Online Romance:
Schatten über Kinvara

geschrieben von: Alexa, Steffi, Steffi (Bücherkiste), Pat, Silke G und Maria
(Besucherinnen des Romantischen Bücherforums)

Shannon stand am Rande der Klippe und schaute gedankenverloren übers Meer. Den ganzen Tag hatte die Gefahr eines Gewitters in der Luft gelegen, jetzt sah sie die ersten Blitze, gefolgt von mächtigem Donnergrollen, übers Meer toben. Immer noch mit der Lösung ihrer Probleme beschäftigt, trat sie dichter an den Rand  des Abgrundes heran. Fast wäre ihr der dunkle Schatten entgangen, doch in mitten eines weiteren gewaltigen Blitzes, konnte sie etwas erkennen.

                          Steffi

Sie schrak zurück und ein wenig Geröll löste sich unter ihren Füßen. Sie stolperte und fiel nur wenige Zentimeter vor dem Abgrund auf die Knie. Mit weit aufgerissenen Augen schaute sie die Klippen hinunter. Das Meer toste gewaltig gegen die Klippen und die sonst so ruhige blaue irische See, war nun fast schwarz im Dämmerlicht des späten Sommertags. Plötzlich folgte ein weiterer Blitz und ein heftiges Donnergrollen ließ Shannon zusammen zucken. Als sie sich endlich gefangen hatte und um sich blickte, war der Schatten verschwunden. Sie setzte sich auf und rutschte einige Meter vom Abgrund weg. Was hätte sie beinahe getan? Schluchzend schlug sie die Hände vors Gesicht. Minutenlang saß sie unbeweglich da, gefangen in ihrem Schmerz, als sie plötzlich eine leichte Berührung wahrnahm. Erschrocken schaute sie auf und sah erneut den fliehenden Schatten...

                          Steffi (Bücherkiste)

Sie verfolgte den Schatten mit Ihren Augen, bis er in östlicher Richtung hinter der Hügelkette verschwand. Etwas verwirrt und über den Schatten grübelnd, es musste sich wohl um eine Wettererscheinung handeln, schlug sie die gleiche Richtung ein, zu Ihrem Cottage welches sich hinter der Hügelkette befand. Der Wind zauste immer noch leicht an ihrem Haar, welches sie achtlos mit einem grünen Band gebunden hatte. Vor nicht all zu langer Zeit hatte sie dieses Band in einer kleinen Holztruhe in ihrem Cottage gefunden. Die Truhe musste Ihrer Urgroßmutter gehört haben, denn ein Bild von ihr in jungen Jahren und einem traurig aussehenden Mann lag ebenfalls dabei. Als sie durch ihren kleinen Garten, der jetzt im Sommer in voller Blüte stand, die Eingangstür Ihres Cottage öffnen wollte spürte wieder eine sanfte Berührung an ihrer linken Schulter...

                        Silke G

Sie blickte sich schnell um sah aber nichts, bis auf den schönen Garten, in dem sich nun die Blumen und Sträucher im Wind bogen. Nichts war in ihrer Nähe. Kein Tier und kein Mensch. Sie war ganz alleine. Plötzlich machte ihr dieser Gedanke Angst. Schnell öffnete sie die Tür, schlüpfte hinein und schloss sie gleich wieder hinter sich. Sie lief in ihr Schlafzimmer, das im ersten Stock lag und setzte sich auf ihren Sessel am Fenster und blickte hinaus. Das Gewitter war vorüber gezogen, nun hatte ein leichter Regen eingesetzt. Während sie ihren Blick über die Landschaft schweifen lies, dachte sie über das eben Geschehene nach. Es war nicht nur die Angst gewesen, die in ihr aufgekeimt war als sie sich plötzlich so alleine gefühlt hatte. Da war noch ein anderes Gefühl, das sie bei der Berührung ihrer Schulter erfasst hatte - eine tiefe Sehnsucht...

                          Alexa

Auf dem kleinen Beistelltischchen neben ihrem Sessel lag noch immer der schicksalhafte Brief und in ihrer Wut und Enttäuschung hatte Shannon ihn einfach zerknüllt und auf den Tisch geschmissen. Vorsichtig nahm sie ihn und versuchte ihn zu glätten. Dieser Brief bedeutete alles. Nie würde es wieder so sein wie früher. Nie wieder würde sie die Shannon sein, die sie einmal gewesen war. Ihr Blick fiel erneut in die wunderschöne Landschaft der kleinen Stadt Kinvara, ihrer Heimatstadt. Hier hatte sie ihre Kindheit verbracht und hier hatte sie Glück und Liebe gefunden. Doch all das war plötzlich zerstört worden und Shannon hatte das Gefühl, dass sie sich hier nie wieder zu Hause fühlen würde. Sie war innerlich so zerrissen, dass sie sich wie Peter Pan, der seinen Schatten jagte fühlte. Dieser Gedanke erinnerte sie an den Schatten am Meer, den sie zu sehen geglaubt hatte. Das und das Knarren der Treppe ließen sie zusammenzucken. "Verdammt noch mal Shannon Flynn. Reiß dich endlich zusammen. Du siehst ja schon Gespenster. Nicht nur das du dich fast umgebracht hättest, jetzt wirst du auch noch paranoid. Ärgerlich zerknüllte sie den Brief erneut, schmiss in willkürlich durch den Raum und
 

                       ... Steffi
                       (Bücherkiste)
 

Statt wie erwartet gegen die Wand zu prallen, wurde der Flug der Papierkugel wie von unsichtbarer Hand gestoppt. Kurz verharrte der Brief in der Luft, bevor er sanft, als wenn ihn jemand niederlegen würde, zu Boden schwebte. Hilflos schnappte Shannon nach Luft. Wieder durchzog sie ein Gefühl der Sehnsucht, aber auch ein tiefes Gefühl der Geborgenheit und der Liebe machte sich in ihrem Herzen breit. Irritiert guckte sie auf den Boden, wo die Papierkugel lag. Bevor sie ihren Gedanken zu Ende bringen konnte, fühlte sie erneut eine sanfte Berührung auf ihrer Schulter. Sie fuhr herum. Im Wechselspiel der Schatten und die durchs Fenster dringende Lichtblitze des neu an Kräften zurückkehrenden Gewitters konnte sie eine schemenhafte Gestalt ausmachen. Fasziniert und gleichzeitig ängstlich, schaudernd und doch erfüllt von einer großen inneren Ruhe versuchte sie die Dunkelheit zu durchdringen. Im nächsten Moment schien ein Glühen den Schatten zu umgeben, ein goldener Schimmer vermischte sich mit dem dunklen Schatten. Die widersprüchlichen Gefühle tobten weiter in ihrem Inneren, ihr Verstand wollte nicht akzeptieren, was ihre Augen sahen... Steffi Shannon sah ihn. Aber nun wusste sie, dass sie seine Anwesenheit schon viel früher gespürt hatte. Sie wollte es nur nicht wahrhaben, doch seine Energie ging durch ihre Seele und tief in ihrem Inneren erkannte sie ihn. "Das kann nicht sein", flüsterte Shannon, "wer bist du?". Er stand still, eine dunkle, große Gestalt, bedrohlich. Die Blitze erhellten das Zimmer und seine Augen hielten sie in ihrem Bann.

                      Maria

Als er auf ihren Sessel zu kam, krallte sie ihre Nägel in die Armlehnen. Er sah sie mit seinen dunklen traurigen Augen so intensiv an, dass sie glaubte er würde tief in ihre Seele dringen. Shannon wollte seinem Blick ausweichen konnte es aber nicht. Mit einer sanften Berührung löste er ihr grünes Haarband und Ihre rotes Haar fiel ihr weich auf die Schultern. Mit sanfter Stimme flüsterte er "Ich habe so lange auf dich gewartet"...

                      Silke G

In Shannons Kopf summte es und sie hatte das Gefühl, als würde die ganze Welt still stehen. Die dunkle Gestalt schaute sie noch immer durchdringend an und das grüne Haarband, das er in der rechten Hand hielt, schien zwischen ihnen zu schweben. "Wer bist du?", wiederholte Shannon leise. Doch er antwortete ihr nicht und sah sie nur weiter durchdringend an. Shannon stand auf und trat vorsichtig auf die Gestalt zu. Obwohl sie ihn nun besser erkennen konnte, war er doch immer noch unwirklich. Sie wollte ihn näher betrachten, aber sie war so von seinen dunklen glühenden Augen gefangen, dass sie nicht mal einen Zentimeter seines Körpers inspizieren konnte. Shannon verlor so langsam ihre Fassung und wieso hatte er ihr das grüne Band aus den Haaren genommen. Sie betrachtete es eingehender und plötzlich fiel ihr auf, dass es wie neu aussah. Die ausgefransten Enden waren plötzlich wieder heil und mit Satin eingefasst. Shannon riss die Augen auf und zeigte keuchend auf das Haarband. Sie bekam kein Wort heraus, denn plötzlich schien es sich erneut zu verändern. "Damit wirst du mich finden." Mit diesen Worten warf die dunkle Gestalt das Band hoch in die Luft und war plötzlich verschwunden. Minutenlang stand Shannon reglos da. Ihr Atem ging nur noch stoßweise und es kostete sie einige Kraft, sich zu beruhigen. Das Haarband war auf der Fensterbank gelandet und Shannon sah, dass es unwirklich leuchtete. Vorsichtig nahm sie es in die Hand. Es war tatsächlich wie neu. Es sah nicht nur so aus, sondern fühlte sich auch so an. Sie drehte und wendete es und plötzlich sah sie an einem Ende des Bandes seltsame verschnörkelte Zeichen, die sie noch nie zuvor gesehen hatte.

              Steffi (Bücherkiste)

Überwältigt von den  Ereignissen und gefangen in einem Wirbel widersprüchlicher Gefühle rannte Shannon Richtung Haustür. Sie tat, was jeder vernünftiger Mensch tun würde, sie ergriff die Flucht. Panisch wollte sie im Herauslaufen nach dem Autoschlüssel, der üblicherweise auf der antiken Kommode lag, greifen, doch ihr Griff ging ins Leere. Sie hielt sich nicht mit der Suche nach dem Schlüssel auf, sondern stürmte raus. Doch im nächsten Moment blieb sie wie erschlagen stehen. Da wo normalerweise ihr kleiner, blauer Sportwagen stand, war nix als eine mit Kopfsteinpflaster belegte leere Fläche. Statt dem Carport, der letztes Jahr neben dem Haus errichtet worden war, erblickte sie einen halb verfallenen Schuppen. Fassungslos sank sie auf die Knie, das grüne Haarband fest in den Händen haltend...

              Steffi

"Ganz ruhig meine Liebe" rief sie sich selbst zur Ordnung. "Was geschieht hier?" murmelte sie leise. Sie fühlte, wie trotz ihres Schreckens der scharfe, systematisch arbeitender Verstand von ihr die Oberhand gewann und den Versuch machte die Situation zu analysieren. Mit der Gewohnheit ihrer langjährigen Arbeit als Historikerin trug ihr Gedächtnis die Fakten zusammen und versuchte einen wahrscheinlichen Schluss daraus zu ziehen. Da war zunächst Cal's schrecklicher Unfall gewesen. Sie kämpfte gegen die Tränen an als sie an den Inhalt des entsetzlichen Briefes dachte der noch immer zerknüllt auf dem Fußboden ihres Schlafzimmers liegen musste. "Ach Cal," klagte ihre innere Stimme, "warum musste das passieren? Ich wusste das es falsch war dich auf diese Reise gehen zu lassen." Sie wischte unwillig eine Träne von ihrer Wange und wusste das diese Gedanken sinnlos waren. Ihr ruheloser Geliebter hätte dieses Abenteuer auf jeden Fall angetreten, ob mit oder ohne ihre Zustimmung. Er war nie leicht von etwas abzuhalten gewesen, wenn er sich eine Sache erst einmal in den Kopf gesetzt hatte. Und diese Reise hatte er sich in den Kopf gesetzt. Sechs Monate durch die vereinigten Staaten, alleine, ungebunden, auf seinem schweren Motorrad, ein letztes- mal seine Freiheit genießend, bevor sie heiraten würden. So hatte er es lachend genannt. Es hatte ihr nicht gefallen aber sie wusste dass sie ihn nicht zurückhalten konnte, er war kein Mann gewesen der sich einsperren ließ. Vor ihren Augen erschien ungebeten das letzte Bild dass sie von ihm im Herzen behalten hatte, am Morgen seines Abschieds. Sie hatte nicht gewusst dass es ihr letzter Abschied sein würde. Mit einem harten Knoten im Hals erinnerte sie sich an die tanzenden Sonnenstrahlen, die rötlich glänzende Lichtreflexe auf sein langes, kastanienbraunes Haar gezeichnet hatten. Ein leichter Wind hatte mit einer der welligen Strähnen gespielt und mit einem schmerzhaften Ziehen in der Brust sah sie die vertraute Handbewegung vor sich, mit der er das Haar ungeduldig zur Seite strich. "Ciao, mein Herz." hatte er gesagt, er hasste lange Abschiede. "Wir haben darüber gesprochen. Ich muss das jetzt tun." Shannon schloss die Augen und glaubte noch einmal seinen warmen Atem in ihrem Haar zu spüren als er sie an sich gezogen hatte. "Ich liebe dich, Cara, vergiss das nicht." flüsterte er "ein halbes Jahr wird schnell herum sein und ich verspreche dir, dich danach nie wieder allein zu lassen. Ich komme wieder, Cara, ich schwöre dir, ich komme wieder." Ein scharfer, schneidender Schmerz zerriss ihr die Brust als sie an diesen letzten Abschiedskuss dachte. Seine Lippen so weich und warm auf ihrem eigenen Mund, sein Duft den sie noch in der Nase hatte. Ein unterdrücktes Schluchzen brach aus ihr heraus. Fort, alles fort, ein betrunkener Truck-Fahrer hatte ihr Lebensglück zerstört und es war ihr nichts von Cal geblieben außer ihren Erinnerungen, ein paar Fotos und ein Bild von der Unfallstelle auf dem der völlig zerstörte Metallklumpen zu sehen war der einst Cal's Maschine dargestellt hatte. Heftig drängte sie ihre Gedanken von der grausigen Vorstellung weg, wie Cal's Körper ausgesehen haben mochte. Dieser Anblick war ihr erspart geblieben. Sie würde ihn immer so hochgewachsen und langgliedrig im Gedächtnis behalten wie am letzten Tag. Mit der kraftvollen Anmut seiner Bewegungen die so typisch für ihn gewesen war. Shannon öffnete die Augen und hielt ihr heißes, tränenüberströmtes Gesicht in die leichte Brise. Ihre Gedanken kehrten in die Gegenwart zurück. Was gab es noch? Welche Ereignisse waren noch vorgefallen? Zusammenhanglos fiel ihr das Bild ihrer Urgroßmutter wieder ein, auf dem sie zusammen mit einem traurig blickenden jungen Mann zu sehen war. Nicht Ihr Urgroßvater, erinnerte sie sich. Ihr Urgroßvater war ein alter, untersetzter Mann mit weißem Haarkranz und humorvoller Nachsicht gegen die Kinder gewesen. Shannon lächelte über sich selbst, natürlich auch ihr Urgroßvater war einmal ein junger Mann, aber er war nicht der Mann auf dem Bild. Der Fremde der so Ernst aus der verblassten schwarz-weiß Fotografie herausstarrte war wohl der erste Ehemann ihrer Urgroßmutter gewesen, so erzählte man es jedenfalls in der Familiengeschichte, und er war auf höchst mysteriöse Weise verschwunden. Auch das Tagebuch ihrer Urgroßmutter hatte keinen Aufschluss über die Umstände seines Verschwindens gegeben. Shannon war merkwürdig angerührt gewesen von den Passagen die ihre Urgroßmutter über diesen Mann niedergeschrieben hatte. Sie musste ihn sehr geliebt haben, denn sie schrieb mit einer Intensität über ihn die ihre Gefühle auch nach all diesen Jahrzehnten noch durch die sorgfältig gemalten Zeilen hindurchscheinen ließ. Es gab einige merkwürdige Passagen die sich Shannon nicht erklären konnte. Textabschnitte die deutlich zeigten, dass ihre Urgroßmutter eine höchst ungewöhnliche Beziehung zu diesem Mann gehabt haben musste. Worte die davon sprachen, wie vertraut er ihr vom ersten Augenblick an gewesen war, Worte die geheimnisvolle Andeutungen darüber machten, dass schon ihre eigene Großmutter den Mann gekannt haben musste. Shannon schüttelte unwillkürlich den Kopf, die Texte ergaben keinen Sinn, sie passten zeitlich nicht zueinander und ihre Urgroßmutter konnte mit ihrem eigenen und dem Geliebten ihrer Großmutter unmöglich den gleichen Mann meinen. Und schon gar nicht den jungen Mann auf dem Foto. Shannon seufzte, tja, die Frauen ihrer Familie schienen offenbar alle den gleichen Typ Mann zu mögen. Cal's Ähnlichkeit mit der verblassten Fotografie war unbestreitbar gewesen. Tatsächlich war es diese Ähnlichkeit gewesen, die überhaupt erst dazu geführt hatte dass sie auf ihn zugegangen war um ihn anzusprechen. Vermutlich war es das was ihre Urgroßmutter gemeint hatte, dass der Geliebte ihrer Großmutter ihrem eigenen ersten Mann eben sehr ähnlich sah. Es war die einzige Erklärung die Shannon einfiel und das Tagebuch ihrer Urgroßmutter verständlich machen würde. Nun, und Cal hatte ihm eben auch ähnlich gesehen, die gleichen feingeschnittenen Gesichtszüge, die gleichen dunklen Augen, tief wie ein bodenloser Abgrund in dem man sich verlieren konnte. Shannon spürte die Tränen erneut hochsteigen und riss sich von diesen Gedanken los. Was gab es noch an Fakten? Der Schatten, diese Erscheinung, das Haarband. Sie fuhr sich erschöpft mit der Hand über das Gesicht, eine leere Müdigkeit wollte sie übermannen. Wurde sie verrückt? Waren diese Dinge Einbildung, geboren aus ihrer Trauer, ihrem inneren Ungleichgewicht? Träumte sie? Aber das Kopfsteinpflaster unter ihren Knien fühlte sich höchst real an und das grüne Band in ihrer Hand war zweifellos neu. Sie spürte wie ein Frösteln langsam ihr Rückgrat hoch kroch. Es gab hier ein Geheimnis, und sie würde es lösen. Sie war Historikerin, sie konnte Fakten zusammensetzen, Theorien aufstellen und sie würde herausfinden was hier vor sich ging. Mit einem letzten Schniefen verschloss sie die schmerzliche Erinnerung an Cal in ihrem Inneren und stemmte sich auf die Füße. Sie brauchte Material und sie wusste, wo sie es finden konnte, die Truhe ihrer Großmutter, das Tagebuch, das Bild und, ja, es konnte auch an dem Ort hängen, das Kirchen- und das Gemeindearchiv. Und dann gab es noch die steinalte Maeve aus dem Nachbarort, von der sie sagten sie sei nicht mehr ganz richtig im Kopf. Sie schien ihr alt genug zu sein um sich noch an Geschichten und Gerüchte erinnern zu können, die andere bereits längst vergessen hatten. Möglicherweise hatte sie ja noch, wenn schon nicht ihre Urgroßmutter dann vielleicht doch noch ihre Großmutter gekannt. Ja, sie würde herausfinden was hier vor sich ging. Shannon straffte die Schultern und atmete tief ein. Die schattenhafte Gestalt in ihrem Wohnzimmer, dieses wahnsinnige aufblitzen von Wiedererkennen und Glück und dann die kalte Bestürzung als sie Sekundenbruchteile danach diese unbegreiflich fremdartige, fast bedrohliche Aura dahinter gespürt hatte. "Ich habe so lange auf dich gewartet." klang es noch in ihrem Kopf nach. Trotz der Hitze des Sommertages, war ihr mit einem Mal kalt, sie starrte auf das zerknitterte Haarband hinab dass sie in der verkrampften Faust zusammengeknüllt hatte. Das Haarband, "damit wirst du mich finden" hatte er gesagt, das grüne Haarband, eine weitere Spur. Sie blickte erneut hoch und musterte die Umgebung. Es hätte frisch sein müssen, ein Gewitter war am späten Nachmittag hereingebrochen und nun sollte es eigentlich früher Abend sein. Stattdessen stand die Sonne hoch am Himmel und brannte auf die ländliche, grüne Landschaft herab. Plötzlich fühlte sie, dass sie rasende Kopfschmerzen hatte, Übelkeit stieg in ihr hoch und würgte sie in der Kehle. Sie presste die Hände auf den Bauch, oh Gott, sie hätte es Cal sagen sollen, ehe er gegangen war, sie hätte es ihm sagen m ü s s e n aber sie hatte geschwiegen und nun war er tot und hatte nichts davon gewusst. Ihr schwindelte, Hitze stieg in ihr auf, und ihre Sicht wurde verschwommen. Schob sich da ein Schatten vor die Sonne? "Was zum Teufel... " dann wurde es dunkel um sie und sie schlug hart am Boden auf.

