Interview-Update mit Robin Schone


Seit April gibt es nun Robin Schones neuestes Buch „The Lover“ zu kaufen. Und sofort rief dieses Buch die widersprüchlichsten Kritiken hervor. Die Mehrheit war begeistert, doch viele Leser/innen kamen mit dem Schreibstil nicht zurecht. Doch trotzdem entwickelte sich das Buch zum Bestseller.

Dann erhielten wir auch noch die tolle Nachricht, daß Robin Schones Buch „The Lady’s Tutor“ nächstes Jahr im Bertelsmann Club als Premiere auch in Deutschland erscheinen wird und das alles war für mich ausreichend Grund, ein weiteres kurzes Interview mit ihr zu führen und mit ihr über „The Lover“ zu sprechen.

Angela: The Lover ist vor kurzem veröffentlicht worden und war ein großer Erfolg. Tatsächlich war es bereits ein großer Erfolg, bevor es offiziell veröffentlicht wurde. Waren Sie überrascht, daß es den Erfolg von „The Lady’s Tutor“ übertroffen hat? Was passierte eigentlich tatsächlich mit „The Lover“? Ich hörte, daß es bereits vor Veröffentlichungsdatum ein Bestseller war?

Robin Schone: Ja, das war das erstaunlichste überhaupt. Lassen Sie mich erklären, daß die wichtigsten Bestsellerlisten – z.B. New York Times und USA Today Bestsellerlisten – die Daten der verkauften Exemplare der bedeutendsten Buchgeschäfte auf wöchentlicher Basis zusammenstellen (USA Today hat 3000 Buchläden, von denen sie ihre Zahlen beziehen). Verlage bestimmen einen Termin, an welchem „Leitbücher“ erscheinen. Den Buchgeschäften ist es verboten, dieses Buch bereits vor diesem Termin in die Regale zu stellen. Der Grund dafür ist, falls ein Buch gleichzeitig überall veröffentlicht wird, ist die Anzahl der wöchentlich verkauften Ausgaben im Laufe der ersten Wochen höher, so daß das Buch eine größere Chance hat, auf einer Bestsellerliste zu landen.

Nun, dieser Termin für „The Lover“ war am 4. April, aber tatsächlich traf es bereits zwei Wochen vorher in den Buchgeschäften ein. Das wäre in Ordnung gewesen, wenn es in allen Buchgeschäften zur gleichen Zeit erschienen wäre, aber das war nicht der Fall. In einer Woche tröpfelten die Bücher in den Geschäften an der Ostküste herein, die nächste Woche in den Geschäften an der Westküste, aber.... „The Lover“ schaffte trotzdem den Weg auf die USA Today Bestsellerliste! (lacht) Am 6. April, gerade zwei Tage nach dem „offiziellen“ Erscheinungsdatum erfuhr ich, daß es nicht nur auf der USA Today Bestsellerliste stand, sondern daß es auch auf der Waldenbrooks „Trade Fiction“ Bestsellerliste UND der Barnes & Noble „Trade“ Bestsellerliste erschien!

Überflüssig zu sagen, daß ich sehr überrascht war. Überdies erschien „The Lover“ als eine Hardback-Ausgabe, was es teurer machte als ein normales Taschenbuch. Deshalb kann ich die Tatsache, daß es „The Lady’s Tutor“ übertroffen hat und auf der USA Today Bestsellerliste gelandet ist, nur als wundersam bezeichnen.
Vor kurzem hörte ich, daß „The Lover“ eine Doublesday Book Club und eine Venus Book Club Auslese ist. Reden Sie mir von Aufregungen...

Angela: Die Kritiken waren diesmal gespalten. Die meisten Kritiker mochten es aber es gab auch einige Kritiker, die Ihre kurzen Sätze und „Ein-Wort-Sätze“ nicht schätzten. Werden Sie weiterhin diesen Stil verfolgen? Haben Sie all Ihre Reviews gelesen? Waren Sie manchmal enttäuscht, oder haben Sie sich einfach entspannt, den Erfolg des Buches und die zu 80% positiven Kritiken genossen?

Robin Schone: Ich habe auch ein paar schlechte Kritiken zu „The Lady’s Tutor“ bekommen (lächelt) aber es stimmt, „The Lover“ ist kontroverser und daher war es diesem Buch vorbestimmt, stärker kritisiert zu werden. „The Lover“ spielt über einen Zeitraum von drei Tagen. Es ist vollkommen Action-orientiert. Obwohl eigentlich erotisch und randvoll mit Sex gespickt, verfolgt die Gefahr jede Berührung, jeden Kuß, jeden Geschlechtsakt meines Helden und meiner Heldin. „Death. Desire. Both beckoning. Both waiting.“ Vergleichen Sie diesen Schreibstil mit einem herkömmlicheren Stil: "Both death and desire were beckoning and waiting for him". Sie spüren den Unterschied.

