Interview mit Julia Quinn


Julia Quinn ist mit eine der beliebtesten, amerikanischen Autorinnen von Regency Romanen. Eigentlich hatte sie zunächst vor, Ärztin zu werden, doch da sie zwei Jahre warten musste, bis sie eine Medizinschule besuchen durfte (weil sie bestimmte Kurse belegt haben musste) Sie war also auf der Suche nach einer Aufgabe, mit der sie sich die Zeit vertreiben konnte, da Julia sich sicher war, dass sie nicht so viel lernen würde, wie sie eigentlich sollte. Also begann sie zu schreiben. Zwei Jahre später, gerade als sie sich zwischen zwei Schulen zu entscheiden hatte, rief ihr Agent sie an, dass zwei ihrer Bücher Objekte eines Bietstreites zweier Verlagshäuser waren. So schob sie die Medizinschule auf, um weitere Bücher zu schreiben. Schließlich beschloss Julia, der Medizinschule doch einen Versuch zu geben. Es wurden jedoch nur wenige Monate daraus, dann trat sie wieder aus und widmete sich wieder voll und ganz dem Schreiben. Sie lebt mit ihrer Familie in Colorado.

Bibliographie:

       

Splendid
Dancing at Midnight
Minx
Everything and the Moon
Brighter Than the Sun
To Catch An Heiress
How To Marry a Marquis
The Duke and I
The Viscount Who Loved Me

Pia: Julia, erst einmal bin ich glücklich, dass Sie einem Interview zugestimmt haben. Also, hier die erste Frage: Können Sie uns etwas über sich selbst erzählen? Was Sie mögen, was Sie nicht mögen, woher Sie kommen?

Julia Quinn: Ich wuchs hauptsächlich in Neu England auf, nicht weit von New York City, doch da meine Eltern geschieden waren, habe ich auch viel Zeit in Kalifornien verbracht. Nun lebe ich mit meiner Familie in Colorado, aber zum Zeitpunkt dieses Interviews sind wir für drei Monate in London. Uns gefällt es hier sehr gut - es gibt nichts Schöneres als einen Spaziergang durch eine aufregende Stadt.

Pia: Wann und warum begannen Sie Ihre Karriere als Autorin? Was haben Sie zuvor gemacht?

Julia Quinn: Ich begann mit dem Schreiben, als ich gerade mit der Universität fertig war. Folglich hatte ich davor keine große Karriere - mit Ausnahme von Ferienjobs. Sie waren ... nun ja, wie auch immer, auf jeden Fall waren sie sehr interessant! Ich habe einige Jahre für den Reiseführer LET'S GO: EUROPE gearbeitet und habe sogar einen Sommer in Griechenland als wissenschaftliche Mitarbeiterin/Autorin auf Kreta und Zypern verbracht. Keine einfache Aufgabe, wenn man kein Griechisch spricht!

Pia: Warum haben Sie Liebesromane als Genre gewählt und nicht Medizinthriller, eine Sparte, in der Sie über Fachkenntnisse verfügen?

Julia Quinn: Nun, ich würde nicht sagen, dass ich über Medizinkenntnisse verfüge. Ich hatte vor, eine Medizinschule zu besuchen (und in der Tat, das habe ich auch einige wenige Monate lang getan, bevor mir klar wurde, dass mir das Schreiben besser liegt), aber ein paar Monate in der Medizinschule machen einen kaum zum Experten in Medizin! Nebenbei bemerkt, ich habe immer gerne Liebesromane gelesen, also nehme ich an, ich schreibe sie nun deswegen.

Pia: Ihre Bücher spielen im Regency England. Gibt es einen speziellen Grund dafür?

Julia Quinn: Ich habe immer Bücher geliebt, die im Regency England spielten, also wählte ich natürlich auch diese Zeit für meine Bücher.

Pia: Wie betreiben Sie Nachforschungen für Ihre Bücher?

Julia Quinn: Ich betreibe nicht sehr viele Nachforschungen im Voraus. Ich habe gerne eine kleine Bücherei in meinem Büro, sodass ich Informationen nachschauen kann, wenn ich will. Und natürlich habe ich sehr viel Spaß hier in London, ich besuche Museen und nehme die Atmosphäre auf.

Pia: Haben Sie unter Ihren Büchern ein Lieblingsbuch, -held/-heldin?

Julia Quinn: Nein, nicht wirklich. Ich mag sie alle aus verschiedenen Gründen.

Pia: Ich selbst mochte Simon sehr gerne. Woher hatten Sie die Idee, ihn stottern zu lassen?

Julia Quinn: Ich kannte jemanden, der gestottert hat, und aus irgendeinem Grund fand ich es faszinierend. Ich habe wirklich jede Menge Nachforschungen über Stottern angestellt. Ich habe selber keine näheren Erfahrungen damit, aber ich wollte, dass es realistisch wirkt.