                                        ???

Als sie wieder das Bewusstsein erlangte, war ihr immer noch schlecht und schwindelig. Sie blickte auf und konnte es kaum fassen. Sie war nicht mehr vor ihrem Haus, im Garten. Statt dessen, lag sie weich gebettet in einem riesigen Bett. Verstört betrachtete sie den Rest ihrer Umgebung. Sie befand sich in einem Zimmer, das riesig war, viel größer als ihr eigenes Schlafzimmer. An der Wand hingen grüne Seidentapeten und es war mit alten Möbeln, Bildern und einem Kamin aus weißem Marmor ausgestattet. In ihrem Beruf als Historikerin, hatte sie schon öfter solche Zimmer gesehen und sie hatten sich samt und sonders in alten Schlössern und Herrenhäusern befunden. Verwirrt wollte sie sich erheben, doch der Schwindel ergriff erneut von ihr Besitz und raubte ihr ein zweites Mal die Sinne. Als sie nun aus den Tiefen ihrer Ohnmacht erwachte war es dunkel, nur der Kamin tauchte das Zimmer in ein goldenes Licht. Plötzlich hörte sie ein Rascheln neben sich. Sie drehte sich erschrocken herum und erblickte ein junges Mädchen, das auf einem Stuhl neben ihrem Bett saß und einen Stickrahmen in der Hand hielt...

                                    Alexa

"Grün!" schoss es ihr durch den Kopf und konzentrierte sich im gleichen Moment auf ihre rechte Hand. Sie war leer. Im Stickrahmen des jungen Mädchens war ein dunkelgrünes Band eingespannt dass sie mit feinen, sorgfältig gesetzten Stichen in keltischem Muster bestickte. Der Stoff war dunkler als der Haarschmuck den sie geerbt hatte, noch nicht verblichen, aber Shannon zweifelte keinen Moment daran dass sie dem Entstehungsprozess ihres Erbstückes beiwohnte. Ein hysterisches Gelächter stieg in ihr auf. "Ich bin tatsächlich verrückt geworden." jagte es durch ihre Gedanken "Oder ich träume. Oder ich bin tot, was auch immer." Sie rang um ihre Fassung und versuchte ihre Stimme ruhig zu halten. "Wo bin ich?" brachte sie dann trotzdem nur krächzend heraus. Die klassische Frage aller Mystery-Thriller, dachte sie trotz ihres elenden Befindens grimmig erheitert. Die junge Stickerin sah von ihrer Arbeit auf, ein erfreutes Lächeln zog über ihr Gesicht. "Ah ihr seid wach, das ist gut. Wie geht es euch? Braucht ihr etwas zu trinken?" "Nein, doch ja, bitte, ein Glas Wasser." Erst jetzt bemerkte Shannon den schalen, ekelerregenden Geschmack von Erbrochenem und Blut in ihrem Mund. Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen "es ist schon wieder passiert." dachte sie resigniert "die Abstände werden immer kürzer." Sie griff nach dem angebotenen Glas und trank in großen durstigen Zügen, als könne sie mit dem widerlichen Geschmack zugleich die Unausweichlichkeit der Tatsache wegspülen. Danach fühlte sie sich etwas besser und blickte die junge Frau erneut an. "Wo bin ich?" wiederholte sie ihre Frage. "Und wer seid ihr?" fügte sie hinzu, unbewusst die altmodische Anrede übernehmend, in der die blonde Stickerin gesprochen hatte. "Nennt mich Lynn." antwortete sie lächelnd und ihr seid hier  auf Dungaire Castle. "Dungaire Castle?".Shannons Gedanken machten Purzelbäume."Das ist nicht möglich". Dungaire Castle ist nicht bewohnbar."Das junge blonde Mädchen runzelte die Stirn."Ihr solltet euch noch ein wenig ausruhen.Ich werde meinen Herrn holen, damit er mit euch reden kann." Lynn nahm ihre Stickerei und verließ das Zimmer, ehe Shannon reagieren konnte. Seufzend kuschelte sie sich tiefer in das riesige Bett ein und schaute um sich. "Shannon", dachte sie bei sich, "du bist nun endgültig völlig wahnsinnig geworden. Jetzt liegst du hier, schwanger wie du bist, mit einem gebrochenen Herzen in diesem riesigen Bett, für das jeder Antiquitätenhändler sein Leben geben würde, und schaust dir steinige Wände mit Wandbehängen an, die es eigentlich höchstens im Museum geben dürfte. Was tue ich eigentlich hier und wer hat mich..." erschrocken hob Shannon die Bettdecke hoch. Irgend jemand hatte sie in ein gelbliches Nachthemd gesteckt und wie sie feststellte ansonsten völlig nackt gelassen. "Na prima. Jetzt hat dich also einer dieser schlechten mittelalterlicher Schauspieler auch noch nackt gesehen." Völlig genervt schlug sie die Bettdecke zurück und stand gerade in dem Moment auf, als die Tür aufging und der dunkle Fremde in das Zimmer trat. Doch diesmal bliebt Shannon nicht erstarrt stehen, sondern ging wütend mit ausgestrecktem rechten Zeigefinger auf ihn los. "Sagen sie mal, was immer sie für ein Aushilfs-Komiker sind, was bilden sie sich eigentlich ein, mich auszuziehen und in dieses monströse Bett zu stecken." "Sie waren ohnmächtig." "Das ist eine absolut inakzeptable Entschuldigung." "Wenn es sie beruhigt, das Mädchen hat sie umgezogen." "Das Mädchen also." "Ja." Shannon stutzte und schaute ihn abschätzig von oben bis unten an. "Was sollte eigentlich diese Schatten-Nummer. Kein Wunder, das ich in Ohnmacht gefallen bin." Soll der Gute sich ruhig schlecht fühlen. Sie musste ja schließlich nicht jedem auf die Nase binden, dass sie schwanger war. Schwanger von Cal, der nie mehr zurück kommen würde.

                                Steffi (Bücherkiste)

Ihr Gegenüber hob indigniert eine Augenbraue "Schatten-Nummer? Sie müssen stärker mit dem Kopf aufgeschlagen sein als ich dachte. Ich weiß nicht wovon sie sprechen". Shannon hielt inne, die Gedanken rasten in ihrem Kopf. Was wurde hier gespielt? Plötzlich war sie auf der Hut. Stumm fixierte sie den breitschultrigen Mann. Er log. Sie wusste nicht woran sie es erkannte aber sie war sich absolut sicher. Er log und wusste sehr genau wovon sie sprach. Plötzlich fühlte sie ihr Herz im Hals klopfen und versuchte einen unauffälligen Schritt zurück zu machen. Shannon hob den Kopf und starrte ihm ins Gesicht, ihre Nackenhaare sträubten sich. Von dem Mann schien die gleiche bedrohliche Präsenz auszugehen die an der Erscheinung in ihrem Wohnzimmer bemerkt hatte. Aber hier fehlte das Gefühl der Vertrautheit und der Geborgenheit dass sie damals als Erstes wahrgenommen hatte. Es war nicht ganz die gleiche Aura, schien nur ein Teil davon zu sein, etwas fehlte. Sie zuckte zusammen als sie einen festen Griff um ihren rechten Oberarm spürte, dachte dass es wehtun würde, aber der erwartete Schmerz blieb aus. "Sie schwanken. Es geht ihnen noch  nicht gut. Legen sie sich wieder hin. Ich werden später alle ihre Fragen beantworten aber zuerst müssen sie sich ein bisschen ausruhen. Vielleicht haben sie auch eine Gehirnerschütterung. "Erstaunlich sanft schob er sie zu dem Bett zurück und drückte sie auf die Liegestatt nieder. Überrumpelt ließ sie es widerstandslos geschehen, ihre Wut war für den Moment verraucht und hatte einer abgestumpften Verwirrung Platz gemacht. Sie sah zu dem Fremden hoch und stellte mit seltsam leidenschaftsloser Distanz fest dass er sie besorgt ansah. Sie fühlte plötzliche Resignation, sie wollte weinen, sie wollte ihre Ruhe, sie wollte auf diesen Fremden einschlagen, sie wollte sich an ihn lehnen und ihren Schmerz herauslassen. Und weil sie nicht wusste was sie jetzt wollen oder tun sollte tat sie gar nichts. Der Griff um ihren Arm lockerte sich als er vor ihr in die Knie ging. Ein weicher Zug spielte um seine Lippen als er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht wischte und mit dem Daumen seiner linken Hand über ihr Jochbein strich. " Sie brauchen sich nicht zu fürchten. Bitte, versuchen sie etwas zu Kräften zu kommen, dann können wir reden". Oh verdammt, sie spürte wieder diesen Kloß im Hals. Das war wohl alles ein bisschen zuviel auf einmal gewesen. Ihr Kopf sank nach vorne und lautlos liefen ihr Tränen über das Gesicht, sie schluchzte nicht, sie zitterte nicht, es waren einfach nur Tränen der Erschöpfung die unaufhaltsam ihre Wangen herabströmten. Shannon spürte wie die kräftige Hand des Mannes über ihr Haar strich und er ihren Nacken mit sanftem Druck zu sich zog, bis Ihre Stirn an seiner Schulter lag. Lange Minuten verharrte sie bewegungslos, ohne ein Wort zu sagen, weinte nur an seiner Schulter. Schließlich drückte er ihr sanft ihren Kopf zurück. "Bitte, sie müssen sich jetzt ausruhen. Schlafen Sie, ich werde ihnen das Mädchen schicken damit es ich um sie kümmern kann. Morgen werde ich wieder nach Ihnen sehen". Er stand auf blickte noch einen Moment auf sie herab, dann wandte er sich zur Tür, öffnete sie und wechselte einige Worte mit jemandem der davor stand. Er verließ den Raum ohne sich noch einmal umzusehen. Shannon ließ sich auf das Bett zurücksinken und atmete tief durch. In Ihrem Kopf jagten sich die Gedanken. Irgendetwas stimmte hier nicht, irgendetwas war hier gar nicht stimmig, wenn sie es doch nur zu fassen kriegte... mit einem Ruck setzte sie sich auf dem Bett auf "Sie!" er hatte das moderne "Sie" bei ihr benutzt und das Wort"Gehirnerschütterung"gebraucht. Das gehörte nicht hierher. Sie sprang vom Bett auf, rannte zur Tür und rüttelte an der Klinke. Verschlossen. Sie war eingesperrt, auch das noch. Mit raschem Blick durchmaß sie das halbdunkle Zimmer. Ein Fenster, unvergittert, mit niedriger Brüstung. Mit wenigen Sprüngen hatte sie das Fenster erreicht und starrte hinaus. Es ging mehrere Meter auf einen fackelerleuchteten Hof hinab. Ein Gewirr aus Menschen und Pferden befand sich darin. Offensichtlich war jemand angekommen. Shannon zwang sich zur Ruhe und versuchte Einzelheiten auszumachen. Ein Großteil der Männer im Hof waren offensichtlich Soldaten, Pferde wurden in die Ställe geführt, Gepäck entladen. Über die Geräuschkulisse hinweg konnte sie Fetzen eines erregten Wortwechsels unmittelbar unter ihrem Fenster erkennen. Sie beugte sich weiter vor um besser hören und sehen zu können. "Verdammt, wie oft habe ich dir gesagt dass ich dich hier nicht mehr sehen will?" Die Stimme gehörte eindeutig dem Herrn von Dungaire Castle der jetzt mit schlammbespritzten Stiefeln, die Hände in die Hüften gestemmt im Hof unterhalb ihres Fensters stand. Das Fackellicht ließ seine Augen zornig aufblitzen. Mit aufgebrachter Miene starrte er zu der Gestalt hoch, die im dunklen Kapuzenumhang reglos auf einem schwarzen Pferd vor ihm saß. Das Pferd tänzelte leicht und wurde von seinem Reiter mit sicherer Hand zur Ruhe gebracht. Die Erwiderung des Reiters war zu leise um sie verstehen zu können, die Antwort des Burgherrn konnte sie jedoch klar und eindeutig verstehen. "Ja! Ja, sie ist hier. Ich weiß nicht warum! Aber ich danke allen Göttern dafür und ich möchte dass du zum Teufel gehst". Das Pferd wurde wieder unruhig und so entging Shannon die Stimme des Reiters erneut. Es gab keinen Zweifel, die beiden Personen sprachen über sie, Shannon, und die Gestalt auf dem Pferd wusste von ihr. Das markante Gesicht des Herrn von Dungaire Castle, nahm einen Ausdruck kalter Wut an. "Was immer du auch in der alten Heimat jemals gewesen sein magst und völlig egal was du irgendwann vielleicht mal wirst. Hier, heute und in dieser Zeit habe ich die Oberhand, verfüge über Besitz und Macht und sei versichert, ich werde dich bekämpfen bis aufs Blut, wenn du mir in die Quere kommst. Sie hat gelitten, sie soll hier Ruhe finden." Wieder eine unverständliche Antwort. Das zornige Gesicht des Burgherrn wurde etwas weicher "Ich weiß. Wir alle haben gelitten, auch du und ja, du hast recht, sie ist vom selben Blut wie alle Frauen Ihrer Familie." Dann wurde seine Stimme wieder hart und laut "und es ist mir völlig gleichgültig ob es dich zerreißt oder nicht, ich will sie, diesmal will ich sie." Das Pferd scheute vor dem plötzlichen Wutausbruch, tänzelte um den Herrn von Dungaire Castle herum und stieg. "Du magst in dieser Zeit der gefürchtetste Söldnerführer der Insel sein, aber.. "Die Kapuze rutschte vom Haar des Reiters,  Fackellicht ließ rotglühende Funken über sein langgewelltes Haar flirren. Shannon schwindelte, wie aus weiter Ferne hörte sie den letzten Satz "Ich schwöre dir Cal, Bruder oder nicht, ich bringe dich um, wenn du mir in die Quere kommst, ich lasse nicht mehr von dir übrig als von deiner Maschine!"