Kurze, knappe Sätze erzeugen ein hohes Tempo, eine unheilvolle Stimmung und fangen fragmentierte Gedanken und Ängste, Hoffnungen und Leidenschaften ein. Sogar wenn Michael Anne genießt, ist da immer die den Pulsschlag hochtreibende Erkenntnis, daß der Tod nur einen Herzschlag entfernt ist.
Ich bin nicht die erste Autorin, die Action und/oder Stimmungen durch „kurze Sätze und Ein-Wort-Sätze“ übermittelt, noch werde ich die letzte sein. Obwohl ich zugebe, daß ich noch nie zuvor gesehen habe, daß dieser Stil in einem Liebesroman angewendet wurde. Normalerweise wird dieser spezielle Schreibstil für Mystery, Sci-Fi, Horror und/oder Thriller angewendet. Ich sehe nicht ein, warum Liebesromanleser nicht ab und zu auch mal Aufregungen vertragen können. Warum sollen wir immer unter dieser pedantischen Prosa leiden?
Was die Frage betrifft, ob ich diesen Schreibstil beibehalten werde... Eine Freundin sagte mir nachdem sie „The Lover“ gelesen hatte: „Dein Schreibstil hat sich wieder geändert.“ Als ich sie fragte was sie damit meine, sagte sie, daß mein Schreibstil in jedem meiner Bücher unterschiedlich sei. Nachdem ich darüber nachgegrübelt hatte, sah ich ein, daß sie Recht hatte.

Jedes gute Buch hat seine eigene Stimme. Mein Ziel als Schriftstellerin ist es, diese Stimme zu finden und in einem Stil zu schreiben, der meine Story/Charaktere am besten reflektiert, ob es nun durch kurze, knappe Sätze geschieht um Spannung zu erzeugen, oder durch die traditionelleren Formulierungen, um ein klassischeres Setting/Persönlichkeit zu vermitteln.

Ich habe nicht alle Reviews für „The Lover“ gelesen, aber ich denke, daß die meisten gelesen habe. Es gibt gelegentlich eines, das mich wünschen läßt, die Person, die es geschrieben hat, zu schnappen, schütteln und zu schreien 1) beschaff Dir ein Leben, oder 2) beschaff Dir ein Gehirn. Andererseits habe ich Reviews gelesen, die Tränen in meine Augen brachten und mich am liebsten dazu veranlasst hätten, mich diesem Kritiker zu Füssen zu werfen und „Ja! Ja! DANKE! Genau das ist es!“ zu rufen.

Angela: Die Frage, die jeden Leser interessieren muß ist, wann Gabriel sein „und sie lebten glücklich bis an ihr Ende“ erhalten wird? Und wen mochten Sie lieber: Ramiel oder Michael/Gabriel? (Ich weiß, diese Frage ist unfair ;-)

Robin Schone: Ich wußte von Beginn an, daß ich Gabriels Geschichte schreiben muß. Glücklicherweise stimmte meine Lektorin zu. Derzeit arbeite ich an seiner Geschichte.
Es heißt, daß jede Mutter – egal wie sehr sie ihre Kinder liebt – heimlich ganz besondere Gefühle für die/den ganz besondere/n Tochter/Sohn hegt (lächelt). Es geschieht eben einfach... Ich liebte Ramiel aus „The Lady’s Tutor“, aber Michael und Gabriel aus „The Lover“ haben mir mein Herz gestohlen. Allein die Vorstellung von zwei männlichen Prostituierten – einer, der als Junge darauf trainiert wurde, Frauen zu gefallen, während der andere darauf trainiert war, Männer zu befriedigen; einer erlangt durch den Sex seine Seele zurück, während der andere durch den Sex seine Seele verliert – treibt mir Tränen in die Augen.

Der krasse Gegensatz zwischen diesen beiden Männern, die trotz alledem auch im Erwachsenenalter die besten Freunde blieben, fasziniert mich. Wir hätten alle gerne Michael als unseren Liebhaber – ich meine, schließlich ist er Michel des Anges/Michael of the Angels, ein Mann, der nach seiner Fähigkeit, Frauen zum Orgasmus zu bringen benannt wurde – aber ich glaube, unser Bedürfnis Gabriel zu heilen ist genauso stark, wie unser Verlangen nach Michael. Wenn Sie mich gebeten hätten, zwischen Michael und Gabriel zu wählen... nun, DAS wäre unfair gewesen. :-)

Angela: Hat die Bananen-Schokoladen-Szene viele Diskussionen hervorgerufen, da es ziemlich unüblich ist, daß zwei Partner Sex haben und dabei von ekelerregenden Tragödien erzählen, wie als Kind Würmer essen zu müssen...? ;-)

Robin Schone: Nun Angela, ich muß Sie hier sanft zur Rede stellen. Michael und Anne haben KEINEN Sex, während er ihr von seiner Vergangenheit erzählt. Und das ist der Schlüssel, um diese Szene zu verstehen.
Nachdem Michael Anne rettet, ist sie verständlicherweise außer sich. Er ist entschlossen, 1) sie davon zu überzeugen, daß er genau weiß, was sie hat durchmachen müssen – so wie er es als kleiner Junge durchmachen mußte – indem er ihr von seiner Kindheit erzählt; 2) ihr zu demonstrieren, daß sexuelle Liebe und Intimität mächtiger sind, als jede durch den Mann verübten Horrortat und 3) ihre alptraumhaften Erinnerungen durch Erinnerungen an körperliche Freuden zu ersetzen.

