Interview mit Michelle Martin

Isolde: Ihre Bücher sind sehr amüsant und unterhaltsam. Fällt es Ihnen leicht, humorvoll zu schreiben?

Michelle Martin: Im Allgemeinen fällt mir das nicht schwer. Ich lache sehr gerne und mag Bücher, die mich zum Laschen bringen, und ich möchte andere Leute zum Lachen bringen. Viele von den Büchern, die ich lese, und den Sachen, die mir im Fernsehen anschaue, sind hauptsächlich wegen ihres Humors ausgesucht, was mir hilft, sodass meine innere Quelle nicht versiegt. Also muss ich mich für witzige Dialoge und Situationen nicht sonderlich anstrengen. Nur, wenn ich selbst eine schwierige Zeit durchmache, habe ich Probleme, Lustiges zu schreiben. Ich kämpfe seit zwei Jahren mit einem Roman, weil die ersten Entwürfe geschrieben wurden, als es mir nicht gut ging. Jetzt, da es mir wieder besser geht, versuche ich den Charakteren und dem Buch ein wenig Leben einzuhauchen. Aber so etwas mache ich zum ersten Mal, und es ist keine angenehme Art, zu arbeiten.

Isolde: Samantha Lark, die Heldin aus "Keine Zeit für Millionäre" liebt Pferde. Haben Sie eigentlich Haustiere?

Michelle Martin: Ich habe viele Haustiere. Vor drei Jahren habe ich meinem damals neunjährigen Sohn versprochen, dass wir uns eine Menagerie aufbauen wollen, und seitdem sind wir dabei. Ich habe zwei Hunde (Deutsche-Schäferhund-Mischlinge mit den Namen Tex und Avery nach dem Warner Bors. Zeichentrickserien Direktor), zwei Katzen (Schwestern, die Erin und Zune heißen, nach der Lieblings-Science-Fiction-Serie meines Sohnes), zwei Eidechsen (Albert und Patrick) und elf Fische (am Anfang waren es zwei, aber dummerweise sind die Weibchen erstaunlich fruchtbar). Ich hatte auch Mäuse, aber die sind immer abgehauen, sodass ich sie zu ihrer eigenen Sicherheit in die Zoohandlung zurückgebracht habe. Ich werde auf Sibirische Hamster umsteigen, größer als Mäuse, aber kleiner als gewöhnliche Hamster. Ich hoffe, eines Tages ein oder zwei Hunde und Katzen mehr zu haben, sowie ein paar Pferde (Mit so einer langen Antwort, hätten Sie nie gerechnet, stimmt's?)

Isolde: Sie haben keine Homepage - wollen Sie das in Zukunft ändern?

Michelle Martin: Ich habe keine derartigen Pläne für die nahe Zukunft. Erst einmal bin ich nicht der technisch versierteste oder computerbegeistertste Mensch auf der Welt, und ich habe nur wenig Zeit, meine eigene Homepage anzulegen und zu pflegen. Außerdem kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es Leute gibt, die tatsächlich gerne etwas über mich erfahren würden.

Isolde: "Geliebte Schwindlerin" ist eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Woher haben Sie nur die Idee dazu?

Michelle Martin: Zuerst einmal Danke - ich bin froh, dass Ihnen das Buch gefallen hat. Mir hat es Spaß gemacht, es zu schreiben.

Wie bei all meinen Büchern stammen meine Ideen von überall her - aus Filmen, Büchern oder Musik, sie kommen eben wann immer ich etwas sehe, lese oder höre, das mich inspiriert. Manchmal sage ich mir: "O, das kann ich besser!" und setze mich hin, die Geschichte so zu schreiben, wie ich sie mir vorstelle. "B"-Movies sind oft großartige Ideenquellen. Das erste Buch, das ich geschrieben habe (es ist nicht veröffentlicht worden), basierte auf "Sindbad und das Auge des Tigers" (1977) mit Patrick Wayne (John Waynes Sohn), Jane Seymour und Taryn Power (Tyrone Powers Tochter). Außerdem finde ich "A"-Literatur sehr anregend - ich habe ganze Plots von Shakespeare, Szenen von Jane Austen und Marotten von P.G. Wodehouse geklaut.

"Geliebte Schwindlerin" basiert aus Stücken aus Candlewick, einem Disney-Film mit der 14-jährigen Jodie Foster und Helen Hayes, aus der Serie Remington Steele, aus It Takes A Thief, einer amerikanischen Fernsehserie mit Robert Wagner; aus der Lindbergh-Entführung, aus neueren Geschichten über Gedächtnisverlust und aus der Ursuppe in meinem Kopf.

Am Anfang stand eine Diebin, und von da aus entwickelte die Story eine Eigendynamik.

Isolde: Warum sind Sie Liebesromanschriftstellerin?

Michelle Martin: Ganz einfach, weil ich so gerne selbst Liebesromane lese, besonders die Klassiker wie Jayne Eyre und Jane Austens Werk, genauso wie ein paar zeitgenössische Sachen, aber die werden wieder weniger. Ich schreibe Liebesromane, weil ich an die Liebe und ihre Kraft glaube, ich glaube an Ehrenhaftigkeit und Mut, Phantasie und Lachen, und mache aus all diesen Komponenten Liebesromane.

Neben meinen zeitgenössischen Romane schreibe ich auch Regency-Romane, weil ich stark anglophil bin; ich liebe Geschichte und fühle mich der Regency-Epoche besonders verbunden, ich liebe Georgette Heyers und Jane Austens Romane, den Stil der Zeit; die Wortgefechte und geistreichen Bemerkungen sprechen meinen Sinn für Humor an.

Außerdem bin ich eine Fantasy-, Krimi- und Western-Autorin, weil ich diese Genres ebenfalls liebe. Oft versuche ich wenigstens ein paar dieser Elemente in meine Liebesromane zu übernehmen.

© Moments - Höhepunkte der romantischen Literatur und Die romantische Bücherecke, Isolde Wehr, Februar 2002

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Dieses Interview entstand im Februar 2002 zwischen Isolde W. und Michelle Martin für:
 

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