..auf Dungaire Castle.""Dungaire Castle?". Shannons Gedanken machten Purzelbäume.
"Das ist nicht möglich. Dungaire Castle ist nicht bewohnbar." Das junge blonde Mädchen runzelte die Stirn." Ihr solltet Euch noch ein wenig ausruhen. Ich werde meinen Herrn holen, damit er mit Euch reden kann." Lynn nahm ihre Stickerei und verließ das Zimmer, ehe Shannon reagieren konnte. Seufzend kuschelte sie sich tiefer in das riesige Bett hinein und schaute um sich. "Shannon", dachte sie bei sich, "du bist nun endgültig völlig wahnsinnig geworden. Jetzt liegst du hier, schwanger wie du bist, mit einem gebrochenem Herzen in diesem riesigen Bett, für das jeder Antiquitätenhändler sein Leben geben würde, und schaust dir steinige Wände mit Wandbehängen an, die es eigentlich höchstens im Museum geben dürfte. Was tue ich eigentlich hier und wer hat mich..." Erschrocken hob Shannon die Bettdecke hoch. Irgend jemand hatte sie in ein gelbliches Nachthemd gesteckt und wie sie feststellte ansonsten völlig nackt gelassen. "Na prima. Jetzt hat dich also einer dieser schlechten mittelalterlichen Schauspieler auch noch nackt gesehen." Völlig genervt schlug sie die Bettdecke zurück und stand gerade in dem Moment auf, als die Tür aufging und der dunkle Fremde in das Zimmer trat. Doch diesmal bliebt Shannon nicht erstarrt stehen, sondern ging wütend mit ausgestrecktem rechten Zeigefinger auf ihn los. "Sagen sie mal, was immer sie für ein Aushilfskomiker sind, was bilden sie sich eigentlich ein, mich auszuziehen und in dieses monströse Bett zu stecken“. "Sie waren ohnmächtig“. "Das ist eine absolut inakzeptable Entschuldigung“. "Wenn es sie beruhigt, das Mädchen hat sie umgezogen". "Das Mädchen also". "Ja." Shannon stutzte und schaute ihn abschätzig von oben bis unten an. "Was sollte eigentlich diese Schatten-nummer. Kein Wunder, das ich in Ohnmacht gefallen bin." Soll der Gute sich ruhig schlecht fühlen. Sie musste ja schließlich nicht jedem auf die Nase binden, dass sie schwanger war. Schwanger von Cal, der nie mehr zurück kommen würde.

                    Steffi (Bücherkiste)

Ihr Gegenüber hob indigniert eine Augenbraue "Schattennummer? Sie müssen stärker mit dem Kopf aufgeschlagen sein als ich dachte. Ich weiß nicht wovon sie sprechen." Shannon hielt inne, die Gedanken rasten in ihrem Kopf. Was wurde hier gespielt? Plötzlich war sie auf der Hut. Stumm fixierte sie den breitschultrigen Mann. Er log. Sie wusste nicht woran sie es erkannte aber sie war sich absolut sicher. Er log und wusste sehr genau wovon sie sprach. Plötzlich fühlte sie ihr Herz im Hals klopfen und versuchte einen unauffälligen Schritt zurück zu machen. Shannon hob den Kopf und starrte ihm ins Gesicht, ihre Nackenhaare sträubten sich. Von dem Mann schien die gleiche bedrohliche Präsenz auszugehen, die sie an der Erscheinung in ihrem Wohnzimmer bemerkt hatte. Aber hier fehlte das Gefühl der Vertrautheit und der Geborgenheit dass sie damals als Erstes wahrgenommen hatte. Es war nicht ganz die gleiche Aura, schien nur ein Teil davon zu sein, etwas fehlte. Sie zuckte zusammen als sie einen festen Griff um ihren rechten Oberarm spürte, sie dachte dass es wehtun würde, aber der erwartete Schmerz blieb aus." Sie schwankte. Es geht ihnen noch nicht gut. Legen sie sich wieder hin. Ich werden später alle ihre Fragen beantworten aber zuerst müssen sie sich ein bisschen ausruhen. Vielleicht haben sie auch eine Gehirnerschütterung." Erstaunlich sanft schob er sie zu dem Bett zurück und drückte sie auf die Liegestatt nieder. Überrumpelt ließ sie es widerstandslos geschehen, ihre Wut war für den Moment verraucht und hatte einer abgestumpften Verwirrung Platz gemacht. Sie sah zu dem Fremden hoch und stellte mit seltsam leidenschaftsloser Distanz fest dass er sie besorgt ansah. Sie fühlte plötzliche Resignation, sie wollte weinen, sie wollte ihre Ruhe, sie wollte auf diesen Fremden einschlagen, sie wollte sich an ihn lehnen und ihren Schmerz herauslassen. Und weil sie nicht wusste was sie jetzt wollte oder tun sollte tat sie gar nichts. Der Griff um ihren Arm lockerte sich als er vor ihr in die Knie ging. Ein weicher Zug umspielte seine Lippen als er ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht wischte und mit dem Daumen seiner linken Hand über ihr Jochbein strich." Sie brauchen sich nicht zu fürchten. Bitte, versuchen sie etwas zu Kräften zu kommen, dann können wir reden." Oh verdammt, sie spürte wieder diesen Kloß im Hals. Das war wohl alles ein bisschen zuviel auf einmal gewesen. Ihr Kopf sank nach vorne und lautlos liefen ihr Tränen über das Gesicht, sie schluchzte nicht, sie zitterte nicht, es waren einfach nur Tränen der Erschöpfung die unaufhaltsam ihre Wangen herabströmten. Shannon spürte wie die kräftige Hand des Mannes über ihr Haar strich und er ihren Nacken mit sanftem Druck zu sich zog, bis ihre Stirn an seiner Schulter lag.

Lange Minuten verharrte sie bewegungslos, ohne ein Wort zu sagen, weinte nur an seiner Schulter. Schließlich drückte er ihr sanft ihren Kopf zurück. "Bitte, sie müssen sich jetzt ausruhen. Schlafen Sie, ich werde ihnen das Mädchen schicken damit es ich um sie kümmern kann. Morgen werde ich wieder nach Ihnen sehen." Er stand auf blickte noch einen Moment auf sie herab, dann wandte er sich zur Tür, öffnete sie und wechselte einige Worte mit jemandem der davor stand. Er verließ den Raum ohne sich noch einmal umzusehen. Shannon ließ sich auf das Bett zurücksinken und atmete tief durch. In Ihrem Kopf jagten sich die Gedanken.

Irgendetwas stimmte hier nicht, irgendetwas war hier gar nicht stimmig, wenn sie es doch nur zu fassen kriegte... Mit einem Ruck setzte sie sich auf dem Bett auf "Sie!" er hatte das moderne "Sie" bei ihr benutzt und das Wort "Gehirnerschütterung" gebraucht. Das gehörte nicht hierher. Sie sprang vom Bett auf, rannte zur Tür und rüttelte an der Klinke. Verschlossen. Sie war eingesperrt, auch das noch. Mit raschem Blick durchmaß sie das halbdunkle Zimmer. Ein Fenster, unvergittert, mit niedriger Brüstung. Mit wenigen Sprüngen hatte sie das Fenster erreicht und starrte hinaus. Es ging mehrere Meter auf einen fackelerleuchteten Hof hinab. Ein Gewirr aus Menschen und Pferden befand sich darin. Offensichtlich war jemand angekommen. Shannon zwang sich zur Ruhe und versuchte Einzelheiten auszumachen. Ein Großteil der Männer im Hof waren offensichtlich Soldaten, Pferde wurden in die Ställe geführt, Gepäck entladen. Über die Geräuschkulisse hinweg konnte sie Fetzen eines erregten Wortwechsels unmittelbar unter ihrem Fenster erkennen. Sie beugte sich weiter vor um besser hören und sehen zu können.

"Verdammt, wie oft habe ich dir gesagt dass ich dich hier nicht mehr sehen will?" Die Stimme gehörte eindeutig dem Herrn von Dungaire Castle der jetzt mit schlammbespritzten Stiefeln, die Hände in die Hüften gestemmt im Hof unterhalb ihres Fensters stand. Das Fackellicht ließ seine Augen zornig aufblitzen. Mit aufgebrachter Miene starrte er zu der Gestalt hoch, die im dunklen Kapuzenumhang reglos auf einem schwarzen Pferd vor ihm saß. Das Pferd tänzelte leicht und wurde von seinem Reiter mit sicherer Hand zur Ruhe gebracht. Die Erwiderung des Reiters war zu leise um sie verstehen zu können, die Antwort des Burgherrn konnte sie jedoch klar und eindeutig vernehmen. "Ja! Ja, sie ist hier. Ich weiß nicht warum! Aber ich danke allen Göttern dafür und ich möchte dass du zum Teufel gehst". Das Pferd wurde wieder unruhig und so entging Shannon die Stimme des Reiters erneut. Es gab keinen Zweifel, beide Personen sprachen über sie, Shannon, und die Gestalt auf dem Pferd wusste von ihr. Das markante Gesicht des Herrn von Dungaire Castle nahm einen Ausdruck kalter Wut an". Was immer du auch in der alten Heimat jemals gewesen sein magst und völlig egal was du irgendwann vielleicht mal werden wirst. Hier, heute und in dieser Zeit, habe ich die Oberhand, verfüge über Besitz und Macht und sei versichert, ich werde dich bekämpfen bis aufs Blut, wenn du mir in die Quere kommst. Sie hat gelitten, sie soll hier Ruhe finden". Wieder eine unverständliche Antwort. Das zornige Gesicht des Burgherrn wurde etwas weicher "Ich weiß. Wir alle haben gelitten, auch du und ja, du hast recht, sie ist vom selben Blut wie alle Frauen Ihrer Familie." Dann wurde seine Stimme wieder hart und laut "Und es ist mir völlig gleichgültig ob es dich zerreißt oder nicht, ich will sie, diesmal will ich sie." Das Pferd scheute vor dem plötzlichen Wutausbruch, tänzelte um den Herrn von Dungaire Castle herum und stieg. "Du magst in dieser Zeit der gefürchtetste Söldnerführer der Insel sein, aber.." Die Kapuze rutschte vom Kopf des Reiters, flackerndes Fackellicht ließ rotglühende Funken über sein langgewelltes Haar flirren. Shannon schwindelte, wie aus weiter Ferne hörte sie den letzten Satz "Ich schwöre dir Cal, Bruder oder nicht, ich bringe dich um, wenn du mir in die Quere kommst, ich lasse nicht mehr von dir übrig als von deiner Maschine!"

                           Pat

Erschüttert sank Shannon auf die niedrige Brüstung und tastete nach einem Halt. "Cal, ihr Cal, der Vater ihres ungeborenen Kindes hier ?? Und was bedeutet dieses alles?? Wie kann ein mittelalterlicher Burgherr etwas von Gehirnerschütterungen und Motorrädern wissen ??" Träumte sie dies alles, verlor sie jetzt wirklich den Verstand. Mühsam ein hysterisches Kichern unterdrückend, zwang sich dazu, die Fakten zu sortieren: Eine mittelalterliche Umgebung, ein Schrecken einflößender Burgherr, der nicht so recht in die Zeit passen will, und Cal? Wie passte dies zusammen: Filmaufnahmen, ein Riesenkomplott, dessen Ursache oder Ausmaß sie nicht erkennen konnte, oder wirklich das unglaubliche: Etwas widernatürliches, das die Grenzen der Zeit aufhob.

Schaudernd ging sie zurück zum Bett und kuschelte sich in die weiche Daunendecke. So kam sie nicht weiter. Also konzentrierte sie sich auf das, das greifbarer schien: Der Burgherr und sein Bruder, Cal...  Obwohl ihr Verstand sagte, dass es unmöglich sei, wusste ihr Herz, dass der Reiter auf dem schwarzen Pferd ihr Cal war. Wieder klang ihr seine Stimme "Ich komme wieder, Cara, ich schwöre dir, ich komme wieder" im Ohr. Sie erinnerte sich an die Bilder und Geschichten über die Geliebten ihrer Vorfahren. Ein weiteres Puzzlestück fiel zögernd im sich abzeichnendem Muster an seinen Platz. Die Bemerkung über das Blut der Frauen ihrer Familie.. auch dies passte. Gut, als Historikerin traf sie ihre erste Annahme: Es gab eine Gemeinsamkeit zwischen den Frauen in Ihrer Familie, was die Männer angeht und es handelte sich tatsächlich um Cal. Als sie diese Schlussfolgerung, so abwegig sie auch zu sein schien, mit den Gesprächsfetzen ergänzte, die sie eben aufgefangen hatte, wurde sie noch blasser. Nicht nur, dass der Burgherr für den Unfall von Cal verantwortlich zu sein schien, er wollte sie anscheinend selbst besitzen. "Verdammt, ‚besitzen' , fang' ich jetzt schon, wie ein mittelalterliches Burgfräulein zu denken.", fragte sie sich. Sie stand wütend auf und näherte sich erneut dem Fenster. Als sie sich nochmals leicht nach vorne beugte, bemerkte sie etwas, was ihr vorher entgangen war: Ein schmaler Sims führte unterhalb des Fensters entlang. Kurzentschlossen ließ sie sich aus dem Fenster gleiten und prüfte vorsichtig die Breite und den Zustand dieses Sims. Zum Glück war sie nicht übermäßig groß, so dass sie einen fast sicheren Halt fand. Die Bauweise der Burg mit den großen, unregelmäßigen Quadern
ermöglichten ihren Händen einen guten Halt. Damit war für Shannon die Sache klar. Weiteres Warten würde ihr außer einem erneuten unerfreulichen Gespräch mit dem furchteinflößenden Burgherren nichts bringen, sie musste versuchen zu Cal zu gelangen. Froh, die Lethargie, die sie seit der Nachricht von seinem Unfall zu umfangen schien, endlich durchbrochen zu haben, machte sie sich auf den Weg. Vorsichtig tastete sie sich auf dem Sims zunächst nach links. Nach wenigen, vorsichtigen Schritten kam sie zu einer Ecke, diese zu Umrunden erforderte ihre ganze Konzentration und Balancefähigkeit. In Gedanken bedankte sie sich bei ihrem ehemaligen Karatetrainer, der sie immer wieder auf die Bedeutung des "Sicheren Standes" hingewiesen hatte.
Wer hätte gedacht, wofür diese Übungen noch mal gut sein würden, dachte sie mit einem flüchtigem Grinsen. Im nächsten Moment bemerkte sie, dass sie eine weitere Entscheidung treffen musste: Sollte sie durch die nächste Fensteröffnung zurück in die Burg klettern oder versuchen über das Dach des angrenzenden Stalls den Boden zu erreichen? Obwohl das Fenster der einfachere Weg zu sein schien, dachte sie daran, was dort erwartete, ein Gewirr von Gängen und ein unheimlicher Burgherr, während sie unten die Hoffnung hatte, Cal wieder zu finden, damit war ihre Entscheidung gefallen.....

