Interview mit Dagmar Trodler

Dagmar Trodler legt mit ihrem Debütroman "Die Waldgräfin" einen beachtlichen Roman vor der alles hat: gute Unterhaltung, Spannung, tolle Hauptfiguren und eine fesselnde Geschichte.

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Isolde: Frau Trodler würden Sie uns ein bisschen über sich und Ihre Familie bzw. Ihr Leben  erzählen?

Dagmar Trodler: Dort, wo die Waldgraefin spielt, am Nordrand der Eifel, bin ich geboren und aufgewachsen, und da wohne ich mit meinem Mann auch heute - in der Nähe von Düren. Das liegt bequem zwischen den Universitäten von Köln und Aachen, wo ich (neben Saarbrücken) während meines Studiums dem Mittelalter und der skandinavischen Kultur und ihren Sprachen "verfiel". Das Versinken in Büchern und Chroniken war ein merkwürdiger, fast ein bizarrer Gegensatz zu meinem Job als Krankenschwester, aber die Arbeit mit Patienten und Kollegen ist mir immer noch so wichtig, dass ich diesen Job nicht aufgeben möchte.

Isolde: "Die Waldgräfin" ist Ihr Debütroman. Wollten Sie schon immer Schriftstellerin werden?

Dagmar Trodler: An den konkreten Wunsch, 'Schriftsteller' zu werden, kann ich mich nicht erinnern, vielleicht auch deswegen, weil das ja der landläufigen Meinung nach kein richtiger Beruf ist - aber geschrieben habe ich, seit ich lesen kann. Als Schülerin ergossen sich Spinnereien zu Papier, später Geschichten, die sich zu wilden Abenteuergeschichten auswuchsen, als ich 14, 15 Jahre alt war (und Enid Blyton liebte), und auch schon mal das Ausmass von 150 Seiten zweiseitig engbeschriebenes Rechenpapier annahmen ... Tierarzt, Kinderarzt, Vulkanforscher - meine "Baggerführertraeume" fuehrten mich schliesslich ins Krankenhaus, weisser Kittel, Spritze in der Hand, aber das Schreiben hat irgendwie immer im Hinterkopf gesessen und auf den richtigen Moment gewartet.

Isolde: Wann hatten Sie die Idee "Die Waldgräfin" zu schreiben? Wie lange dauerte die Arbeit an dem Roman?

Dagmar Trodler: Mit der Geschichte, die heute 'Die Waldgraefin' heisst, habe ich 1992 begonnen, als aus heiterem Himmel die Anfangsszene von Kapitel 3 vor meinem Auge entstand. Der erste Entwurf war 40 Seiten lang, dann stellte mein Mann mir einen Computer hin, und los ging's. An ernsthafte Schriftstellerei hab ich nie zu denken gewagt. Es hat einfach Spass gemacht, in Büchern zu wühlen, zu recherchieren, zwei neue Sprachen zu lernen, damit man mehr Bücher lesen kann ... und weil es ja alles nicht ernst war, habe ich das Manuskript auch mal für ein Jahr weggelegt. Netto habe ich vielleicht zwei Jahre daran gearbeitet.

Isolde: War es sehr schwer für Sie einen Verlag zu finden?

Dagmar Trodler: Ich habe es gar nicht erst versucht. An einem ziemlich schwarzen Tag in meinem Leben habe ich es gewagt, mich an eine Literaturagentur zu wenden, und von da an nahm das Wunder seinen Lauf ...

Isolde: Ihre Heldin Alienor ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Beruhen die Figuren in "Die Waldgräfin" auf Personen die wirklich gelebt haben?

Dagmar Trodler: Bis auf den Erzbischof von Köln sind alle Figuren im Roman frei erfunden. Mich hat immer schon das Leben der 'normalen' Menschen mehr interessiert als die hohe Politik von Kaiser, König und Minister. Die aus Frankreich kommende Forschungsrichtung der Mentalitätsgeschichte bietet da ein weites Feld, sich schlau zu machen, wie die Menschen früher möglicherweise gelebt haben - da braucht es keine real existierenden Personen.

Zu Alienors Persönlichkeit möchte ich sagen, dass ich davon überzeugt bin, dass es zu allen Zeiten auch Frauen gegeben hat, die gegen den Strom geschwommen sind und Querdenkerinnen waren. Leider war die Geschichtsschreibung stets männlich dominiert, und so gibt es ausser Christine de Pizan nur wenige, die uns eine Ahnung vom Leben der Frauen geben können.

Isolde: Wie haben Sie für Ihren Roman recherchiert? Die von Ihnen beschriebenen Lebensumstände in Deutschland im Jahr 1066 wirken echt und nicht wie das manchmal der Fall ist leicht verschönert. Trotzdem war ich dankbar für den jüdischen Arzt Meister Naphtali und seine fortschrittliche Medizin. War diese Person eine freie Erfindung von Ihnen?

