Interview mit Karen Robards

Isolde: Könnten Sie uns ein wenig von sich selbst erzählen? Wie sieht Ihr alltägliches Leben aus, Ihr Familienalltag?

Karen Robards: Ich bin Mutter von drei Söhnen im Alter von 6,11 und 18. Mein Ältester geht nächstes Jahr aufs College, mein zweiter Sohn ist in der sechsten Klasse und mein "Baby" in der Vorschule. Mein Ehemann Doug und ich haben diesen Januar Silberhochzeit gefeiert, und gleichzeitig ist in demselben Monat auch mein 21. "Geburtstag" als publizierte Romance-Autorin. "Island Flame" kam im Januar 1981 in die Buchhandlungen und ist noch heute erhältlich.

Isolde: Sie sind eine der bekanntesten Romance-Schriftstellerinnnen in Deutschland. Was hat Sie dazu veranlasst, selbst Liebesromane zu schreiben?

Karen Robards: Ich begann mit dem Schreiben als ich noch Jura studierte. Ich hatte gemerkt, dass Jura nicht das Richtige für mich war, und schrieb mich so für einen Kurs "Kreativen Schreiben" für Hochschulabsolventen ein. Die Aufgabe, die im Kurs gestellt wurde, lautete, etwa 50 Seiten von etwas zur Veröffentlichung Geeignetem zu schreiben. Zu jener Zeit verkauften sich historische Liebesromane wie wahnsinnig. Ich hatte noch nie einen Liebesroman gelesen (meine Mutter war dagegen), aber als ich in eine Buchhandlung ging, um herauszufinden, wie "zur Veröffentlichung geeignet" zu verstehen sei, stachen mir die endlosen Regalreihen voller Liebesromane ins Auge. Ich kaufte mir ein paar, las sie und war fasziniert. Ich dachte mir, das kannst du auch. Also habe ich 50 Seiten von einem historischen Liebesroman zu Papier gebracht, den ich "The Pirate's Woman" nannte. In dieses Buch habe ich einfach alles gesteckt - jede Menge Sex, Action, Abenteuer - weil ich eine wirklich gute Note für den Kurs bekommen wollte. Was der Professor jedoch vergessen hatte, uns zu sagen, war, dass wir vorlesen mussten, was wir geschrieben hatte. Zu dem Zeitpunkt, zu dem ich das herausfand, war es bereits viel zu spät, noch einmal von vorn anzufangen, und ich wollte diese Note wirklich unbedingt haben. Als mein Tag zum Vorlesen gekommen war, las ich also vor. Wie schon erwähnt handelte es sich um ein Seminar für Hochschulabsolventen, in dem etwa zehn Studenten (Männer), ein Professor (Mann) und ich (Frau) saßen. Alle anderen hatten ihre Version des großen amerikanischen Roman geschrieben. Ich hatte "The Pirate's Woman" geschrieben. Nichtsdestotrotz gab ich bei meinem Vortrag alles. Als ich geendet hatte, schaute ich auf, nur um zu entdecken, dass mich all diese Männer mit offenen Mündern anstarrten. Mein erster Gedanke war: Jetzt hast du sie im Sturm genommen! Dann begannen sie zu lachen. Sie lachten solange, bis sie beinahe von den Stühlen purzelten. Schließlich hörte mein Professor lange genug auf, um zu mir zu sagen: "Karen, Sie können wirklich sehr gut schreiben, aber wir müssen unbedingt etwas wegen Ihres Lesegeschmackes unternehmen." Nur um alle Missverständnisse auszuräumen - diese fünfzig Seiten sind der Anfang meines ersten Buches "Island Flame", das zwei Jahre später erschien.

Isolde: Mein Lieblingsbuch von Ihnen ist "Geliebter Schuft". Es gelingt Ihnen, die Leser mit jeder Seite mehr zu fesseln. Haben Sie eine Art Erfolgsrezept, mit dessen Hilfe Sie Ihre Leser immer wieder aufs Neue begeistern?

Karen Robards: Danke für Ihr Kompliment für "Geliebter Schuft" - ich liebe dieses Buch auch!

Das einzige Erfolgsrezept, das ich habe, besteht darin, dass ein Roman mir gefallen muss. Es gibt in einem Lied von Ricky Nelson eine Zeile, die ziemlich genau beschreibt, wie ich über das Schreiben denke: "Du kannst es nicht jedem Recht machen, darum musst du es dir selber Recht machen." Das ist mein Motto.

Isolde: Die Schauplätze Ihrer Bücher sind immer sehr malerisch. Wie recherchieren Sie diese Orte? Fahren Sie dorthin und besichtigen Sie sie persönlich?