                  Steffi

Shannon lehnte im Schutz eines Erkers an der Wand. Sie konnte den Innenhof überblicken und musste feststellen, dass die Zugbrücke hochgezogen war, aber schlimmer war um dort hinzugelangen musste sie quer über den Hof. Sie kannte Dungaire Castel als Ruine und dies war ihr in dieser Situation nicht sehr hilfreich. Einmal war sie im Alter von 5 Jahren dort gewesen, damals, mit Ihrer Mutter. Shannon erinnerte sich, dass Ihre Mutter an diesem Tag ungewöhnlich still war und an die bedrohliche Stille die über diesem Ort lag. Weder sie noch ihre Mutter ist jemals wieder auf Dungaire Castel. Und jetzt stand sie hier über die Geschehnisse fröstelnd und nur mit einem hellen Nachthemd bekleidet. Schnell lief sie in den Stall. In einer der Boxen fand sie Truhe mit Sachen. Sie zerrte eine Art Reithose heraus und zog sie sich an, das Nachthemd riss sie auf der Höhe ihrer Oberschenkel ab und steckte es in die Hose, warf sich dann einen Umhang über, damit sie das Dunkel der Umgebung annahm. Shannon sattelte eine braune Stute und führte sie langsam aus dem Stall.

                     Silke G

Im Schatten der Dunkelheit hielt sie einen Moment inne. Sie ballte eine Hand zur Faust und biss sich auf die Knöchel. Ganz ruhig jetzt, nachdenken! Ein rascher Blick über das Gelände zeigte ihr, dass die meisten Soldaten jetzt den Hof verlassen hatten und wohl in der großen Halle damit beschäftigt waren ein Nachtquartier aufzuschlagen. Weder von Cal noch von ihrem fremden Gastgeber war eine Spur zu entdecken. Während ihres gefährlichen Abstiegs hatte sie nicht verfolgen können wohin die beiden Männer wohl gegangen sein mochten. Vereinzelt huschten Bedienstete über das Pflaster und gingen eilig ihren Geschäften nach. "Essen." dachte sie. "Ich brauche etwas zu Essen um bei Kräften zu bleiben. Ich brauche angemessene Kleidung, in Hosen und Nachthemd werde ich auffallen wie ein bunter Hund. Und Informationen, ich brauche Informationen um mich unauffällig bewegen zu können." Die Gedanken kamen schnell, präzise und glasklar. Ihr scharfsinniger Verstand ließ sie auch diesmal nicht im Stich. "Und ich darf mich nicht allzu weit von der Burg entfernen, wenn ich beobachten will was sich hier abspielt." Aber die Burg verlassen das musste sie. Sie musste sich dem unmittelbaren Einflussbereich des Lords von Dungaire Castle entziehen, wenn sie nicht wieder in einer Kammer eingesperrt landen wollte. Die beiden Männer hatten gestritten, das bedeutete wohl, dass es nicht allzu lange dauern würde bis zumindest Cal die Burg wieder verlassen musste, vielleicht noch in dieser Nacht, vielleicht erst am nächsten Morgen. Wenn sie sich außerhalb der Mauern versteckte und das Tor im Auge behielt, konnte sie ihn abfangen, sobald er sich weit genug aus Sichtweite der Burg entfernt hatte. "Söldnerführer!" dachte sie und schüttelte ungläubig den Kopf, obwohl es niemand sehen konnte. Cal sollte der Anführer all dieser Soldaten hier sein? Ein Mann der sein Schwert und seine Männer gegen Lohn zur Verfügung stellte? Ihr wirbelte der Kopf. Ja, er kannte sich mit Waffen aus, hatte ein erstaunliches Talent damit umzugehen und immer sorgfältig darauf geachtet sein Geschick ständig zu üben, aber Shannon hatte das für eine Marotte gehalten, zumindest bis heute. Sie dachte flüchtig an seine fürsorgliche, Vertrauen einflößende Art und seine Abneigung gegen unnötige Gewaltanwendung. Er konnte kein bezahlter Killer sein, unmöglich, das wusste sie so sicher wie die Tatsache dass sie fünf Finger an einer Hand hatte. "Was auch immer du in der alten Heimat jemals gewesen sein magst und völlig egal was du irgendwann vielleicht einmal werden wirst..." klang es in ihren Ohren nach. Sie seufzte innerlich, dieses Geheimnis würde wohl noch etwas warten müssen, es gab dringendere Anliegen. Das Pferd würde sie mitnehmen, überlegte sie, sie konnte sich außerhalb des Tores ein Versteck zur Beobachtung suchen und das Pferd davonjagen. Man würde das Fehlen des Tieres bemerken und seiner Fährte folgen. Mit ein bisschen Glück würde man annehmen sie sei zu Pferde geflüchtet und die Verfolgung der reiterlosen Stute würde ihr Zeit verschaffen und ihre Spur verwischen. Sie setzte sich in Bewegung und hatte das unangenehme Gefühl dass tausend Augen auf ihren Rücken gerichtet waren. Noch
fünfzehn Meter bis zum Tor, noch zehn... "Meine Dame, was tut ihr hier?" Shannon erstarrte, Eiseskälte breitete sich in ihrem Bauch aus als sie sich umwandte und dem abschätzenden Blick des Mädchens Lynn begegnete.

                             *

Cal seufzte und warf seine Satteltaschen in eine Ecke des kahlen Raumes. Das Zimmer war nur mit dem Nötigsten ausgestattet, ein Tisch an der Wand, eine Kerze darauf, deren Flämmchen nur spärliches Licht spendete, daneben ein Krug mit Wasser, ein Stuhl, in der Ecke ein eilig hergerichtetes Lager. Es brannte kein Feuer im Kamin, eine dünne Staubschicht bedeckte den Fußboden. Der Raum war lange nicht benutzt worden und strömte die muffige Kälte aus welche leerstehenden Zimmern zu eigen war. Er sah sich um und fuhr sich mit der Rechten übers Gesicht. Was hatte er erwartet? Dass sie seine Räume so gelassen hatten wie damals als er fortging? Ein unnötiger Aufwand, niemand hatte erwartet dass er je hierher zurückkehren würde. Nun, auch wenn sein Bruder nicht erfreut gewesen war, das Nachtlager zumindest hatte er ihm nicht verwehrt. Mit langsamen Handgriffen löste er die Spange die den Umhang an seinem Hals schloss und warf das Kleidungsstück über das Lager. Dann ließ er sich auf den einzigen Stuhl fallen. Das schwarze Leder seiner Kleidung verschmolz fast mit in der Dunkelheit des Raumes. Er fühlte sich müde, so müde und ausgelaugt. Nichts hätte ihn an diesen Ort zurückgebracht, aber dann war sie hergekommen, zum Greifen nahe. Es hätte nicht sein dürfen, er wusste nicht wie das geschehen konnte. Es war noch niemals so geschehen, aber trotzdem war sie hier. Sie war hier, nach all dieser Zeit die seit seinem Unfalltod vergangen war. Nach all diesen Jahren in denen er hier gelebt und sich nach ihr gesehnt hatte, diesen Jahren verzweifelten Suchens nach einer Möglichkeit, zu ihr zurückzukehren. Überzeugt, sie niemals wiederzusehen, denn sie gehörte in eine andere Zeit, in ein anderes Leben, doch unfähig sie zu vergessen. Und das erstemal seit Jahren, seit ihrer
erbitterten Auseinandersetzung, hatte er wieder seinem Bruder gegenübergestanden. Er bewegte seine verspannten Schultern und legte den Kopf in den Nacken, lehnte ihn an die Wand und schloss die Augen. "Ach Sic," dachte er, den Bruder mit dem Kosenamen ihrer lange zurückliegenden Kindheit anredend "warum musste es so kommen? Was haben wir getan?" Ein schmerzhaftes Gefühl der Trauer überkam ihn, als er an die breitschultrige, dunkle Gestalt seines Bruders dachte. "Du bist mein Bruder und ich liebe dich, aber ich kann sie dir nicht lassen. Von all den Generationen Frauen der Familie Flynn kann ich dir sie nicht lassen. Ich liebe sie." er fühlte wie es ihm die Kehle zuschnürte. "Shannon." flüsterte er leise ihre Namen in die Dunkelheit. "Ich liebe sie, Bruder, diese Frau besitzt meine Seele und wenn einer von uns dafür endgültig sein Leben lassen muss, dann soll es so sein." Eine einzelne heiße Träne löste sich unter seinen geschlossenen Lidern und rann langsam sein unbewegtes Gesicht hinab. Pat Alec stapfte wütend zurück in die Halle und ging zum Kamin um sich zu wärmen, obwohl er innerlich fror. Dieses Gespräch mit seinem Bruder Cal hat den ganzen Zorn in ihm wieder zum Lodern gebracht. Sein Blick fiel auf das Gemälde über ihm. Sie war wunderschön - dichtes, rotes Haar und dieser Blick! Er hörte, wie sie zu ihm sprach, "Du kannst Liebe nicht erzwingen, Alec. Sie ist ein sehr kostbares, zerbrechliches Geschenk." "Aber ich liebe dich!", "Nein, Alec, deine einzige Liebe ist Dungaire Castle, so wie du deine Burg besitzt, so möchtest auch du mich besitzen". Das brennende Holz im Kamin fiel ineinander und er erschrak. Nein, sagte er sich, jetzt hatte er eine zweite Chance, er musste nur sehr schnell Cal loswerden. Er tastete nach dem Schlüssel, sollte er zu ihr gehen? Es war ein wunderbares Gefühl gewesen, als sie zart ihren Kopf an seine Schulter gebettet hatte. Ja, seine Zeit war gekommen und nichts konnte ihn aufhalten. Entschlossen wandte er sich nach rechts und mit Riesenschritten nahm er die Treppen, die zu ihrem Zimmer führte. Ungeduldig schloss er auf und betrat das Zimmer... Maria welches von einem verglühenden roten Schein aus dem Kamin nur noch schwach erhellt wurde. Leer! Mit einem schnellen Blick hatte er erfasst dass sie längst nicht mehr hier war. Er eilte zu dem Bett und legte die Hand darauf. Kalt, also war sie nicht gerade eben erst verschwunden. Eine Mischung aus Angst und Zorn wallte in ihm hoch, trübte seine Sicht mit roten Nebeln unbändiger Wut. Er wirbelte auf dem Absatz herum und stürmte aus dem Raum.

                              *

Die Tür flog mit einem Krachen an die Wand, begleitet von einem unmenschlichen Wutschrei fuhr eine scharfe Schwertklinge tödlich sirrend auf den Stuhl herab. Wo Cal noch Sekundenbruchteile zuvor gesessen hatte lagen zwei sauber zerteilte Stuhlhälften. Cal rollte sich ab und kauerte sprungbereit am Boden, das Gesicht noch eine verwirrte Maske der Überraschung, der Körper eine selbständig reagierende Stahlfeder. Alec wirbelte herum, Körperdrehung und Schwerthieb eine Bewegung, fuhr die schwere Klinge herab und verfehlte Cal erneut um Haaresbreite. Alec keuchte, seine Augen blickten wild, "Wo ist sie?" brüllte er "Heraus damit." Cal federte aus der Bewegung hoch, hechtete an Alec vorbei und zog mit einer fließenden Bewegung seine eigene Waffe. "Alec, was ist geschehen? Antworte mir!" Ohne auf seine Worte zu achten drang der Herr von Dungair Castle erneut auf seinen Bruder ein. "Gib sie zurück!" Cal wich den Hieben aus und wehrte sie ab ohne selbst anzugreifen. Die unbeherrschte Wut der Verzweiflung verlieh Alecs Schlägen zerstörerische Wucht, nahm ihnen jedoch jegliche Kunstfertigkeit. "Alec!" brüllte Cal "komm zu dir!" Alecs Deckung war praktisch nicht vorhanden, Cal hätte ihn töten können und für einen schrecklichen Moment gewann der Instinkt des Kämpfers in ihm die Oberhand. Er führte seine Klinge mit tänzerischer Leichtigkeit durch die klaffende Lücke in Alecs Deckung, die Schneide fuhr auf Alecs Kehle zu. "Nein!" gellte es in Cals Kopf, und mit einer winzigen Bewegung verriss er die Waffe. Dicht über den Parierstangen prallten die Schwerter aufeinander, verharrten in zitterndem Kampf. Über die gekreuzten Klingen hinweg starrten sich die beiden Männer in die Augen, die Gesichter nur einen Atemzug weit voneinander getrennt. "Alec," flüsterte Cal eindringlich, "Alec, dies wäre das endgültige Ende." Keuchende Atemzüge füllten die Stille des Raumes. "Komm zu dir Sic," wisperte er noch einmal und hielt den Atem an. Der funkelnde Wahnsinn in Alecs Augen zersplitterte, die Maske der Wut auf seinem Gesicht zerbrach, als er das Schwert sinken ließ. "Sie war oben in einem der Gasträume an der Hofseite." erklärte er mit tonloser Stimme "Ich hatte die Tür verriegelt." "Du hast sie eingeschlossen? In einem der Gasträume?" "Zu ihrer eigenen Sicherheit. Aber sie ist verschwunden." Cal schnaubte kurz "Natürlich ist sie verschwunden. Was hast du erwartet Alec? Shannon ist jung und kräftig, sie betreibt seit ihrer Kindheit Kampfsport und hat einen Universitätsabschluss in Geschichte. Sie ist schwindelfrei und jeder dieser Zimmer hat ein Fenster durch das du ein Fohlen treiben könntest. Trau `ihr ein bisschen Grips zu." "Sie schien krank und erschöpft zu sein, ich habe nicht damit gerechnet, dass sie, soviel Initiative entwickelt." Alec ließ den Kopf sinken und setzte sich auf das Bett. Cal schüttelte den Kopf "Sie stammt schließlich aus dem zwanzigsten Jahrhundert" entgegnete er, "eigentlich müsstest Du dich noch daran erinnern können, dass die Sitte junge Frauen einzusperren dort stark aus der Mode gekommen ist." fügte er ironisch hinzu. Alec warf ihm einen schrägen Blick zu und zuckte mit den Schultern. "Es ist lange her dass ich ein Leben im Zwanzigsten hatte, auch wenn es ein paar Jahre länger war als deines." "Ich weiß." Cal seufzte "Trotzdem sollten wir sie schnell finden. Wie auch immer das ausgehen wird. Ich möchte nicht unbedingt in ihrer Haut stecken und als junge Frau mittellos und ohne Ahnung, wo ich bin dort draußen umherirren." er machte eine Handbewegung zu dem schmalen Mauerschlitz der das einzige Fenster des Raumes darstellte. Dahinter war nur schwärzeste Nacht zu sehen. Alec erhob sich und straffte die Schultern, seine Gedanken schweiften zu dem Porträt in der Halle. "Sie sieht Katryn so ähnlich. Sie könnte es fast sein." murmelte er mit rauher Stimme. "Ja," gab Cal zurück und schluckte an dem plötzlichen Kloß in seinem Hals. "Sie ist ja auch ihre ich-weiß-nicht-vieviel-Ur Enkelin. Die Familienähnlichkeit ist diesesmal wirklich erschütternd." "Weißt Du, ich höre sie noch immer mit mir sprechen." gestand Alec ein. Cal entgegnete nichts, er hatte keine Worte dazu. Die Frauen der Familie Lynn. Ihr Schicksal war untrennbar mit ihnen verbunden, und manchmal stand dies wie ein nacktes Schwert zwischen Ihnen. Ein Schwert dass irgendwann herabschlagen und einen von Ihnen endgültig töten würde, irgendwann. "Geh nach unten," sagte er leise zu Alec, "gib den Befehl zu packen, wir sollten im Morgengrauen aufbrechen ehe sie zuviel Vorsprung hat. Und - sie wird eine Erklärung wollen, wenn wir sie finden sollten." Alec nickte "Das fürchte ich auch."

              Pat

"Aber wir können nicht so lange warten", appellierte Alec an Cal, "Du weißt doch welche Gefahren da draußen lauern, was bist Du für ein Mensch, das Du Shannon bis morgen früh alleine in der Dunkelheit umherirren lassen würdest?" Alec drehte sich auf dem Absatz herum und rannte in die Halle. Er brüllte Befehle und seine Krieger gehorchten sofort. Er war ein strenger Herr, aber immer gut zu ihnen. Alec wandte sich ab und ging in seine Kammer um nach Kleidung für Shannon zu suchen, sie war schließlich in ihrem Nachtgewand geflohen. Als er die alte Truhe öffnete in der er Katryns alte Kleider aufbewahrte schien es, als ob sich ihr Geist aus ihr erhob. Er schüttelte jeglichen Gedanken ab, er wollte Shannon helfen, er wollte sie nicht wieder seinem
gedankenlosen Bruder überlassen. Wegen Cal war Katryn umgekommen, wegen Cal und seiner eigenen Engstirnigkeit. Diesmal wollte er es besser machen. Wollte die Frau beschützen. Er griff nach einem schweren, wärmespendenden Samtgewand und verließ die Kammer wieder. Cal stand am Ende des Ganges und beobachte wie Alec wieder sein Zimmer verließ. Alec durfte Shannon nicht vor ihm finden, aber was sollte er tun. Doch Alec war der Herr des Schlosses und seine Krieger waren in der Überzahl. Er folgte ihm langsam und beobachtete das nun auch Alec vorhatte das Schloss zu verlassen.