Dagmar Trodler: Wie schon erwähnt, habe ich mich bei meiner Recherche vor allem bei den französischen Historikern um Georges Duby und Philippe Ariès informiert, um herauszufinden, wie man im Mittelalter wohl gelebt haben mochte. Es ist eine uns in jeder Beziehung sehr fremde Welt, ob es das Essen ist, die Medizin, hygienische Zustände, die Kräuterheilkunde oder die Religiosität. Naphtalis arabische Medizin war in der Tat sehr fortschrittlich - die Ameisenoperation entstammt dem Chirurgiebuch des Abu alQasim aus dem 11. Jh, und sein Patient überlebte die Behandlung.

Isolde: Der Held der Geschichte (den Namen will ich nicht verraten um all denen den Spaß nicht zu verderben, welche "Die Waldgräfin" noch nicht gelesen haben) muss sich mit einem harten Schicksal abfinden. Hatten sie seine Figur und sein Schicksal von Anfang an so geplant oder hat sie sich während des Schreibens entwickelt?

Dagmar Trodler: Die Geschichte hatte von Beginn an eine seltsame Eigendynamik, und da ich ja nichts Besonderes vorhatte, liess ich mich mit ihr treiben. Dabei habe ich mich bewusst von islaendischen Sagas beeinflussen lassen - Mord und Totschlag, toughe Männer und tapfere Frauen - daraus wachsen Helden!

Isolde: Stammt der Titel des Buches von Ihnen? Wenn ja, wie sind Sie darauf gekommen?

Dagmar Trodler: Der Titel ist in Zusammenarbeit mit dem Verlag entstanden.

Isolde: Was für ein Gefühl ist es zu wissen, dass Sie ein Buch geschrieben haben, was, wie ich absolut sicher bin, sehr viele deutsche Leser und Leserinnen begeistern wird?

Dagmar Trodler: Ich muss gestehen, dass ich immer noch nicht glauben kann, dass das wirklich alles passiert ist - nicht mal, als ich das erste gedruckte Exemplar in Händen hielt, darin blätterte, mein eigenes Geschreibe wiedererkannte ...

Isolde: Was sind Ihre Lieblingsromane und -schriftsteller?

Dagmar Trodler: Ich lese alles, was mir in die Finger fällt, buchstäblich. Die Liebe zu Mittelalter-Romanen begann vor vielen Jahren mit Juliette Benzonis 'Cathérine'. Heute bin ich in Bezug auf historische Romane  sehr wählerisch geworden, da überzeugt mich zur Zeit (ausser natürlich immer noch den 'Säulen der Erde' und dem 'Namen der Rose') nur Diane Norman mit ihren wirklich spannenden Irland-Romanen.

Isolde: "Die Waldgräfin" hat mich nicht nur wegen Ihrem wunderbaren Erzählstil gefesselt sondern auch weil es darin um eine bezaubernde Liebesgeschichte geht. Sind Sie persönlich ein romantischer Typ? Und warum haben Sie sich nicht gescheut, im Gegensatz zu den meisten anderen deutschen Schriftstellerinnen, eine Liebesgeschichte in Ihrem Roman unterzubringen?

Dagmar Trodler: Mein Verhaeltnis zur Romantik ist gespalten. Einerseits lasse ich mich gerne verzaubern, ob im Film oder Buch, andererseits werde ich schnell ungeduldig und sogar böse, wenn die Geschichte platt, flach oder einfach zu perfekt wird. Ich denke, das merkt man meiner Liebesgeschichte an - die Beziehung meiner beiden Helden ist  alles andere als unproblematisch, und wenn sie sich am Ende auch 'kriegen', so bleibt ein mulmigen Gefühl im Bauch, und man fragt sich, wo das wohl enden mag. So ist das Leben - selten ein Meer von Rosen, aber wenn zwei Menschen versuchen, wenigstens eine Rose zu finden, warum soll man davon nicht erzählen?

Isolde: Warum haben Sie als Schauplatz für Ihren Roman Deutschland gewählt?

Dagmar Trodler: Das geschah eher zufaellig, und interessanterweise gibt es nicht viele Geschichten, die in Deutschland spielen. Schade eigentlich.

Isolde: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft? Dürfen wir noch mit mehr Romanen von Ihnen rechnen?

Dagmar Trodler: Geschichten geistern genug in meinem Kopf herum, ich hoffe, dass mir die Musse bleibt, sie aufzuschreiben. Mein nächstes Buch wird die Leser nach Schweden entführen, und der ein oder andere ahnt vielleicht, warum ...

© Isolde Wehr, Februar 2001, Die romantische Bücherecke

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Dieses Interview entstand im Februar 2001 zwischen Isolde Wehr und Dagmar Trodler für:



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