Interview mit Pauline Baird Jones

Pauline Baird Jones ist den deutschen Leserinnen noch nicht so bekannt, was sich aber hoffentlich noch ändern wird. Sie schreibt wahnsinnig lustige Geschichten im Stil von Janet Evanovich. Ihr erster Roman "The Spy Who Kissed Me" (vorher als E-book mit dem Titel: Pig in A Park) ist eines der witzigsten Bücher, was ich jemals gelesen habe. Für ihren zweiten Roman "The Last Enemy" hat sie bei der Romantic Times Convention 2000 einen Award als bestes E-book 1999 erhalten!

Hier ihre Homepage-Adresse: http://www.paulinebjones.com und ihre E-mail Adresse: pauline@paulinebjones.com

Isolde: Pauline, können Sie uns ein bißchen über sich erzählen, wo Sie wohnen, Ihre Familie und so weiter?

Pauline Baird Jones: Ich stamme eigentlich aus Wyoming, aber ich lebe in New Orleans. Ich habe drei Kinder, zwei leibliche (einen Sohn und eine Tochter) und eines, das wir inoffiziell adoptiert haben und auf das wir nun Anspruch erheben. Mein Ehemann ist Geologe bei Exxon und ein total Süßer. Meine leibliche Tochter hat letztes Jahr ihren Abschluß an der BYU gemacht und hat Anfang diesen Jahres geheiratet; mein Sohn ist 15 und ein unabhängiger Schüler und unsere Adoptivtochter ist gerade dabei, ihren Abschluß im Fach Grafikdesign an der UNT zu machen.

Isolde: Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden? Warum schreiben Sie Liebesromane?

Pauline Baird Jones: Ich kann mich nicht an eine Zeit erinnern, in der ich keine Schriftstellerin sein wollte. Ich liebte das Lesen, das Schreiben erwuchs dann irgendwie aus dem Lesen, bis es zu einem Zwang wurde, dem ich nicht länger widerstehen konnte. Und warum ich Liebesromane schreibe? Nun, ich bin seit 25 Jahren glücklich verheiratet und meine Eltern haben gerade ihren 50. Hochzeitstag gefeiert. Wie könnte ich da nicht romantisch sein?

Isolde: "The Spy Who Kissed Me" (E-Buch-Titel: Pig in the Park) war eines der lustigsten Bücher, die ich jemals gelesen habe. Woher stammte die Idee für dieses Buch?

Pauline Baird Jones: Ich habe mir den Golf-Krieg im Fernsehen angesehen und da kam ich auf einmal auf den Gedanken, mich selbst zu fragen, was wäre, wenn jemandem eine computergesteuerte Bombe in die Hände fallen würde. Ich habe schon immer Geschichten geliebt, die gewöhnliche Leute in unübliche Situationen bringen, so daß es ganz natürlich für mich war, meine Geschichte in Isabels (Stans) Stadtteile zu legen und es einfach laufen zu lassen. Es war ein pures Vergnügen, dieses Buch zu schreiben, es floß geradezu aus mir heraus, so schnell, daß ich kaum mithalten konnte.

Isolde: Ich liebe einfach Spionage-Romane. Ich kaufte "The Spy Who Kissed Me", weil es hieß, es wäre ähnlich wie die Stephanie-Plum-Serie von Janet Evanovich. Aber Sie haben Ihren eigenen Schreibstil, der wundervoll ist. Haben Sie vor, mehrere dieser "Spion"-Bücher zu schreiben oder bleibt es nur bei diesem einen Buch?

Pauline Baird Jones: Ich hatte nicht vor, mehr über Isabel zu schreiben, ganz einfach weil ich lange gebraucht hatte, einen Verleger für ihre Geschichte zu finden. Aber jetzt ist es veröffentlicht. Mich erreichen viele Bitten nach einer Fortsetzung und die Ideen für eine Fortsetzung sprudeln geradezu heraus. Ich hatte so viel Spaß mit ihnen, ich würde gern noch mal in ihre Leben treten..

Isolde: Wie konnten Sie so eine witzige Geschichte wie "The Spy Who Kissed Me" schreiben? War es schwierig, Humor in ein Buch zu packen? Sind Sie persönlich auch sehr humorvoll?

Pauline Baird Jones: Nun, die Leute sagen immer, ich wäre lustig. Ich wuchs in einer großen Familie auf, was eine gute Vorbereitung war, entweder gestört oder geistreich zu sein oder beides. Ich hatte nicht geplant, daß es lustig werden sollte, aber als Kel durch das Sonnendach tauchte, nun, da ist es eben passiert. Und nachdem ich es in der ersten Person schrieb, gab es für Isabels Gedanken und Gefühle viel Spielraum, um witzig zu sein als Kontrast zu dem, was um sie herum passierte.

Isolde: Warum haben Sie Ihre Bücher als E-Bücher veröffentlicht? Wie haben Sie einen Verleger gefunden? War es sehr schwierig?