Karen Robards: Ich recherchiere auf unterschiedliche Weise. Im Allgemeinen habe ich entweder an meinen Schauplätzen gelebt oder bin dort schon einmal gewesen. Bestimmte Einzelheiten - wie es an einem Ort riecht zum Beispiel, oder wie das Licht ist oder die genaue Farbe des Grases im Winter - kann man nur schlecht anhand von Büchern oder über das Internet herausfinden. Die Umgebung, in der eine Handlung spielt, ist ein wesentlicher Teil einer jeden Geschichte - die Personen sind schließlich in gewissem Maße ein Produkt ihrer Umgebung, darum gebe ich mir sehr viel Mühe, es richtig zu machen.

Isolde: Sie haben keine eigene Homepage. Planen Sie, daran etwas zu ändern? Wie gelingt es Ihnen, Kontakt zu Ihren Fans zu halten?

Karen Robards: Ich habe noch keine eigene Homepage - eine technische Herausforderung, der ich nur bedingt gewachsen bin! - aber ich werde eine bekommen. KarenRobards.net sollte zu Beginn des Frühlings online gehen. Ich liebe es, von Fans zu hören. Wenn Sie ebenso wie ich alles andere als Technik-Freaks sind, dann können Sie immer über meinen Verlag, Pocket Books, via Briefpost mit mir Kontakt aufnehmen.

Isolde: Was schreiben Sie lieber, historische Liebesromane oder romantische Krimis, und warum?

Karen Robards: Mir macht immer das Buch am meisten Spaß, an dem ich gerade arbeite. Mir geht es in Romanen viel mehr um Personen als um eine bestimmte Zeitperiode, und ich empfinde es als nette Abwechslung, wenn ich von einer Zeit zu einer anderen wechseln kann. Mir ist aufgefallen, dass Leser grundsätzlich von meinen Büchern "Mitternachtsliebe" (Krimi) und "Loving Julia" (historischer Liebesroman) am besten finden. Falls also jemand Lust hat, meine Romane einmal auszuprobieren, sollte es vielleicht eines von diesen beiden sein.

Isolde: Wenn Sie Ihre Hauptdarsteller entstehen lassen, erfinden Sie sie völlig neu, oder greifen Sie auf lebende Personen zurück?

Karen Robards: Alle meine Charaktere sind frei erfunden. Es macht riesig viel Spaß, ihnen bestimmte Eigenschaften zuzuschreiben und sie Sachen tun zu lassen, die ich mich nie trauen würde.

Isolde: In "Trügerisches Glück" muss sich die Heldin gegen Misshandlung zur Wehr setzen, ein sehr sensibles Thema. Wissen Sie noch, wie Ihre Leser reagiert haben, als das Buch zuerst erschien?

Karen Robards: "Trügerisches Glück" handelt von einer Frau, die misshandelt wird, und wurde geschrieben, bevor das Thema nach spektakulären Fällen wie OJ Simpson in "Mode" kam. Dieser Roman hat viele Leserinnen mehr berührt als alles andere, was ich je geschrieben habe. Ich hoffe sehr, dass es darüber hinaus manchen geholfen hat, Misshandlung als solche zu erkennen und sich aus solchen Beziehungen zu befreien.

Isolde: Ihre Romane "Schatten im Mondlicht" und "Nacht des Schicksals" spielen beide auf Gestüten. Lieben Sie selbst Pferde?

Karen Robards: Ja, ich bin eine Pferdeliebhaberin. Ich reite schon mein ganzes Leben lang, und wir besitzen mehrere Pferde. Außerdem sind wir dabei, unser eigenes Gestüt in der Gegend Blue Grass aufzubauen, wo auch diese beiden Romane spielen.

Isolde: Die meisten Ihrer Bücher sind Einzeltitel. Werden Sie in Zukunft auch Serien schreiben?

Karen Robards: Im Augenblick schreibe ich an dem zweiten Band einer Reihe zusammenhängender Romane. Das Buch heißt "Irresistible" und handelt von Gabby, der jüngeren Schwester aus "Scandalous". Ich habe einen Riesenspaß mit diesem Buch! Es soll im September 2002 erscheinen.

Isolde: Haben Sie Lieblingsschriftsteller? Wie heißen sie?

Karen Robards: Ich lese dauernd, und ich lese alles. Zu meinen Lieblingsautoren gehören Joan Wolf, Penelope Williamson, Sandra Brown, Dean Koontz, Jonathan Kellerman und Patricia Cornwell. Aber das sind noch lange nicht alle.

Isolde: Schreiben Sie gerade an einem neuen Roman? Wollen Sie uns etwas darüber erzählen?

Karen Robards: Wie schon gesagt, schreibe ich gerade an "Irresistible". Meine Heldin Claire gerade vollauf damit beschäftigt, sich in den Helden zu verlieben, und mir geht es genauso. (Schreiben ist doch ein wundervoller Beruf, oder?)

© Moments - Höhepunkte der romantischen Literatur und Die romantische Bücherecke, Isolde Wehr, Januar 2002

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Dieses Interview entstand im Januar 2002 zwischen Isolde W. und Karen Robards für:
 

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