Blitzschnell reagierte Shannon. Rein instinktiv erkannte sie ihre einzige Hoffnung. Sie wendete einen Handkantenschlag an, bei dem das Opfer das Bewusstsein verlor. Lynn entglitt sanft in das Reich der Träume und sackte in sich zusammen. Shannon konnte sie gerade noch auffangen, so das sie nicht ganz auf den Boden schlug. Das war ganz schön schwierig, auch durch die Tatsache, dass sie das Pferd immer noch am Zügel hielt. Sie war nahe eines Strohhaufens, und dorthin zerrte sie nun das Mädchen, während ihr die Stute gutmütig folgte. Sie legte die Zofe dort ab und bedeckte sie mit etwas Stroh. "So, dass dürfte genügen." Immer wieder sah sie sich um ob nicht doch jemand auf den Hof treten würde, aber es rührte sich nichts. Doch plötzlich hörte sie eine Art brüllen. Sie sah, dass Fackeln in der Burg angezündet wurden. Man musste ihre Flucht entdeckt haben. Wo war nur Cal? Er war der einzige der ihr helfen konnte. Sie verstand zwar noch immer nicht ganz wie er und sie hier her gekommen waren. Sie wusste nur eines, sie brauchte ihn und zwar dringend. Der Herr von Dunguaire Castle machte ihr Angst, ihm wollte sie auf keinen Fall wieder begegnen. Sie schaute sich um und entdeckte ganz in ihrer Nähe eine Art Carport. Es stand aber kein Auto darin, sondern zwei Kutschen und viel Gerümpel, das sie in der Dunkelheit nicht genau erkennen konnte. Die Stute am Zügel lief sie darauf zu. "Komm mit Pferdchen, wir müssen uns verstecken." Sie konnte nur noch nach vorne laufen und hoffen, das sie rechtzeitig in den Schutz des dunklen Unterstandes fliehen konnte. Ein Glück das sie sich aus
dem Gefühl heraus das frommste Pferd genommen hatte. Sie zog fester an den Zügeln und erreichte die erste Kutsche. Sie führte das Pferd dahinter und hoffte, dass sie nicht entdeckt werden würden. Mit angehaltenem Atem beobachtete was dann geschah. Im gleichen Moment als sie hinter der Kutsche verschwand wurde die große Eingangstür der Burg geöffnet und eine Horde Soldaten stürmte heraus in Richtung Stall. Lärm erfüllte die Burg und den Hof. Im Stall hatte auch schon jemand die Fackeln entzündet, so das anzunehmen war, das die Pferde gesattelt wurden. Sie betete, das niemand die Stute vermisste.

                               *

Die Zugbrücke wurde heruntergelassen und jemand öffnete das Fallgitter. Eine Gruppe von zehn Reitern trat aus dem Stall und stieg auf. Die Männer würden direkt an ihr vorbei reiten müssen. Sie drückte sich tiefer in den Schatten. Plötzlich kam ihr ein Gedanke. Wenn sie sich den Reitern anschließen würde könnte sie aus der Burg entkommen. Sie musste schnell handeln. Vielleicht würde ihre Flucht nicht bemerkt. Es war ihre einzige Chance. Blitzschnell schwang sie sich auf den Rücken der Stute machte das Pferd aufmerksam und stellte sie so gut es ging an die Hilfen, genau in dem Moment als der letzte Reiter vorbei donnerte löste sie sich aus dem Schatten und trieb ihr Pferd verzweifelt an. Sie hatte das Cape um und sich die Kapuze tief ins Gesicht gezogen und mit einem Lederband das daran befestigt war festgebunden. So konnte sie die Kapuze im wilden Galopp nicht verlieren. Keiner sollte durch ihre rote Haarmähne auf sie aufmerksam gemacht
werden. Das Pferd sprang in einen holprigen Galopp und jagte den Artgenossen hinterher. Als sie die Zugbrücke verlassen hatte, sah sie das sich die Gruppe geteilt hatte, die eine Hälfte ritt in einem weiten Bogen nach links, die andere rechts am See entlang um die Burg herum. Sie folgte der Gruppe, die sich links hielt und auf ein Wäldchen zusteuerte und lies sich nach und nach ein bisschen zurückfallen. Durch das laute Geschnaube der Pferde und Trommeln ihrer Hufe auf dem steinigen Weg viel es nicht weiter auf, als sie sich zurückfallen lies. Sie musste sich jedoch von ihnen trennen, so schnell wie möglich. Die Reiter würden bald ihr Tempo verlangsamen und nach ihr zu suchen beginnen. Und bestimmt würde auch bald eine zweite Gruppe mit Reitern oder auch ein Suchtrupp zu Fuß die Burg verlassen. Sie erspähte im Licht, welches die Fackeln der Männer vor ihr auf den Boden warfen, einen kleinen Weg der weiter vom Schloss wegführte als der auf
dem sie sich jetzt befanden. Er schien am Rande des kleinen Waldes entlang zu führen. Noch ein paar Meter, sie gab dem Pferd die Hilfen die sie in Ihrer Jugend gelernt hatte doch das Tier rannte Stur hinter den anderen her. Sie musste ihre ganze Kraft aufbieten um die Stute von den anderen Pferden zu trennen. Als sie auf dem kleinen Weg war, zügelte sie das Pferd ein wenig und ließ die Stute im Trab weiter an den Wäldchen entlang gehen...

                           Alexa

Shannon blickte über ihre linke Schulter und sah auf Dungaire Castle, sie durfte sich nicht zu weit entfernen. Als erstes würde sie sich einen Unterschlupf suchen müssen, von dem aus sie die Zugbrücke ungesehen beobachten konnte. Aber wo? Sie blickte in das Wäldchen und sah nichts außer sich von der Dunkelheit schemenhaft absetzende Bäume und Sträucher. Shannon stieg langsam vom Pferd, überlegte kurz und gab der Stute einen Klaps. Shannon stapfte blindlings ins Dickicht, sie sah fast nichts und hatte das Gefühl sich ihre Pupillen zu verrenken. Sie blieb an einer Wurzel hängen und stolperte "Kann nicht wenigstens sternenklarer Himmel sein?" zischt sie missmutig zwischen ihren Zähnen hervor. Es machte keinen Sinn weiterzugehen, testweiße kauerte sie sich an einem Baum, ja in dieser Position konnte man die momentan nach offen stehende Zugbrücke sehen. Erschöpft streckte Shannon die Beine aus und lehnte sich zurück. Sie hatte jegliches Zeitgefühl verloren, langsam verschwamm Dungaire Castel vor ihren Augen...

                       Silke G

Eine ruhige Stimme weckte sie. "Mädchen, hier kannst du nicht bleiben, sie suchen nach dir." Shannon sprang erschrocken auf und sah sich einer Frau gegenüber. Auf den ersten Blick erschien sie jung. Schlank, hochgewachsen, ein Gesicht ohne Falten. 'Seltsam', dachte Shannon, 'und doch hat sie schneeweißes Haar'. Sie standen sich gegenüber und Maßen sich mit Blicken. "Du hast die Möglichkeit, entweder du bleibst hier und sie entdecken dich oder du kommst mit mir. Denn eins ist sicher, sie werden dich finden!". "Warum willst du mir helfen? Woher weißt du wer ich bin?" Shannon schaute sich ratlos um, jeder schien sie zu kennen, nur sie kannte niemanden. Außer Cal. Ihr Herz schrie nach ihm. Automatisch legte sie die Hände auf ihren Bauch, eine beschützende Geste. Die weißhaarige Frau sah es und lächelte. "Ich heiße Katryn". Nein, das konnte nicht sein, das war unmöglich. Shannon erschauderte und schaute sich die Frau näher an. Nein, ein Zufall, Katryn ist ein sehr häufiger Name, und es hatte nichts zu sagen, dass in ihrem Stammbaum er öfters vertreten war. Auch sie hieß mit Zweitnamen Katryn. Die Frau drehte sich um und ging weiter in den Wald hinein, Shannon überlegte nicht lange, sondern eilte ihr hinterher. Sie bemerkte, dass sie sich nicht sehr weit von der Burg entfernten, eher um die Burg im weiten Bogen herumgingen. Wohin gingen sie nur? fragte sich Shannon.

Auf einmal hörten sie ein leises Singen. Katryn duckte sich und zog Shannon neben sich nieder, sie legte ihren Zeigefinger an den Mund. "Psst, das ist nur Moira, die Waschmagd, ganz harmlos, aber natürlich sollte sie uns nicht sehen."

                              *

Sie kauerten im dichten Gebüsch und hörten dem schrillen Gesang der Waschmagd zu, die ihre Wäsche in dem kleinen Fluss säuberte, und im Rhythmus mit dem schrubben vor sich hin sang: "War mal eine doofe Zofe einst bei Hofe. Konnt'n Knicks - weiter nix, was' ne Kathastrophe. trallala. Mein Liebster ist zwar, kein feiner Pinkel - ach wie wahr, aber er ist mein und das ist fein. trallala." Shannon hielt sich die Hand vor dem Mund um nicht laut loszulachen. In Katryn's Augen funkelte es auch verdächtig. "Ja" flüsterte sie, "wie glücklich sind doch die Bescheidenen" und lächelte. Moira, die Waschmagd, nahm ihren Korb und machte sich falsch pfeifend auf den Rückweg nach Dunguaire Castle. Kathryn wollte nun keine Zeit vergeuden und lief schnell weiter, Shannon hinter sich herziehend. Nun sah auch Shannon den Turm der mindestens 12 m hochragte, keine 50 m von der Burg entfernt und doch vom Wald geschützt.

                              *

"Das war mal das Turmhaus, aber jetzt traut sich keiner mehr hierher, die Leute denken, hier spukt es." Katryn kicherte vor sich hin. "Komm schnell". Shannon erinnerte sich, dass es früher in Irland sehr viele solche Towerhouses gab, Wehranlagen zur Verteidigung. Sie nahm eilig einige Stufen und betrat den Turm. Für Wohnzwecken war er zwar nicht geeignet, aber jemand hat sich hier gemütlich eingerichtet und das Beste daraus gemacht. "Wohnst du hier?" fragte Shannon. Katryn lachte "Ja, vorübergehend". Sie zeigte auf die Treppen "du kannst gern nach ganz oben steigen und feststellen, dass man von hier eine wunderbare Aussicht auf Dunguaire Castle hat". Shannon zog eine Augenbraue nach oben, 'Konnte sie denn ihre Gedanken lesen?'

                           Maria

                              *

Shannon folgte Katryn nach oben und beide beobachteten was sich auf Dunguaire Castle tat. Die Burg war hell erleuchtet und im Moment als sie sich abwenden wollten galoppierte ein einzelnes Pferd mit seinem Reiter über die Zugbrücke. "Er ist unterwegs und er wird uns finden ich habe dafür gesorgt. Jetzt werde ich Dir erst ein mal die Geschichte der O`Hines und der Flynn Frauen erzählen. Setz Dich nieder, es wird eine Weile dauern. Es wird Dir aber vieles erklären." Shannon schaute die Frau an, drehte sich dann noch einmal Richtung Burg und versuchte angestrengt zu erkennen, wer denn da kommen würde. Cal, oder der Herr von Dunguaire Castle. Von ihm kannte sie nicht einmal den Namen. Er hatte ihr auch Angst eingeflößt und viel mehr Gefühle in ihr in Aufruhr gebracht, als es jemals ein Mann getan hatte. Sie war verwirrt.

                          Alexa

"Bitte erzähl mir, was hat das alles zu bedeuten und wer bist du? Wie kam ich hierher?" "Eins nach dem anderen, Liebes. Ganz ruhig, du erfährst alles. Die Geschichte nahm seinen Lauf auf dem Fest der Beltane. Kennst du dieses Fest?" Shannon runzelte die Stirn: "Ja, es ist eine Fruchtbarkeitsgöttin und man feiert in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai."

                              *

Katryn nickte anerkennend, "Richtig, es ist zwar heidnisch und die Kirche missbilligt dies, aber in unseren Adern fließt noch eine Menge Keltenblut. Aber weiter ich schweife ab. Nun, so war es denn eines Tages in der Nacht zum 1. Mai, es wurde ausgiebig gefeiert, da standen auf einmal eine wunderschöne Frau, mit Haaren wie gesponnenes Gold und veilchenblauen Augen und zwei kleine Kinder an ihrer Seite, am Feuer. Seltsam waren sie gewandet und alle erschraken und starrten sie an. Einige dachten sie wäre eine Hexe und fingen an sie zu be- schimpfen. Doch dann trat der Herr von Dunguaire Castle hervor und beruhigte seine Leute. In diesem Moment fiel die Frau in Ohnmacht und ihre beiden Kinder fingen an zu schreien." Katryn hielt inne und schaute in die Ferne. Ein Zittern durchlief ihren Körper. Shannon hielt die Luft an, "wie ging es weiter?" flüsterte sie.

                                 *

Katryn blickte um sich, als ob sie nicht wusste, wo sie war. Sie schaute Shannon an, "Er fing sie natürlich auf" erwiderte sie energisch, "ach war das ein Anblick" seufze sie, "dieser stattliche, große Mann, vor dem sich jeder fürchtete und diese zarte, blonde Frau, ihr Haar floss über seinem Arm und er schaute sie an, als ob er noch nie eine Frau gesehen hatte. Er trug sie zu seiner Burg und die Kinder, die bei seinem Anblick zu weinen aufhörten, liefen hinterher. Er brachte sie sogleich zu seinen Gemächern, denn er wusste, dies war keine gewöhnliche Frau, sie war für ihn bestimmt." Katryn machte eine Pause, Shannon wartete gespannt, sie spürte, noch heute würde sie alles verstehen können. Katryn's Blick huschte zu ihr und mit einem Blinzeln in den Augen
meinte sie, "übrigens kennst du bereits die Kinder, es sind Alec und Cal." Shannon blieb die Luft weg und schaute sie fassungslos an.