Pauline Baird Jones: Ich habe es zuerst als elektronisches Buch veröffentlicht, da ich keinen "Papier"-Verleger fand, der meine Bücher herausbringt. Ich liebte "Spy" so sehr, daß ich einfach nicht aufgeben konnte und als ich über E-Bücher erfahren habe, habe ich mich dazu entschlossen, einen Versuch zu wagen. Ich war erstaunt über die Resonanz, die ich für dieses Buch erhielt. Jill Smith vom Romantic Times Magazin gab ihm eine fantastische Kritik  und nominierte es für den "Reviewer's Choice Award", was sehr hilfreich war, es an die Öffentlichkeit zu bringen. Dann habe ich von Five Star gehört und sandte es dahin. Zuerst wollte es meine Lektorin nicht lesen, da sie den ursprünglichen Titel nicht mochte (Pig in the Park), aber nachdem sie es gelesen hatte, bot sie mir einen Vertrag an, wenn ich den Titel ändere. Und ja, es war sehr schwer es herauszubringen, da ich zwei Genre miteinander vermischt habe und unerwartete Dinge in meinen Büchern tue. Eine Lektorin sagte mir, daß man Humor und Spannung nicht vermischt. Hoffentlich konnte ich bewiesen, daß sie unrecht hat.

Isolde: Haben Sie lebende Personen im Sinn, wenn Sie Ihre Helden und Heldinnen kreieren?

Pauline Baird Jones: Ich forme meine Jungs oft nach Schauspielern, aber nicht meine Frauen. Ich bin mir nicht sicher, warum ich meine Frauen nicht nachahme, vielleicht weil Frauenfiguren für mich leichter zu schreiben sind, da ich selbst eine bin. Die Rollenverteilung bei den Männern hilft mir zu sehen, wie sie sich bewegen und welche Ausstrahlung sie haben. Ich lese auch Bücher männlicher Autoren und beobachte männlich orientierte Filme, um nah dran zu bleiben am männlichen Fühlen und Denken.

Isolde: Was haben Sie gemacht, als Ihr erstes Buch veröffentlicht wurde? Haben Sie gefeiert?

Pauline Baird Jones: Eigentlich kam es mir zuerst ziemlich unwirklich vor, denn ich hatte so lange kämpfen müssen. Aber ja, mein Mann hat mich zum Essen ausgeführt und ich habe alle meine Freunde und meine Familie angerufen und habe wahrscheinlich mehr ausgegeben, als ich es vorher gemacht habe.

Isolde: Wie sieht Ihr Alltag aus? Was machen Sie den ganzen Tag?

Pauline Baird Jones: Zuerst bin ich eine Mutter. Ich habe noch ein Kind zu Hause und er lernt auch zu Hause, so sind unsere Tage meistens entspannt und lustig. Wir arbeiten beide an unseren Sachen, essen gemeinsam und dann gehe ich an manchen Tagen mit ihm zum Angeln. Mein Leben ist meistens sehr ruhig. Ich lebe ein einer schönen Gegend in New Orleans. Von meinem Fenster aus kann ich Bäume sehen und Zypressen, und Leute kommen und gehen. Ich bin auch aktiv in meiner Kirche tätig und ich muß in Erscheinung treten um einzukaufen oder für meine Bücher zu werben. Ich schau mir gern Filme an und ich lese gern, ich hasse Hausarbeit und erledige diese nur, wenn ich durch Umstände dazu gezwungen werde. Ich sammle Lilliput-Lane-Häuser und Zauberer und Drachen aus Zinn. Und wenn ich nicht gerade Bücher schreibe, schreibe ich Drehbücher.

Isolde: Wie lange brauchen Sie, um ein Buch zu schreiben?

Pauline Baird Jones: Das kommt darauf an. Einige Bücher gehen mir leicht von der Hand, andere sind wie eine schwere Geburt. Wenn ich den durchschnittlichen Zeitaufwand für meine vier Bücher errechne, anfangen von dem Tag, als ich mein erstes Buch anfing zu schreiben, komme ich auf einen Durchschnitt von einem Buch aller zwei Jahre. Mein Ziel ist es, ein Buch pro Jahr zu schreiben. Wir werden sehen, wie ich das schaffe.

Isolde: Sie haben keine Sex-Szenen in Ihren Bücher, warum eigentlich nicht?

Pauline Baird Jones: Ich versuche, aus meinen Stärken heraus zu schreiben und ich bin nicht gut bei diesen. Ich bleibe immer an der Realität hängen, wie es wirklich ist und nicht an der Phantasie. Und ich befürchte, meine Mutter würde es nicht lesen.

Isolde: Ihr zweites Buch "The Last Enemy" ist völlig anders als Ihr erstes Buch. Es ist ein Mystery. Woher kommt die Idee für dieses Buch?