Pia: Wie kam die Tradition zustande, dass Ihre Büchertitel auf Filmtiteln basierten?

Julia Quinn: Die Idee, ein Buch HOW TO MARRY A MARQUIS (How to Marry a Millionaire) zu nennen, kam von einer Regency Autorin namens Candice Hern. Sie wollte ihr Buch HOW TO MARRY A DUKE nennen, aber ihrer Lektorin gefiel das nicht, und so ließ sie mich netterweise die Idee übernehmen. Ich änderte den DUKE in MARQUIS, weil es besser klang. Zu dieser Zeit schrieb ich ein Buch namens STARRY NIGHT, aber mein Verleger mochte HOW TO MARRY A MARQUIS so gerne, dass wir es in TO CATCH AN HEIRESS (To Catch a Thief heißt der Film) umbenannt haben, weil die beiden Titel auf diese Weise besser zusammenpassen. Ich dachte, das wäre das Ende, aber dann kam THE DUKE AND I (The King and I). Dann war der Druck, einen weiteren witzigen Titel zu finden, hoch, und glücklicherweise fiel mir THE VISCOUNT WHO LOVED ME (The Spy who loved Me) ein. Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht, wie lange ich das noch aufrecht halten kann.

Pia: Können Sie einen typischen Arbeitstag beschreiben?

Julia Quinn: Ich befürchte, ich habe keinen typischen Arbeitstag. Wenn ich einen hätte, würde ich wahrscheinlich viel mehr schaffen!

Pia: Wie haben Sie es geschafft, dass Ihr Buch veröffentlicht wurde? Was haben Sie gedacht, als Sie zum ersten Mal Ihr Buch im Geschäft sahen? Haben Sie gefeiert?

Julia Quinn: Ich wurde auf dem üblichen Weg veröffentlicht. Zu erst habe ich mir eine Agentin gesucht, die das Buch verkauft hat. Dabei hatte ich Glück. Nach vielen Ablehnungen wollten zwei Verlage mein Buch zugleich, also wurde ich etwas besser bezahlt, als es für ein Erstlingswerk üblich ist, und erhielt die Chance von Anfang an Vollzeit zu schreiben. Ich erinnere mich daran, in den Buchladen gegangen zu sein, um dort mein Buch zu sehen - es war einzigartig! Aber ehrlich, sogar nach neun Büchern ist es immer noch aufregend, meine Bücher in den Läden zu sehen.

Pia: Wie reagieren Sie auf Kritik?

Julia Quinn: Ich komme damit gut klar. Nicht jeder wird meine Bücher mögen, und das ist okay.

Pia: Sehen Sie andere Autoren als Rivalen? Sind Sie mit einigen anderen Autoren befreundet?

Julia Quinn: Viele meiner besten Freunde sind andere Autoren. Ich sehe die anderen nicht wirklich als echte Rivalen, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich den Karrieren anderer nicht Aufmerksamkeit widme.

Pia: Welche sind Ihre Lieblingsbücher von anderen Autoren?

Julia Quinn: Liebesromane: SOMETHING WONDERFUL von Judith McNaught, DREAMING OF YOU von Lisa Kleypas, PORTRAIT OF MY HEART von Patricia Cabot und HEAVEN, TEXAS von Susan Elizabeth Phillips. Ansonsten bewundere ich A PRAYER FOR OWEN MEANY von John Irving und WALK TWO MOONS von Sharon Creech.

Pia: Wie halten Sie Kontakt zu Ihren Fans? In welchen fremden Ländern sind Ihre Bücher veröffentlicht? Haben Sie von Leuten aus dem Ausland gehört?

Julia Quinn: Ich versuche meine Homepage (http//:www.juliaquinn.com) regelmäßig für meine Fans zu updaten. Viele von ihnen e-mailen mir auch. Aber ich brauche oft vier bis sechs Wochen, um ihnen zu antworten, besonders nachdem gerade ein neues Buch herausgekommen ist.
Meine Bücher wurden in folgende Länder verkauft: Deutschland, Russland, Taiwan, Polen, Norwegen, Italien und Korea. Zusätzlich sind in vielen anderen Ländern die englischen Ausgaben erhältlich. Ich bekomme viele E-Mails von Lesern aus dem Ausland. Es ist aufregend, zu wissen, dass meine Bücher überall auf der Erde verkauft werden!

Pia: Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?

Julia Quinn: Einfach mit dem Schreiben fortzufahren! Mein nächstes Buch, AN OFFER FROM A GENTLEMAN, kommt in den Staaten im Juli heraus. Es hat ein wenig etwas von einer Aschenputtel-Geschichte, etwas, das neu für mich war. Ich hoffe, dass es allen Lesern gefallen wird!

Pia: Vielen Dank.

© Isolde Wehr und Pia L., Februar 2001, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im Februar 2001 zwischen Pia L. und Julia Quinn für:



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