„The Lover“ hieß eigentlich ursprünglich „An Act of Love“, weil die Schokoladen-und-Bananen-Sexszene eine absolute Liebeshandlung von Michaels Seite ist. Er schmiert Schokolade auf Annes Körper während er seine Vergangenheit mit ihr teilt, er spricht NICHT von seiner Vergangenheit, während er tatsächlich mit ihr schläft.
Indem er die Schokolade von ihrem Körper leckt und an der Banane knabbert, mit der er sie in Vorbereitung des Liebesaktes gefüllt hat, ersetzt er sein eigenes Kindheitstrauma mit dem Geschmack Annes und setzt dadurch seine eigene Heilung und ebenso ihre in Gang.

Als meine Novelle „A Lady’s Pleasure“ in der Anthologie „Captivated“ veröffentlicht wurde erhielt ich verschiedene Briefe von Frauen, die erwartet hatten von der Analsexszene abgestoßen zu werden, aber stattdessen weinten sie über die Art wie ich damit umging, weil es meinen Held und meine Heldin wirklich miteinander verband. Genau das gleiche gilt für Michael und Anne sowie die Schokolanden-und-Bananenszene in „The Lover“. Einige Leser fanden es abstoßend. Auf der anderen Seite habe ich Fanbriefe bekommen, die schrieben, daß es die schönste Sexszene war, die sie jemals gelesen hatten und daß sie – wie diese Frauen, die meine Novelle gelesen hatten – während des Lesens weinten.

Es ist so einfach in Horror und Niederlage zu schwelgen, sowohl im Leben als auch in der Literatur. Michael weigerte sich, Anne diesen Weg einschlagen zu lassen. Was ihm als Kind angetan wurde, war schrecklich – was man Anne angetan hatte, ebenfalls – aber daß Michael den Schrecken durch Freude ersetzte.... nun, das ist die wahre heilende Kraft der Intimität.

Angela: Sie haben gerade Ihre Novelle für die Anthologie „Fascinated“ beendet. Ich wette, daß diese Novelle von Ramiels Mutter handelt? Können Sie uns bereits mehr über diese Story verraten, und haben Sie einen Anhaltspunkt, worüber die anderen Autorinnen diesmal für diese Anthologie schreiben werden?

Robin Schone: Nun Angela, Sie wissen, daß ich Ihnen nicht verraten kann, wovon die Novelle handelt! Alles was ich zu diesem Zeitpunkt sagen kann, ist daß Held/Heldin eine Nebenfigur aus „The Lady’s Tutor“ ist. Ja... einige Leute werden gewaltig überrascht sein zu erfahren, um welche Figur es sich handelt und mache nicht. (lächelt) Ich will hinzufügen, daß der Stil in meiner bald erscheinenden Novelle nicht der kurze, abgehackte Stil aus „The Lover“ sein wird, jedoch ein Stil, der meinen Charakteren entspricht.
Übrigens erscheint „Fascinated“ im Oktober. Auf meiner Website wird im August ein Preisausschreiben stattfinden. Die erste Person, deren Name gezogen wird und die richtig geraten hat, wer der/die Held/in ist, wird tatsächlich einen netten Preis gewinnen. Ich werde bald weitere Details auf meiner Website veröffentlichen.

Lassen Sie mal schauen.. ich habe das Cover für „Fascinated“ vorliegen, so kann ich Ihnen die Titel aller Novellen angeben: Bertrice Smalls heißt „Mastering Lady Lucinda“, Susan Johnsons ist „Risking It All“, Thea Devines heißt „The Pleasure Game“ und meine heißt „A Man And A Woman“. Die Geschichten werden in dieser Reihenfolge veröffentlicht. Im Gegensatz zu meiner Geschichte weiß ich wirklich nicht, wovon die anderen Novellen handeln.

Angela: Wie sehen Ihre Zukunftspläne für das Leben nach Ihrer Novelle aus? Gehören Sie seit Ihrem Erfolg mit „The Lover“ zur Grisham- und King-Kategorie? ;-)))

Robin Schone: Meine Zukunftspläne sind schreiben, schreiben und nochmals schreiben... Hmm, Ich glaube nicht, daß sich etwas seit dem Erfolg von „The Lover“ geändert hat! (lacht) und weil Grisham, King, Clancy und all die anderen Superstars dieser wunderbaren Welt der Bücher an den selben Plan, der schreiben, schreiben und nochmals schreiben lautet, gefesselt sind, dann ja, vielleicht gehöre ich in ihre Kategorie! :-)

© Angela Weiss und Isolde Wehr, Juni 2000, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im Juli 2000 zwischen Angela W. und Robin Schone für:



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