Pauline Baird Jones: Diese erwuchs aus mehreren verschiedenen Dingen. Ich ging online in den frühen 90ern und war fasziniert von der Verbindung, die Menschen mit anderen Menschen eingehen, die sie nicht kennen. Ich sah "The Fugitive", mochte den US Marshals Service und wollte darüber schreiben. Ich habe tatsächlich diese beiden Sachen in meinen Kopf zusammengeworfen und "The Last Enemy" kam dabei heraus. Ich befürchtete, die Leser würden einen anderen "Spy" erwarten, aber die Leute scheinen meistens zufrieden damit zu sein, trotz der Unterschiede.

Isolde: Sie haben eine wundervolle "Motorrad-Braut"-Szene in "The Last Enemy". Und Ihre Heldin ist eine Liebesromanautorin und sie weiß eine Menge über das Internet. Sind Sie sehr gut im Umgang mit Ihrem Computer oder haben Sie für dieses Buch viel recherchieren müssen?

Pauline Baird Jones: Ich tat es und ich tat es nicht. Das meiste kam aus meiner online-Erfahrung, aber ich habe einiges über Hacker recherchieren müssen. Ich habe mit dem Buch 1994 oder 1995 begonnen und mußte noch einmal zurückgehen und die Internet-Elemente überarbeiten, da sich die Dinge so schnell ändern. Ich versuchte, die Kurve bißchen vorwegzunehmen, um es aktuell zu halten. Ich hatte Lektoren, die mir sagten, daß die Leser mir niemals eine Liebesromanautorin als Heldin abkaufen würden, aber alle Liebesromanautorinnen die ich kenne, sind sehr mutig und sehr witzig. Ich wollte über Frauen wie diese schreiben, Frauen, die mit all ihrem Mut komplizierten Dingen gegenübertreten. Ich wollte auch, daß  die Heldin ihre Probleme löst, wie es wirkliche Frauen tun würden und sie sollte nicht eine dieser Macho-Frauen werden.

Isolde: Was sind ihre Lieblingsbücher und -autoren?

Pauline Baird Jones: Mary Stewart ist meine erste Lieblingsautorin und möglicherweise der Grund, warum ich romantisch-spannende Liebesromane schreibe. Victoria Holt, Phyllis Whitney, Helen McInnes, Alastair McLean, DE Stevenson, Elizabeth Cadell, Mary Jo Putney, Nora Roberts, Jill Churchill, Anne George, Joan Hess, Patricia White, Ann Bachman, Tracey Cooper-Posey Nun, ich könnte noch lange so weitermachen. Mein absolutes Lieblingsbuch ist "The Moonspinners".

Isolde: Bis jetzt habe ich "Do Wah Diddy ... Die" noch nicht gelesen, ich habe aber vor, das so bald wie möglich zu tun. Können Sie uns mit Ihren eigenen Worten sagen, um was es in  diesem Buch geht.

Pauline Baird Jones: Oh mei! "Do Wah Diddy ... Die" handelt über eine exzentrische junge Frau, die nach New Orleans geht, um den Vater zu suchen, den sie nie gekannt hat und dabei einem Trickbetrüger und seinem letzten Schachzug in die Quere kommt. Es war ein wilder Ritt, aber ich hatte Spaß beim Schreiben.

Isolde: Dann gibt es auch noch Ihr neues Buch "Byte Me". Von was handelt dieses?

Pauline Baird Jones: "Byte Me" ist das nächste Buch in meiner "Lonesome Lawmen"-Serie. Es zeigt Jake Kirby, Matt's kleinen Bruder (der Held aus "The Last Enemy"), der einen Flüchtigen verfolgt. Die Spur führt ihn direkt zu Phoebe Mentel, der geheimnisvollen und verführerischen Komplizin des Flüchtigen. Es war ein harter Job für mich, die Diebin und den Gesetzesmann zusammenzubringen, aber ich hatte eine tolle Zeit dabei. Die Hardcover-Ausgabe von diesem Buch wird es ab Dezember geben und das E-Buch ist jetzt verfügbar. Die Buchbesprechung wird in der Dezemberausgabe von Romantic Times erscheinen. Ein Vorabzitat von Jill Smith ist auf meiner Webseite zu sehen. Ein anderer interessanter Fakt ist, daß die große Schwester unserer Adoptivtochter das Cover gestaltet hat. Ich denke, sie hat gute Arbeit geleistet.

Isolde: Können Sie uns etwas über Ihre zukünftigen Pläne verraten?

Pauline Baird Jones: Ich arbeite an einer Romantik-Mystery-Serie, die in New Orleans spielt. Ich arbeite ebenfalls an einer Fortsetzung zu "Spy" und am letzten Buch in meiner "Lonesome Lawmen"-Reihe: Lukes Geschichte. Und ich hoffe, daß das Manuskript von "Do Wah Diddy ... Die" bald in Produktion geht. Jeder, der etwas über mich wissen will und was so im Gange ist, kann dies auf meiner Webseite nachlesen. Und ich freue mich immer, von Leuten zu hören, die meine Bücher gelesen haben.

© Isolde Wehr, Oktober 2000, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im Oktober 2000 zwischen Isolde W. und Pauline Baird Jones für:



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