                                        Maria

Die Gedanken schossen wie verrückt durch Shannons Kopf. Sie versuchte Fakten zu analysieren und in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, gleichzeitig wollte sie Katryn mit Fragen bombardieren. Alles, was aus ihrem Mund rauskam, war ein gestottertes: „Ja. aber, dann.. wieso.. und Du. ? Wer...“ Lachend sah Katryn in Shannons jetzt völlig verwirrtes Gesicht. „Kind, Du siehst gerade aus wie ein Schaf, wenn’s donnert.“ Lachend fuhr sie fort, als Shannon wütend aufbegehren wollte: „Keine Angst, ich habe Dir doch versprochen, Dir alles zu erklären. Es tut mir leid, ich fühle mich, als wenn ich Dich seit Jahren kenne und konnte der Versuchung, Dich ein wenig zu ärgern nicht widerstehen.“. Gerade als Katryn fortfahren wollte, hörten die beiden Frauen, dass jemand die Treppe hochgestürmt kam. „Verdammt ist der Junge schnell“, entschlüpfte es Katryn noch, als die alte, morsche Holztür mit einem wilden Schwung aufgerissen wurde. Mit wenigen Schritten durchquerte Cal das Zimmer und wollte geradewegs auf Shannon zu stürmen, als sein Blick auf Katryn fiel: „Du? Du lebst? Katryn, wieso...“ Erschüttert drehte er sich zu Shannon um, „Schatz, ich wollte nie, dass...“ er brach mitten im Satz ab, wendete sich wieder Katryn zu, um dann rückwärts nach dem letzten leeren Stuhl im Turmzimmer zu tasten, um sich zu setzen. Völlig überwältigt vom Anblick der beiden Frauen, die er mehr als sein Leben liebte und die er für immer verloren glaubte, hatte er versäumt, den Stuhl genauer zu betrachten. Prompt brach der alte, wurmstichige Stuhl unter seinem Gewicht zusammen und Cal landete in einem Durcheinander von Holzstreben und Hussestoffresten höchst unelegant auf seinem wohlgeformten Hintern. Die beiden Frauen am Fenster konnten bei diesem Anblick nicht anders als schallend loszulachen. Während bei Katryns Gelächter ein liebevoller, amüsierter Unterton mitschwang, merkte Shannon, dass mit dem Lachen lange verborgene Gefühle durch die festen Mauern, die sie um ihr Herz errichtet hatte, brachen. Der Anblick des verdutzten Mannes auf dem Boden, der der Vater ihres ungeborenen Kindes war, den sie für immer verlorenen glaubte, gleichzeitig gefangen in einem Alptraum oder in einer längst vergangenen Zeitepoche, konnte sie die wilden Schluchzer, die tief in ihrer Kehle entstanden nicht unterdrücken. Bestürzt merkten Katryn und Cal, wie Shannon in ein wildes, hysterisches Weinen ausbrach. Bestürzt blickte er Katryn an: „Ich muss mich zunächst um Shannon kümmern. Glaube nicht, dass Du wieder einfach für 100 Jahre verschwinden kannst. Jetzt wo ich auch Dich wiedergefunden habe, gibt es noch einiges zwischen uns zu klären... , Mutter.“ Das letzte Wort drohte nun auch bei ihm in einem Schluchzen unterzugehen. Behutsam schloss er Shannon in die Arme und flüsterte liebevolle Worte in ihr Ohr. „Komm‘, beruhige Dich, Schatz, ich hätte nie geglaubt, Dich wiederzusehen.“ Mit unendlicher Zärtlichkeit strich er ihr die tränenfeuchten roten Haare aus dem Gesicht. Dann trug er sie die engen Stufen runter zu seinem schwarzen Hengst. Shannon kuschelte sich noch tiefer in seine Umarmung, fand sich jedoch im nächsten Moment auf dem breiten Pferderücken wieder. Mit einem frechen Grinsen schwang sich Cal vor Ihr in den Sattel. „Ich weiß, dass dieser Friesländer Hengst nicht mit meiner 750er Suzuki mithalten kann, aber immerhin stimmt die Farbe, wenn auch das Chrom fehlt.“ „Ich bitte Dich nur um eins, halte mich genauso fest umklammert, wie auf unseren gemeinsamen Fahrten mit meiner Maschine. Halte mich, als wenn Du mich nie wieder loslassen möchtest.“ Der Schmerz, der in seinen letzten Worten mitschwang, machte Shannon in Sekundenschnelle klar, dass er genauso gelitten hatte, wie sie, aber auch, dass er sein Versprechen gehalten hatte, er war zu ihr zurückgekehrt. Schon fast wieder glücklich umfing sie seine Taille und schmiegte sich fest an Cals Rücken. „Ich las Dich nie wieder los...“ Shannon wusste nicht, ob dieser Schwur an Cals Ohren gelangte, oder ob der Wind in vorher von ihren Lippen gerissen hatte. Doch ein kurzer Druck von Cals Hand auf ihrem Oberschenkel sagte ihr genug. Sicher lenkte Cal seinen Hengst durch die Dunkelheit. Sobald das Gelände es erlaubte, fiel der Hengst in einen schnellen Trab. Bei jedem Schritt des Pferdes wurde Shannon leicht gegen Cal gepresst. Beide genossen die stetigen Berührungen und das unglaubliche Gefühl, etwas wiedergefunden zu haben, was für immer verloren schien. Viel zu schnell nach Shannons Geschmack war der Ritt zu Ende und Cal hob sie vom Pferd. Shannon sah sich um. Es war unglaublich und doch so vorhersehbar. Cal hatte die Klippe angesteuert, die sie so oft gemeinsam in vergangener (oder zukünftiger?) Zeit besucht hatten. Den Ort, wo sie gemeinsam vollste Erfüllung und tiefe Glücksmomente gefunden hatten; den Ort, wo ihr Kind gezeugt worden war und Shannon nur knapp dem Tode entronnen war. Cal zog Shannon zu sich auf den Boden und umfing sie mit seinem Umhang und seiner Körperwärme. „Ich weiß, dass es für Dich unglaublich erscheint. Und selbst ich, der nun schon einiges erlebt habe, kann es nicht fassen, dass Du heute
an diesem Ort bei mir bist. Und dann bist Du nicht alleine hier, sondern auch Katryn ...“ „Lass mich Dir das wenige erklären, was ich weiß...“

           Steffi

Shannon war, als hörte sie Cals Stimme nur von fern. Sie konnte ihn einfach nur anschauen und ihre Finger berührten immerwährend sein Gesicht. Sie hörte, wie er von seiner Kindheit erzählte und von seiner liebevollen Mutter, die sie ja bereits schon kannengelernt hatte, aber all das drang nicht richtig zu ihr durch. Plötzlich verzog sich Cals Gesicht zu einem Lächeln. "Sag mal Shannie... hörst Du mir überhaupt zu?" Mit einem Ruck hielt Shannon bei ihrer Liebkosung inne. "Entschuldige. Ich...ich..." "Du musstest mal eben nachsehen, ob ich wirklich echt bin, was?" Shannon nagte an ihrer Unterlippe und blickte zu Boden. "So in etwa trifft das zu." "Schon gut. Soll ich noch mal von vorn anfangen oder möchtest du mich weiter auf meine Echtheit hin prüfen?" Er lächelte sie immer noch ziemlich verschmitzt hat und plötzlich hatte Shannon überhaupt keine Lust mehr auf erklärende Gespräche. Sie schlang die Arme um seinen Hals und küsste ihn stürmisch. Völlig überrumpelt fiel Cal hinten über und sie landeten auf seinem Umhang.

                                                                      *
"Verdammt Cal...ich dachte, du wärst tot." Tränen rannen Shannon die Wangen hinunter, doch sie bemerkte es kaum und konnte nicht aufhören Cal zu küssen. "Ich weiß...ich...ich...versuche es Dir ja zu erklären." "Später." Shannon fingerte an Cals Hemd herum und verfing sich in den Bändern, die es zusammen hielten. "Himmel...wie zieht man denn diese Dinger aus?" "Versuchs mal mit überm Kopf ziehen." Er grinste sie immer noch jungenhaft an, auch wenn sie mittlerweile das Verlangen in seinen Augen sah. Trotzdem machte sie sein leiser Spott wütend. "Hör auf so blöd zu gucken. Ich komme aus dem 20. Jahrhundert. Da haben die Menschen Knöpfe an ihren Hemden oder tragen T-Shirts. Jedenfalls tarnen sie sie nicht mit unnützen Bändern." "Aber..." Shannon riss ihm das Hemd über den Kopf und bedeckte sein Gesicht und seinen Oberkörper mit Küssen. Augenblicklich verschlug es Cal die Sprache. Er zog sie zu sich heran, strich ihr durch das rote wehende Haar, das er so sehr vermisst hatte und stöhnte unwillkürlich leise auf, als er ihren all zu weiblichen Körper an seinem wahrnahm. Es war schon eine Weile her, das sie das letzte mal beisammen gewesen waren, aber irgendwie erschien sie ihm weiblicher. Er schob eine Hand in ihr Oberteil - immer noch das abgerissene Stück ihres gelben Nachthemdes - und begann ihre Brüste zu liebkosen. Überrascht, wie schnell und heftig sie auf ihn reagierte, drehte er sie auf den Rücken. Schnell, aber behutsam zog er ihr Nachthemd und Hose aus und begann sie im hellen Mondschein zu betrachten. Sie war schon immer schön gewesen, aber jetzt hier in der Vergangenheit  in seiner Welt, in seiner Gegenwart und unter diesem Mond, sah sie aus wie ein Wesen aus einem Märchen. Ihre helle Haut schimmerte, als hätte jemand silbrigen Puder auf sie gestreut und ihre roten Haare schienen in Flammen zu stehen. "Komm zu mir!" Ihre Augen waren vor Verlangen völlig verschleiert und als sie ihn wiederholt zu sich bat, tat er ihr den Gefallen und befreite sich vom Rest seiner Kleidung. Cal fing an sie zu liebkosen, doch Shannon hatte keine Geduld für Zärtlichkeiten. Bestimmend schob sie ihn auf sich und erschauerte, als sie sein sehr deutliches eigenes Begehren spürte. Ihr wurde heiß und schnell atmend, schob sie ihm ihr Becken entgegen, so dass er mit einer einzigen Bewegung in ihr war. Shannon stieß einen leisen quiekenden Schrei aus und Cal hielt abrupt inne. "Entschuldige...tue ich dir weh?"

                                                                          *

"Oh Gott nein. Bitte hör nicht auf." Er glitt tiefer in sie hinein und Shannon umschlang seinen Körper mit ihren langen Beinen. Er begann sich langsam in ihr zu bewegen und sie bog sich ihm entgegen, so dass er  ihren festen Busen an seinem Körper spüren konnte. Er versuchte sich zu beherrschen, doch sie konnten sich beide nicht zurückhalten. Verzweifelt versuchten sie sich aneinander festzuhalten, so als ob sie sich nie wieder verlieren wollten. Ihre Hände verschränkten sich ineinander und lösten sich wieder und laut keuchend drängten sie sich weiter aneinander. Shannon fuhr mit ihren Fingern über seinen Rücken. Ihr wurde schwindelig. Sie krallte sich immer tiefer in seinen Rücken und plötzlich explodierte etwas in ihr. Es war als würde sie erneut das Gefühl für Zeit und Raum verlieren. Es gab nur noch sie beide und als sie spürte, wie auch Cal laut stöhnend seinen Höhepunkt erreichte, begannen ihr erneut die Tränen das Gesicht herunter zu laufen. Doch diesmal war es ein heftiges Schluchzen und Shannon vermochte ihre Tränen nicht zu stoppen. Besorgt löste Cal sich von ihr, wickelte den Umhang um ihren nackten Körper und wiegte sie in seinen Armen. "Verdammt noch mal. Ich führe mich auf wie ein Idiot." Fluchend schlug Shannon die Hände vors Gesicht. "Shannon, es war eine anstrengende und verwirrende Zeit für dich. Du bist überhaupt kein Idiot." "Das sind bestimmt diese verflixten Hormone. Jetzt gehöre ich auch schon zu diesen schwangeren Weibern, die bei jeder Gelegenheit das heulende Elend kriegen." "Nun übertreib aber nicht." Cal strich ihr behutsam über das zerzauste Haar, hielt jedoch mit einem Ruck inne. "Du bist schwanger?" Er setzte sich mit einem Ruck auf und Shannon schaute ihn etwas kleinlaut an. Sie hatte gar nicht mehr daran gedacht, das er ja von ihrem Zustand noch gar nichts wusste. Sie hätte es ihm vielleicht ein bisschen behutsamer beibringen sollen. "Ja.....

                  Steffi (Bücherkiste)

auf besonderen Wunsch aus dem Mittwoch Chat, damit Alec nicht alleine bleibt..

Zur gleichen Zeit als Cal und Shannon ihr wiedergefundenes Glück auf der Klippe genossen und Cal sich mit dem Gedanken an Shannons unerwarteter Schwangerschaft auseinandersetzen musste, traf Shannons beste Freundin Tanya in Kinvara ein.

Nachdem Tanya ihr Freundin weder übers Telefon noch übers Handy erreichen konnte und auch die täglichen eMails unbeantwortet blieben, hatte Tanya ihren Chef bei einer Londoner Investmentbank kurzentschlossen um eine Woche Urlaub gebeten und zum Glück auch ohne Probleme bekommen, denn Shannon war nicht nur ihre beste Freundin, sondern auch ihre Cousine 2. Grades, so dass Tanya mit guten Gewissen eine dringende Familienangelegenheit anführen konnte.

Kaum in Ihrer Wohnung, einer als Penthouse umgebauten Fabriketage angekommen, schmiss sie ein paar Kleidungstücke und die wichtigsten Kosmetikartikel in die Packtaschen, schnallte sie auf ihrer Maschine fest und fuhr Richtung Irland los. Während sie unterwegs versuchte, jede Minute einzusparen und selbst die Tankstopps aufs nötigste beschränkte, um eine möglichst frühe Fähre nach Irland zu bekommen, musste sie immer wieder an Shannon und Cals schreckliches Ende denken. Immer wieder zwang sie sich dazu, sich auf die vor ihr liegende Straße zu konzentrieren. "Mein Gott, nichts wäre für Shannon schlimmer, als wenn ich jetzt an einem Allee Baum enden würde."

Gegen 4 Uhr morgens, das Tageslicht hatte schon die Dunkelheit der Nacht verdrängt erreichte Tanya endlich Shannons Cottage in Kinvara. Völlig kaputt stellte sie die Yamaha neben Shannons blauem Flitzer ab, nahm die Packtaschen ab und ging zur Haustür. Während sie sich unschlüssig auf die Lippe biss und überlegte, ob sie Shannon, um diese zeit wirklich wecken sollte, bemerkte sie, dass die Haustür einen kleinen Spalt offen stand.

Voller Panik öffnete Tanya die Tür und betrat den Windfang. Im gleichen Moment nah sie an der Tür zum Wohnzimmer einen Schatten wahr. "Shannon, bist Du das?". Keine Antwort. Ihre Nackenhaare richteten sich auf und sie begann trotz der warmen Lederkleidung zu frieren. Gleichzeitig fühlte sie sich von einem merkwürdigem Gefühl umgeben, bevor sie es identifizieren konnte, war es schon wieder vorbei. "Verdammt Tanya Flynn, nun dreh nicht durch, Gespenster gibt es nicht."

Leise guckte Tanya nun in jedes Zimmer, um das festzustellen, was sie schon geahnt hatte, keine Spur von Shannon. Verzweifelt betrat Tanya den Garten, in der leisen Hoffnung, dass Shannon vielleicht einfach nur etwas frische Luft gebraucht hatte. Auf dem Weg zu ihrem Lieblingsbaum, einer Weide mit weit ausladenden Ästen, mit einer sehr alten, aber immer noch stilvollen Bank glaubte sie wieder etwas wahrzunehmen. Erneut rief sie sich energisch zur Räson. Frustriert, immer noch keine spur von ihrer Freundin gefunden zu haben, setzte sie sich auf die Bank. Gedankenverlorenen griff sie nach dem alten Ankh-Anhänger (altes ägyptisches Kreuz, Zeichen des Lebens und Symbol für den ewigen Kreislauf), und fragte sich, wo Shannon nur stecken könnte.

Im nächsten Moment glaubte sie, ein Feuerwerk würde vor ihren Augen abgebrannt, helle Farben drehten sich vor ihren Augen und dann schien sie in einem schwarzem Nichts zu versinken.

Das Nächste, was sie wahrnahm, war ein wütender, finster blickender Mann in merkwürdigen Kleidern, der sie wild anbrüllte.

"Wer sind sie? Wo kommen Sie her? Wie sehen Sie aus?? Warum kann ich nicht einmal an meinem Lieblingsplatz einmal am Tag für 5 Minuten Frieden finden??"

Auch wenn Tanya in ihrem Inneren immer auf der Suche nach einem starken Mann war, bei dem sie sich anlehnen konnte, war sie es durch ihren Job gewohnt, sich gegen Männer durchzusetzen und ließ sich so schnell nicht unterkriegen.

"Wieso, wer ich bin?? Dies ist das Cottage von Shannon. Was machen Sie hier?? Wer sind sie???" "Was meinen Sie mit Aussehen?? Soll ich vielleicht im Designer-Kostüm Motorrad fahren?? Und wenn Sie einen halben Tag durch halb Großbritannien gefahren wären, würde ihre Frisur auch nicht mehr sitzen."

"Motorrad?? Shannon??" Mit plötzlichem Verstehen musterte Alec sein wütendes gegenüber. Fasziniert bemerkte er die Blitze, die aus ihren blauen Augen schossen, bei näherer Betrachtung war die zerzauste blonde Haarmähne eigentlich auch ganz reizvoll und lud zu weiterem Zerzausen ein. Die enganliegende Lederkluft ließ seiner Phantasie nicht viel Platz und er war zufrieden mit dem, was er sah.

Tanya griff, durch seine Musterung mehr verärgert als verängstigt, holte ihr Handy aus der Lederjacke in und hielt es wie eine Waffe auf Alec gerichtet. "Wenn sie nicht sofort eine verdammt gute Erklärung für ihr Erscheinen hier abgeben, ruf' ich die Polizei."

Obwohl Alec sich eben noch nach Shannons Auftauchen und Verschwinden, der stundenlangen vergeblichen Suche und der Auseinandersetzung mit Cal nur nach Ruhe und Frieden gesehnt hatte, merkte er, wie er sich köstlich über diesen kleinen, blonden Hitzkopf amüsiert.

