Sie sind nicht aufdringlich, sie sind ermutigend. Ihr Lob bringt mich dazu, ihnen zu gefallen. Ja, ich werde an der Romantic Times Convention in Houston in diesem Jahr teilnehmen.

Angela: Was sind Ihre Zukunftspläne? Werden Sie weiterhin Ihrem gewohnten Stil treu bleiben oder vielleicht das Genre wechseln? Falls ja, wohin würden Sie gerne wechseln?

Connie Mason: Meine Zukunftspläne sind, weiterhin die Art Bücher zu schreiben, die meine Leser gerne lesen. Nichts wird sich ändern. Das Schreiben von historischen Liebesromanen ist das Genre das ich liebe. Keinerlei Wechsel.

Angela: Es wurde gesagt, daß die Zeit der Liebesromane abgelaufen sei. Stimmen Sie dem zu? Wie fühlen Sie sich, solch wunderbare Bücher zu schreiben und ein Teil dieser Industrie zu sein?

Connie Mason: Liebesromanverkäufe machen 53% der Buchverkäufe aus. Glauben Sie mir, sie sind nicht am verschwinden. Von Tag zu Tag werden sie populärer. Es wird immer noch Liebesromane zu lesen geben, wenn es mich schon lange nicht mehr gibt. Ich fühle mich geehrt, für so ein beliebtes Genre zu schreiben.

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Dieses Interview entstand im Februar 2000 zwischen Angela W. und Connie Mason für:



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