"Also, Mädchen, wer hier wem erschienen ist, dürfte noch eine nette Diskussion werden und die Handys werden leider erst in ein paar hundert Jahren erfunden. Versuch doch mal ein Netz zu finden..."

"Verdammt ein Verrückter" schoss es Tanya durch den Kopf. Gleichzeitig begann sie einen Vortrag über die Dichte des irischen Mobilfunknetzes zu halten, um unauffällig den Notruf zu wählen.

Alec hatte nun endgültig genug und griff zu dem Mittel, mit dem Männer die Frauen schon, seit ewigen Zeiten zum Schweigen gebracht haben, er zog sie zu sich heran, umfasste liebevoll ihren Nacken und senkte seine Lippen auf ihren Mund...

                            Steffi

Es sollte eigentlich eine Demonstration seiner Überlegenheit werden, doch als seine Lippen die ihren berührten ging eine Wärme durch ihn hindurch bis zum Herzen und er spürte endlich, den von ihm so lang-gesuchten Frieden. Seine Lippen wurden sanfter und drängten um Einlass. Es dauerte einige Sekunden, bis er merkte, dass die Lady nicht das Entgegenkommen zeigte, dass er in sich spürte. Tanya konnte es nicht fassen, so etwas war ihr noch nie passiert, seine Lippen fühlten sich wunderbar warm an, nahe war sie dran, sich einfach diesem Gefühl hinzugeben. Doch ihr Stolz verbot es ihr: 'diesem Neandertaler sollte jemand mal Manieren beibringen' dachte sie. Sie stemmte sich gegen seine Brust und wunderte sich, dass sie gleich Erfolg damit hatte. Sie schauten sich in die Augen. 'wunderschöne Augen hat dieser Kerl' ging es ihr durch den Kopf. Er schaute sie fragend an. Ihr Blick wanderte zu seinen Lippen zurück und ihr kam eine Idee.

                               *

"Dort wo ich herkomme umwirbt ein Mann erst zärtlich die Frau, bevor er sich solche Freiheiten herausnimmt! Und manchmal übernimmt auch die Frau die Initiative." Tanya legte ganz zärtlich die Hand in seinen Nacken, streckte sich und küsste ihn zärtlich. Alec war wie erstarrt, was war das? Es überraschte ihn, dass sie keine Angst vor ihm hatte. Wie oft hat er sich zu groß, zu grob gefühlt. Die meisten Frauen hatten Angst vor ihm. Sein Habitus war auch wirklich imponierend. Ein Vorteil im Kampf gegen einen Feind, ein Nachteil, wenn er sich einer Frau nähern wollte. Er fürchtete immer, sie zu zerquetschen. Aber diese Frau, sie passte in seinen Armen, wie dafür erschaffen. Sie war sehr groß und das Gefühl der Freiheit überkam ihn. Tanya die seine
Überraschung spürte grinste in sich hinein, doch nicht lange, da merkte sie wie seine Arme sie umschlossen und sie fest an ihn gepresst wurde. Der Kuss wurde immer intensiver und eine Hitze breitete sich in ihr aus. Sie fuhr ihm mit der Hand in seinen Hemdausschnitt und spürte seine warme Haut und ein Zittern befiel sie.

                                *

"Bitte" flüsterte sie an seinem Mund. Er hielt inne und spürte, dass er kurz davor stand seine Kontrolle zu verlieren und sie gleich hier zu nehmen an seinem Lieblingsplatz. Fort war die Bitterkeit, der Verrat seines Bruders, er konnte auf einmal nachempfinden, was Cal für Shannon empfand. Aber erst musste er das Geheimnis um diese Frau lösen. Mein Gott, er wusste ja nicht einmal ihren Namen.

                                            *

"Wie ist dein Name?" flüsterte er an ihrem Ohr, als er begann zärtlich daran zu knabbern. "Tanya und dein Name?" Sie erschauerte als er zärtlich ihren Namen ins Ohr hauchte "Tanya - ein schöner Name". Ihre Knie wurden weich, solche Gefühle kannte sie nur aus Romanen. Jetzt war es Wirklichkeit.

                                    Maria

Mit kleinen Küssen bedeckte er den Weg von ihrem Ohr zum Mund. Als er dort angekommen war, verlagerte er sie etwas in seinen Armen um seinen Hunger noch mehr zu stillen. Das Gefühl dieser neuerrungenen Freiheit und des inneren Friedens, das in erfasst hatte versetzte ihn in einen Rausch. Er wollte nie mehr von ihr ablassen. Diese Frau berührte seine Seele, eine Seele von der viele Menschen behauptet hatten sie gäbe es nicht. Und nun war auch Alec sicher, dass er sie hatte. Das Glücksgefühl das ihn überspülte lies all die harten Jahre die er durchlebt hatte in den Hintergrund treten. Nur das Hier und Jetzt war noch wichtig. Er löste sich von ihr, wollte die Frau ansehen die ihm diese Freude bescherte. Sie sah zu ihm auf, mit von seinen Küssen verschleiertem Blick. Ihre Augen waren so blau wie die Irische See die er so liebte. Ihr Haar so Gold wie die weitläufigen Kornfelder von Dunguaire kurz vor der Ernte. Ihr Gesicht war einfach alles für ihn. Nicht nur der Kuss löste all diese Gefühle in ihm aus bemerkte er in diesem Augenblick, nein es war ihre bloße Anwesenheit. Endlich hatte auch er seinen Frieden gefunden.

Tanya war überrascht als er so plötzlich inmitten des Kusses von ihr abließ. Dieser Kuss hatte eine alles verzehrende Macht auf sie ausgeübt. Dieser Kuss hatte sie dazu überredet ihm alles zu geben. In seiner Zärtlichkeit und Sehnsucht war er das erschütterndste gewesen, was ihr jemals wiederfahren war. Sie blickte zu ihm auf und studierte sein Gesicht. Er schien wie aus der Geschichte entsprungen. Ein Highlander. Ein Irischer Rebell. Mit seinem dunklen, fast schwarzen langen Haar, das ihm offen und wild über die Schultern fiel. Seinem Blick, der ein Feuer entfachen konnte. Ein Feuer in ihr, von nie gekannter Stärke. Wer war er? Sie erlaubte einem Mann sie so zu küssen, ohne zu wissen wie er hieß und wer er war.

Sie wollte sprechen doch kein Laut drang über ihre Lippen. Sie räusperte sich. "Wer... wer bist Du?" war jedoch alles was über ihre Lippen kam. "Meinen Namen kann ich Dir einfach nennen, wer ich jedoch bin, ist eine Frage die sich nicht so einfach beantworten lässt." Er trat einen Schritt zurück, verbeugte sich leicht. "Ich bin Alec O'Hines von Dunguaire Castle." Langsam lief Tanyas Verstand wieder mit dem üblichen Scharfsinn. "Es gibt O'Hines hier in Kinvara, aber sie leben sicher nicht auf Dunguaire Castle. Das Schloss ist eine Ruine. Alles wurde zerstört." Sie blickte ihn verständnislos an. Alec reichte ihr die Hand und sie griff automatisch danach. "Komm Tanya, ich zeige Dir woher ich komme." Mit diesen Worten begann er einen kleinen Trampelpfad einzuschlagen, der leicht hügelaufwärts führte. Sie erreichten ein kleines Wäldchen. Dort war es angenehm kühl. Vögel zwitscherten im Blattwerk. Hier und da huschte ein Hase über den Weg. Sie liefen nicht lange, ehe sich die Blätter über ihnen lichteten und sie wieder aus dem kleinen Wald heraustraten. Vor ihnen ragte eine Burg in den Himmel auf. Fahnen waren an ihren höchsten Punkten angebracht und wehten in der leichten Brise. Tanya blieb stehen und blickte sich um. "Alec, sag mir, wo wir sind. Ich bin nach Kinvara gefahren um meine Cousine Shannon zu besuchen. Als ich mich unter meinen Lieblingsbaum setzte um zu überlegen wurde mir plötzlich schwarz vor Augen und danach war nichts mehr, wie es vor ein paar Minuten gewesen war." Sie sah ihn aus ihren großen Augen verwirrt an. Alec schlang die Arme um sie und bemerkte das sie zitterte. "Na, na. Bleib ruhig. Ich bin bei Dir, und solange ich hier bin kann Dir nichts passieren." Er streichelte ihr beruhigend über den Rücken. "Folge mir, vielleicht finden wir Shannon im inneren meines Heimes," mit diesen Worten löste er die Umarmung, nahm erneut eine Hand von ihr in die seine, drehte sich herum und begann in Richtung Zugbrücke zu laufen. Wie in Trance folgte Tanya dem großen Mann, der sie ganz in seinen Bann gezogen hatte.

                                 *

Sie überquerten die Zugbrücke und betraten den Innenhof. Tanya blickte sich um. Geschäftig gingen Menschen ihrem Tagwerk nach. Ein Schmied beschlug ein Pferd, mehrere Frauen beugten sich über Waschzuber und schrubbten was das Zeug hielt. An der linken Seite in der Nähe des Stalles fochten zwei Männer. Sie trugen Lederkleidung und darüber leichte Kettenhemden, wie sie Tanya im Geschichtlichen Museum gesehen hatte. All das verwirrte sie nur noch mehr. Am Haupthaus angekommen öffnete Alec eine große Tür und schubste sie ins Innere der Burg. Sie betraten eine große Halle. Dort war am Ende des Raumes, auf einer Erhöhung eine lange Tafel aufgestellt, in deren Mitte ein sehr großer, reich verzierter Stuhl stand, links und rechts daneben standen jeweils fünf kleinere. In der Mitte des Raumes waren Bänke und Tische aufgebaut. Der Boden war mit Binsen bedeckt, ganz wie im Mittelalter.

Er führte sie zu einem Kamin an der linken Seite der Halle und setzte sie auf eine Bank die dort stand. "Warte kurz hier, ich bin gleich wieder zurück. Du brauchst keine Angst zu haben, hier wird Dir nichts geschehen. Vorrausgesetzt Du hältst Deinen hübschen kleinen Hintern hier auf der Bank." Tanya blieb sitzen wie befohlen, wer weiß welche Gefahren sie in dem Inneren dieses alten Gemäuers erwartet hätten. Für heute hatte sie genug Aufregung gehabt. Alec drehte sich herum und stieg am Ende des Raumes die Treppe empor.

Während Tanya ihre Umgebung in sich aufnahm, kam ihr plötzlich der Gedanke, ob sie vielleicht in der Zeit gereist war. Es roch hier ganz anders als sie es gewohnt war und sie hatte ein Gefühl wie Wackelpudding in ihrem Kopf. Sie wusste definitiv, das dies nichts mit der Anwesenheit und den Taten von Alec zu tun hatte. So schwach war sie nun wirklich nicht. Die ganzen Menschen, deren Aufmachung und die Burg die Dunguaire Castle sein sollte. Realität war dies auf jeden Fall nicht. Oder wenn doch, dann eine sehr alte. Sie hatte schon des öfteren von solchen Zeitreise-Phänomenen gehört, vielleicht war es nun ihr wiederfahren. Vielleicht befand sie sich aber auch in einem Tagtraum aus dem sie nicht aufwachen konnte. Ihre Gedanken überschlugen sich. Kurz entschlossen kniff sie die Augen zu und zwickte sich in den Arm. Als sie die Augen öffnete saß sie immer noch auf der Bank vor dem Kamin. Irgendwie war sie froh das nichts geschehen war. Sie war viel zu neugierig und wollte erst herausfinden was hier vor sich ging und sie wollte Alec wiedertreffen.

Alec begab sich im oberen Gang nach links und öffnete das alte Zimmer des Burgherren. Er bewohnte es nicht. Nachdem sein Vater gestorben war hatte man alles so belassen wie er es verlassen hatte. Keiner wollte das Zimmer für sich beanspruchen. Auf einem Stuhl am einzigsten Fenster im Raum saß seine Mutter. Alec trat näher. "Alec, schön das Du gekommen bist. Sie ist angekommen, nicht? Nach den Jahren des Wartens ist sie endlich angekommen." "Ja, Katryn, sie ist hier." Er trat näher und kniete sich vor sie hin. "Warum hast Du mir nichts von ihr erzählt?", "Mein Sohn, nachdem Cal Shannon für sich gewonnen hatte, fielst Du in ein tiefes Loch. Du hattest auch zärtliche Gefühle für die Frau deines Bruders entwickelt." Alec räusperte sich. "Pscht, las mich ausreden. Ich möchte Dir dies noch erklären, bevor wir hinunter gehen und mit Tanya sprechen. Ich wusste nicht wann sie kommen würde, wusste nicht, wann sie die Welt betreten würde, ich wusste nur, das sie kommt. Und so entschloss ich mich dazu Dir nichts über sie zu erzählen." Sie strich ihm eine Strähne seines dunklen Haares aus der Stirn und sah ihn liebevoll an. "Ich dachte wirklich das es das Beste für Dich ist. Ich habe Dich in Deiner Liebe zu der Burg belassen in der Du auch völlig aufgingst, ich wollte keine Neuen Sehnsüchte und Erwartungen in Dir schüren ohne Dir einen Zeitpunkt nennen zu können an dem sie erfüllt werden." Katryn stand auf und begab sich zum Bett. Sie öffnete die kleine Truhe, die neben dem Bett stand und nahm etwas heraus. "Nachdem Du jedoch Shannon gefunden hattest wusste ich nicht ob es gut gewesen war. Du wolltest sie wieder für Dich beanspruchen. Ich konnte nun nicht mehr warten und habe gebetet, das Tanya irgendwie zu Dir finden würde. Und wie es scheint haben die Götter mein Flehen erhört." Katryn drehte sich zu ihrem Sohn herum und hielt zwei Bänder in der Hand. Ein Grünes und ein Blaues. Beide waren mit zarten Zeichen aus einem Goldfaden bestickt. "Aber warum passiert...?" "Still, ich möchte die Ganze Geschichte nicht viermal erzählen müssen. Cal und Shannon sind angekommen. Lass uns hinunter gehen." Alec war sich im Klaren, das sie keinen Widerspruch dulden würde. So neugierig er auch war, er musste warten bis sie alle zusammen waren. Er öffnete für seine Mutter die Tür. Sie trat heraus, hielt die beiden Bänder wie ein Heiligtum vor sich an die Brust gedrückt und schritt die Treppen zur Halle hinab. Alec folgte ihr.

                             Alexa

In Mitten der großen Halle trafen sie schließlich alle zusammen. Während Tanya und Shannon sich erst fassungslos anstarrten, um dann gleichzeitig zu reden zu beginnen, betrachtete Katryn das Durcheinander amüsiert und wartete bis sich die erste Aufregung gelegt hatte.

"Kinder nun, lasst uns bitte nicht im Stehen und womöglich noch vor Publikum unsere Familiengeschichte besprechen. Da können wir ja gleich ein Familien-Ticket für den Scheiterhaufen lösen."

"Kommt mit in meinen Lieblingserker, dort wird uns keiner stören und wir können in Ruhe über alles reden."

Cal zog Shannon zu sich auf einen steinernen Fenstersims, während sich Alec mit Tanya in einen breiten Sessel zurücklehnte. Katryn nahm anmutig auf einem kleinen Hocker Platz, der direkt vorm Kamin stand.

Bevor sie anfangen konnte, zu erzählen, ergriff Tanya das Wort. "Cal, Du lebst ????." "Tanya, Schatz, das hast Du aber sehr schnell bemerkt. Ich dachte immer, Du bist für Deine rasche Auffassungsgabe berühmt," kam es von Alec. Bevor Tanya antworten konnte, zog er erneut ihren Kopf zu sich heran und verschloss ihre Lippen mit seinen. Erst das entschiedene Räuspern von Katryn brachte die beiden in die Wirklichkeit zurück.

Katryn begann mit ihrer Erzählung: "Die Zeit und das Schicksal... nichts von beiden ist so einfach zu verstehen und beides läuft nicht nur linear in eine Richtung. Tanya, um bei Deine Aktiencharts als Beispiel zu nutzen stellt Euch nicht nur eine Kurve vor, sondern ein ganzes Netz von Kurven, die nebeneinander verlaufen, ohne sich jemals zu beruhen."

"Die Theorie von den Parallel-Universen." kam der Einwurf von Shannon. "So in etwas kommt das hin", fuhr Katryn fort. "Ich kann leider auch nicht alles verstehen und erklären, was geschieht und was geschah, aber einige Dinge, halte ich für gesichert."

"Das Schicksal unser beiden Familien ist miteinander verwoben und zwar immer das der Dunguaire Männer mit den Frauen der Flynns. Warum das so ist, vermag ich nicht zu sagen. Es gibt eine alte, überlieferte Sage, die von einem Fluch berichtet. Aber für genauso wahrscheinlich halte ich es, dass wir gemeinsame Vorfahren haben, die vielleicht nicht von dieser Welt sind. Ich weiß die Antwort nicht."

Die Historikerin in Shannon brach durch, "deshalb die Photos, auf denen immer der anscheinend gleiche Mann zu sehen war und die Geschichten über die merkwürdigen ersten Liebhaber oder Männer meiner Vorfahren."

"Richtig. Es handelte sich nicht um die selben Männer, es ist nur die Familienähnlichkeit, die auf den Fotos durchkommt. Guck Dir doch meine Söhne an, auf einem alten Foto könntest Du sie kaum auseinander halten." bestätigte Katryn.

"Warum sind diese Männer dann plötzlich verschwunden" fragte Tanya besorgt und klammerte sich an Alec.

"Ganz einfach. ich erwähnte doch vorhin diese parallel verlaufenden Zeit- und Schicksalslinien. Nun den Männern von Dunguaire ist es gegeben, auf diesen Linien zu reisen, wenn sie es denn wollen. In gewisserweise sterben sie auch nicht, sondern wechseln in ihre ursprüngliche Zeitzone zurück."

"Bei den Männern Euer Vorfahrinnen war es zwar eine kurze, innige Beziehung, aber nicht die wahre, große Liebe. Die Art von Liebe, die einen letztlich - mit ein paar Hilfsmitteln - befähigt, die Grenzen der Zeit hintersich zulassen."

"Wie immer ist das Schicksal zu uns Frauen nicht so gut gewesen. Wenn wir unseren Schicksalsgefährten gefunden haben, oder aber bereit sind, Ihn zu erkennen, dann ist die erste Voraussetzung für unsere Reise geschaffen, nämlich 'starke Gefühle'. Entschuldigt den banalen Ausdruck, aber etwas besseres habe ich nicht gefunden."

Shannon dachte an das Gefühlschaos, in das sie der Tod von Cal und die unerwartete Schwangerschaft gestoßen hatte.

Tanya dachte an die Sorgen, die sie sich um Shannon gemacht hatte und die Sehnsucht tief in ihr nach einem Mann, an den sie sich anlehnen konnte.

"Dann müsst ihr einem Ort sein, an dem die Grenze zwischen den Linien eng und überwindbar ist. Guckt Euch um, hier an der Bucht von Galway. Seht über die leuchtende Heide, schaut, wie sich das goldene Getreide im Wind bewegt, beobachtet, wie das Wasser gegen die Klippen donnert. Wo sonst sind die Elemente so vereint, wie hier. Und nirgends sind sie gegensätzlicher: Da ist der wunderschöne Burren und auf der anderen Seite der Bucht habt ihr das rauhe, wilde Connemara. Hier in Kinvara brauchen wir keine Symbole wie in Stonehenge, hier kommt die Kraft aus der Natur selbst."

Katryn fuhr in Ihrem Vortrag fort, die vier hingen wie gebannt an ihren Lippen.

"Und wie fast immer im Leben fehlt noch eine dritte Vorraussetzung. Ihr habt einen Gegenstand benötigt, in dem das alte Wissen enthalten ist, dieser Gegenstand ist der letzte Schlüssel, der es Euch ermöglicht hat, hier her zu reisen."

Shannon blickte wissend zu dem grünen Haarband, dass Katryn in der Hand hielt, während Tanya ratlos guckte. Verstohlen folgte Alecs Hand der dünnen goldenen Kette um ihren Hals. Genießerisch folgte er dem goldenen Pfad bis zu ihren Brüsten. Mit einem bedauernden Grinsen zog er die Hand zurück und hielt den goldenen Ankh-Anhänger aus ihrem Ausschnitt. Lachend ließ er ihn vor ihren Augen hin und her schwingen. "Noch Fragen, Kleine", diese freche Bemerkung brachte ihm einen kräftigen Tritt gegen das Schienbein ein. Da Tanya immer noch ihre Motorrad Stiefel trug, betrachteten vier Augenpaare amüsiert, wie der stolze Herr von Dunguaire nun anscheinend vor Schmerzen im Erker herumhüpfte. Besorgt sprang Tanya auf und wollte ihn tröstend umarmen. Im nächsten Moment hing sie mit dem Kopf nach unten über seiner Schulter.

"Da gehört schon ein größeres Kätzchen zu, um mich zu fällen." brummte Alec.

Obwohl sich Cal vor Lachen und Staunen über seinen völlig veränderten Bruder kaum ein kriegen konnte, wandte er sich an Katryn.

"Das klingt zwar unglaublich, aber dennoch irgendwie plausibel. Nur, was ist mit unserem Kind. Wie können wir entscheiden, in welcher Zeit wir zusammen leben wollen... "

                               Steffi

"..., Katryn?" Katryn blickte Shannon ruhig an. "Ich werde noch darauf zurückkommen. Ich verstehe, das ihr viele Fragen habt. Aber beginnen wir doch da, wo alles begann. Ich mochte es noch nie, den Gaul von hinten aufzuzäumen." Shannon rutschte unruhig auf ihrem Stuhl hin und her. Ein kleinlautes "Ok." war zu hören. Sie wollte wirklich mit ihren Fragen bis zum Ende von Katryns Erzählungen warten, doch schon im nächsten Moment waren alle Guten Vorsätze vergessen...

                            Alexa

Shannon schaute Kathrin fragend an. "Aber warum musste es ausgerechnet eine Frau aus unserer Familie sein?" "Ja, was ist so besonderes an uns Flynn Frauen?" Tanya schaute Alec fragend an. Alec und Cal schauten ein wenig betreten. Beide schauten sie Hilfe suchend zu Kathrin, "Mutter - könntest du. ?" Kathrin hätte ihre Söhne gern ein bisschen schmoren lassen, aber wegen der wichtigen Sache, hatte sie Erbarmen mit ihnen. "Shannon, Tanya - meine Söhne und ich haben einen Schwur getan, einen Schwur auf unserer Ehre und dem Manne zuliebe, den wir über alles geliebt haben. Mein Mann hat alles aufgegeben um uns zu lieben. Als wir durch die Zeit gereist sind, hat er uns aufgenommen und es war Liebe über alle Grenzen hinweg. Nicht nur zu mir, nein, auch zu meinen Söhnen. Er nahm sie als seine Söhne an. Wie habe ich ihn geliebt." Kathrin blickte sinnend vor sich hin.

                              *

Cal und Alec seufzten und schauten auf den Boden. Shanna beschützte unbewusst ihr ungeborenes Leben, mit der typischen Geste einer werdenden Mutter. Die Hand an ihrem Bauch. Cal sah es und legte seine warme Hand über die ihre. Sie lächelten sich beruhigend zu. Auch Tanya spürte wie bedrückt Alec war und nahm seine Hand. Er schaute sie nicht an, aber drückte ihre Hand sehr fest.

                                         *

Kathrin blickte die Menschen an, die sie so liebte. "James von Dunguaire Castle hätte eine reiche Erbin heiraten sollen, es war schon alles arrangiert". Wehmütig erinnert sich Kathrin. "Doch er liebte und heiratete uns. Seine Braut, Elizabeth Donovan wurde mit einem älteren Clanchef verheiratet. Sein Name war John Flynn. Sie verfluchte Dunguaire Castle zum Untergang und nur eine Frau aus dem Hause Flynn, eine ihrer Nachkommen könnte den Fluch aufheben. Doch in all den Jahrhunderten konnte dieses Unrecht nicht wieder gut gemacht werden. Wir liebten uns, aber der Preis war hoch."

                               *

Alec räusperte sich und begann zu sprechen: "Wir erinnerten uns, dass wir die Gabe hatten durch die Zeit zu reisen. Die Liebe zu Dunguaire Castle war groß genug um jedes Hindernis zu überwinden. Cal und ich reisten mit Mutters Hilfe in die Zukunft." Er machte eine Pause. "Wir waren erschüttert, als wir die Ruine sahen. Wir haben Nachforschungen über die Flynns betrieben, aber wir mussten uns erst in dieser Welt zurechtfinden. Wir haben in einem Geburtsregister deinen Namen gefunden, Shannon. Da es Cal leichter fiel sich in dieser Welt zurecht zufinden trafen wir eine Abmachung; ich gehe zurück und er würde nachkommen, wenn er dich gefunden hatte."

                               *

Cal unterbrach Alec, und sein Gesicht war schuldbeladen; "Ich schuldete ihm das, Shannon, denn ich war schuld, dass eine deiner Ahninnen, ebenfalls eine Shannon Flynn durch einen Unfall zu Tode kam." seine Stimme brach, er schluckte, seine Augen füllten sich mit Tränen. "Bitte verzeih mir Alec, ich war damals wild und unbesonnen, aber ich bitte dich, verzeih mir Bruder!" Shannon weinte, auch Tanya war erschüttert, sie wagte nicht Alec anzuschauen. Ihr Herz schmerzt mit ihrem Geliebten, denn das war er, ihr Herz erkannte ihn.

                                *

"Damals dachte ich, ich müsste sterben." Alec sprach mit rauher Stimme. "Ich war nicht empfänglich für deine Entschuldigung, ich war verbittert. Dann hast du mich hintergangen und dir wieder die Frau genommen, die ich wollte. Ich war voller Hass. Ich hoffe du kannst das verstehen. Nun habe ich die grenzenlose Liebe kennen gelernt, und kann dir vergeben. Auch möchte ich meinen Bruder wieder haben!" Cal sprang auf und lief auf Alec zu und sie umarmten sich. Starke Männer, gute Männer und Kathrin war zufrieden.

                                *

Kathrin stand auf und klatschte in die Hände, "Cal, Shannon, auf, ihr habt nicht viel Zeit um zurück zu reisen. Es muss noch heute geschehen." Shannon und Cal schauten erschrocken. "Was ist mit mir?" Tanyas Flüstern war kaum zu vernehmen. Kathrin schaute sie an, ihr Blick wurde warm, "wenn du willst kannst du natürlich zurück." "Willst du das?" Alec hielt den Atem an, sein Herz klopfte wie wild, als ob er einen ganzen Wald gefällt hätte. Sie schaute ihm in die Augen, "Nein" hauchte sie, "las mich dich kennen lernen, las mich dich lieben." Für Alec war es ein Gefühl als ob er in ein neues Leben getaucht wäre. Seine Bestimmung.

                                                                      *
"Gut, ihr werdet euch wiedersehen und in der Zwischenzeit kannst du mir das Motorradfahren beibringen" Kathrin lachte befreit auf. Endlich konnte sie das Unrecht wieder gutmachen, James wäre stolz auf sie! Tanya und Alec umarmten zum Abschied Shannon und Cal "Wir sehen uns wieder, ganz bestimmt" riefen sie sich zu. Dann ging das junge Paar mit Kathrin in die Nacht hinaus.

                                 Maria

Epilog

Es war eine stürmische Nacht, Blitze erhellten den Himmel. Shannon versuchte ruhig zu bleiben und an ihre Atemübungen zu denken. Die letzten Tage hatte sie öfters mal leichte Wehen gehabt,  doch nun waren die Schmerzen stärker, intensiver. Leise stand sie auf um Cal nicht zu wecken und ging ins Bad, in dem Moment als sie das Licht anmachte, spürte sie eine Feuchtigkeit an ihren Schenkeln hinunterfließen. Sie erschrak, denn bis zum errechneten Termin wären es noch drei Wochen.

Oh, Cal würde wütend sein, da sie darauf bestanden hatte nach Kinvara zu fahren, in ihr kleines Haus an den Klippen. Für Morgen hatten sie sich vorgenommen, die prächtige Burg zu besuchen, denn seit jener schicksalhaften Nacht war Dunguaire Castle keine Ruine mehr, sondern ein pachtvolles Anwesen, das Jahr für Jahr Tausende Touristen  anzog. ‚Daraus wird wohl nichts’ dachte Shannon und bekam es nun doch mit der Angst zu tun. Sie ging schwerfällig zurück zum Bett, „Cal? wach auf“ sie rüttelte ihn an den Schultern. Wieder kam eine Wehe und sie wimmerte, denn diese war stärker als die vorige. Als der Schmerz nachließ fand sie sich auf dem Boden neben dem Bett wieder und Cal beugte sich über sie.

„Liebling, seit wann geht das schon?“ Zärtlich strich er ihr eine Strähne ihres Haars zurück. Seine Hand zitterte. Es mag zwar sein erstes Kind sein, aber man müsste blind sein um nicht zu sehen, dass Shannon kurz vor der Niederkunft stand. Panik durchrann ihn, die er aber vor Shannon nicht zeigen wollte. Er liebte sie so sehr. Ganz behutsam stütze er sie und nahm sie auf den Arm und sanft legte er sie auf das Bett. Ganz groß waren ihre Augen, doch auch sie versuchte sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen, denn sie wollte ihren Mann nicht noch mehr beunruhigen.

„Müsstest du nun nicht Wasser kochen? So heißt es doch immer in Romanen?“ Cal lächelte nicht, dafür war die Lage zu ernst, da er gerade festgestellt hatte, dass das Telefon nicht ging. „Shannon,  hast du etwa vergessen das Telefon anzumelden?“ Sie schloss ihre Augen, „auch das noch“ kam ihr in den Sinn. „Du musst das Kind zur Welt bringen, Cal“ und eine Wehe erschütterte ihren Körper. Cal wischte sich und ihr den Schweiß von der Stirn. „Ich bin gleich wieder da, lauf ja nicht weg“ Sein Lächeln sollte beruhigend wirken und sie nahm es als solches an. „ Keine Sorge, so schnell wirst du mich nicht los.“

Als sie in die Treppen hinunter rennen hörte, lehnte sie sich zurück und begann mit ihren Atemübungen. Tränen liefen ihr übers Gesicht, sie wollte ja tapfer sein, aber was würde sie dafür geben, dass Katryn und Tanya bei ihnen wären. Cal kam mit einem Stapel Handtücher und mit dem Erste-Hilfe-Kasten ins Zimmer gestürmt. „Ich habe Wasser aufgesetzt“ rief er. Sie war nicht schnell genug um die Tränen abzuwischen und er sah, dass es ihr schlecht ging. Sie lächelte tapfer, „Toll, dann könntest du mir ja eine Tasse Tee machen“ Für Witze war er gar nicht aufgelegt, aber er bewunderte Shannons Mut.

                                    *

Plötzlich war das Zimmer hell durchflutet, geblendet vom Blitz spürten sie eine Elektrizität im Raum und gleichzeitig hörten sie ein Zischen das durch das ganze Haus jagte. Die anschließende Stille war beängstigend und sie schauten sich verwundert an.

                                   *

„Cal, Bruder, ich hoffe du hast einen Rasierapparat im Haus, ich habe Jahrhunderte lang schon keinen Elektrischen benutzt“ Alec stand vor ihm, groß und gewaltig und Cal kamen vor Dankbarkeit die Tränen.

                                 *

„Lass uns vorbei, du Baum von einem Mann, hier werden Frauen gebraucht und keine Männer.“ Katryn und Tanya kamen hinter Alec ins Zimmer hinein. Shannon rappelte sich auf und ein Schluchzen machte sich in ihrer Kehle breit. „Mutter, Tanya, ich weiß zwar nicht wie ihr das fertig gebracht habt, aber ich bin so froh euch zu sehen.“
                                 *

Cal umarmte seine Mutter und wusste er konnte alles in ihre fähigen Hände legen. Stolz berichtete er,  „unten kocht bereits das Wasser“. Seine Mutter klopfte ihn auf die Schulter „brav, dann kannst du uns ja einen Tee machen“ umrundete ihn und ging zum Bett und umarmte Shannon. „Keine Sorge, Liebes, wir schaffen das schon“ flüsterte sie. Sie richtete sich auf und übernahm das Kommando.

                               *

Stunden später konnte Katryn ihrem Sohn eine Tochter in den Arm legen. Stolz betrachteten Cal und Shannon dieses Wunder. Der Schmerz und die Angst waren vergessen, wichtig war nur die Gegenwart.

„Ich werde mit meiner kleinen Nichte fischen gehen“ tönte Alec, seine Rührung verbergend. Tanya nahm das Baby auf den Arm, küsste ihr die Stirn und flüsterte „und ich bringe dir das Motorradfahren bei.“ Katryn nahm ihr das Kind ab und gab es Shannon. „Raus jetzt, die nächsten Stunden gehören den Eltern“ Shannon nahm die Hand ihrer Schwiegermutter und sagte „Sie soll Katryn heißen, da du uns alle zusammengeführt hast“. Gerührt nickte Katryn und ging hinaus „Und ich werde ihr wunderbare Geschichten über Zeitreisen und wahrer Liebe erzählen, ja das werde ich“.

                        Maria


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